BUCHBESPRECHUNG: Das Manillen-Geld Westafrikas

Hardcover      ISBN 978-3-86460-272-1   55,00 EUR
Taschenbuch  ISBN 978-3-86460-728-8   35,00 EUR

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Das Manillen-Geld Westafrikas
Spurensuche und Spurensicherung 1439 – 2016

(ENGLISH VERSION BELOW)

Zusammenfassung

 Eine Diskussion des westafrikanische Manillen-Geldes verlangt zunächst eine Definition, welche Gegenstände dieser Geldform zugeordnet werden können. Primär ist festzuhalten, dass nicht alle Metallreifen, die in Westafrika von Landesfremden importiert oder von einheimischen Volksgruppen hergestellt und verwendet wurden unter dem Begriff Manilla zusammengefasst werden dürfen.

Der Begriff Manilla stammt wahrscheinlich aus dem Portugiesischen und wurde später in andere europäische Sprachen (z.B. Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) übernommen. Oft findet sich in der bearbeiteten Literatur aber auch nur die Übersetzung als Arm- und/oder Fußreif aus Kupfer oder Messing. Die echten Geld-Manillen sind aber nie als Schmuck getragen worden, da sie für diesen Zweck nicht geeignet waren. In der Literatur finden sich aber durchaus indigene Begriffe für die von den Europäern Manillen genannten Geldreifen. So in der Côte d’Ivoire für den dortigen popo Typ: ngbolu und dagbo; und in Südost-Nigeria für den Birmingham Typ igbi, igbiki, ejemma, mkpoala und ojoma.
Die Geld-Manillen sind immer ein von den Europäern hergestelltes und importiertes Produkt gewesen.

Die ersten Manillen wurden von den portugiesischen Seefahrern zum Zweck des Handels ab 1456 nach Westafrika, von Mauretanien bis zum Königreich Kongo, gebracht. Es gibt aber auch Berichte portugiesischer Missionare, die die Ausfuhr von landeseigenen Manillen in nördlicher gelegene portugiesische Handelsstationen, ja sogar an den portugiesischen Königshof belegen. Ob die Geld-Manillen primär ein kongolesisches Produkt waren und wegen ihrer Begehrtheit bei anderen westafrikanischen Ethnien von den Portugiesen für den gleichen Zweck nachproduziert wurden oder ob die portugiesischen Manillen von den kongolesischen Handwerkern nachgeformt wurden, muss der derzeitigen Quellenlage nach offen bleiben.

Von den frühen kongolesischen Manillen sind außer einer nicht belegten Gewichtsangabe und der Aussage, dass sie aus gutem Kupfer waren, keine Daten überliefert.

Zu den portugiesischen Manillen gibt es Belege für eine Herstellung in Deutschland und Belgien. Auch die Form dieser tacoais genannten Manillen ist aus Vorgaben zu deren Herstellung bekannt und es lässt auch indirekt ihr Gewicht errechnen. Die plastischen Darstellungen auf den sog. Benin Bronzeplatten, auf Zeremonial-Gongs der Herrscher des Königreichs Benin und auf Elfenbeinschnitzereien der Bini geben uns ein genaues Abbild der frühen, von den Portugiesen exportierten tacoais Manillen. Es handelt sich dabei um massive offene Reifen mit trompetenförmig verdickten Enden. Meeresarchäologische Forschungen und Objektbergungen der zurückliegenden Jahrzehnte haben die Formgebung der portugiesischen Manillen bestätigt und auch einzelne Gewichtsangaben geliefert. Über die Metallzusammensetzung liegen nur wenige Untersuchungen vor. Meistens handelt es sich um Kupferlegierungen vom Bronze- und/oder Messingtyp. Auf jeden Fall fehlen höhere Bleibeigaben (unter 12% ). Der Zinkanteil liegt um 20%. Es handelt sich aber immer um einzelne Bestimmungen, weshalb Metallanalysen in größerem Umfang wünschenswert wären.

Die portugiesischen Manillen wurden auch von den anderen an der westafrikanischen Küste Handel treibenden europäischen Nationen zum Kauf von Gold, Elfenbein, Pfeffer und später auch Sklaven verwendet, obwohl die Portugiesen dieses Handelsobjekt gern in eigener Regie behielten. Die einheimischen Volksgruppen ließen sich zwar von den Europäern mit tacoais Manillen bezahlen, verwendeten diese wohl aber überwiegend als Rohmaterial für eigene Handwerksarbeiten und nicht zu Bezahlvorgängen untereinander. Das erklärt evt. auch den Umstand, weshalb von den in großen Stückzahlen eingeführten Manillen nur einzelne Stücke erhalten blieben.

Von der Form her lassen sich die sog. popo Manillen von den tacoais Manillen gut ableiten, obwohl sie nur noch gut die Hälfte wiegen. Gewichtmäßig gibt es einen gleitenden Übergang von den tacoais zu den popo Manillen. Alle popo Manillen, die von mir untersucht werden konnten, haben Gussnähte, während die wenigen selbst begutachteten tacoais (oder tacoais nahen Manillen) keine Gussnaht erkennen ließen. Metallanalysen der popo Manillen  ergaben neben dem überwiegenden Kupferanteil, über 25% Blei, etwa 3% Zinn, um 5% Antimon und Eisen in Spuren. Auch hier ist die Zahl der analysierten popo Manillen für allgemeingültige Aussagen zu klein.

Das Vorkommen der popo  Manillen ist im Wesentlichen auf die Côte d’Ivoir begrenzt, aber auch in den Fetischhäusern der Igbo im Süden Nigerias und unter den Ladungen geborgener Schiffwracks finden sich immer wieder einzelne typische popo Manillen mit Gussnaht. Das gehäufte Vorkommen in französischen Einflusszonen Westafrikas, stützt die spärlichen Angaben einer Manillen Produktion auch in Frankreich.

Wann und wo dieser mögliche Übergang von den tacoais Manillen zu den popo Manillen erfolgte ist nicht auszumachen. Erste Berichte, aus denen sich gesichert popo Manillen in der Côte d’Ivoire nachweisen lassen datieren in das Jahr 1885 (Zay 1892: 247).

Zur Verwendung der popo Manillen durch die indigene Bevölkerung liegt eine Reihe von eindeutigen Berichten vor. Wichtig ist, dass diese stets von den Europäern importierten Manillen nicht nur von den Europäern zum Kauf von westafrikanischen Produkten verwendet wurden, sondern auch den Einheimischen als Zahlungsmittel dienten. Dies bestätigt sich auch darin, dass die Bevölkerung eigene Bezeichnungen für die Manillen hatten (s. o.) und nicht den Begriff Manille übernahm.
Die popo Manillen wurden als Zahlungsmittel von der französischen Kolonialregierung durch einen Erlass im Jahr 1915 außer Kurs gesetzt.  

Die englischen Birmingham Manillen waren nicht an der gesamten westafrikanischen Küste im Umlauf. Ihr Verbreitungsgebiet umfasste die östliche Nigerdelta-Region, das südliche Igbo Land und den größten Teil des Ibibio Landes. Ein Manillen – Zentrum war Owerri, die ehemalige Hauptstadt der Republik Biafra, und der heutige Verwaltungssitz des nigerianischen Bundesstaates Imo (Karten 20, 28). Naanen spricht vom manilla belt (1993: 430).
Von den sog. Birmingham Manillen zeigen eigentlich nur noch die frühen Formen im Aussehen andeutungsweise eine Verwandtschaft mit den tacoais Manillen. Gemeinsam ist beiden, dass sie in Europa zum Handel mit der einheimischen Bevölkerung Nigerias herstellt wurden. Hier ging es aber nicht mehr darum, den Afrikanern eine gute Ware anzubieten, sondern einzig um die Produktion eines regional akzeptierten, billigen „Geldstückes“ für den Wareneinkauf (Palmöl, Elfenbein, Sklaven). Warum die Stämme Südnigerias an den englischen sog. Birmingham Manillen so großen Gefallen gefunden hatten, blieb bisher unbekannt. Dieser Manillen Typ war jedenfalls  nicht für eine Weiterverarbeitung geeignet und konnte auch nicht als Schmuck getragen werden.  Der Beginn der Manillen Herstellung ist für England durch den Fund einer Gussform aus Ton in Exeter derzeit vor das Jahr 1645 festzulegen, während schriftliche Dokumente mit einer Beschreibung der Birmingham Manillen Form erst für das Jahr 1732 (Barbot: Description) vorliegen.

Das Gewicht der Birmingham Manillen liegt überwiegend unter 100 g mit einer Schwankungsbreite von  ̴ 43 g bis  ̴ 175 g. Selten sind überschwere Exemplare bis  ̴ 270 g. Zu diesen großen Exemplaren gehören die Birmingham Manillen vom Typ mkporo (auch passend zur Gussform von Exeter!) mit erkennbarer Gussnaht, die von der Form her noch die größte Ähnlichkeit zu den portugiesischen tacoais Manillen aufweisen und die fast ausschließlich zeremoniellen Zwecken dienten, während dagegen die kleineren Typen ein wichtiges landeseigenes Marktgeld bildeten.

Für die Birmingham Manillen ist nach den derzeit vorliegenden Metallanalysen ein hoher Bleigehalt von über 25% charakteristisch. Allerdings gibt es zu dem größeren und schwereren Typ mkporo keine entsprechenden Untersuchungen. Es wäre aber nicht verwunderlich, wenn deren Bleigehalt noch deutlich unter 20 % liegen würde. Als Besonderheit gibt es auch Manillen aus Eisen, die in England zur Kostenoptimierung hergestellt wurde. Die stellte sich aber als ein Flop heraus, da die Nigerianer die Nachbildungen aus Eisen zurückwiesen.

Für eine große Zahl von Birmingham Manillen werden in der Literatur verschiedene Typenbezeichnungen angeführt, die sich aber am eigenen Material nicht wiederholbar verifizieren ließen. Gewicht und äußere Form gestatten zusammen keine Typisierung. Schon 1991 und 1996 schrieb Baker:
There were so many varieties of manillas in use at various times over several hundreds of years that
 no one can now catalogue the full range. (1991: 95; 1996: 306) Dies trifft auch derzeit noch zu.

Die Birmingham Manillen wurden 1949 in einer umfangreichen Aktion zwangsweise gegen englisches Geld umgewechselt. Nur für zeremonielle Zwecke, wie z.B. den Brautpreis, durften 200 Stück pro Person behalten werden.

Die sog. King- und Queen-Manillen waren keine Manillen aus europäischer Produktion. Sie hatten auch keine Zahlungsmittel Funktion und können auch nicht als ein Großgeld der Birmingham Manillen angesehen werden. Sie dienten ausschließlich bei den Igbos und Ibibio als Zeremonialgegenstände. Die King- und Queen-Manillen sind Produkte einheimischer Handwerker mit einem hohen Kupfergehalt. Metallanalytisch besteht keine Verwandtschaft zu den Birmingham Manillen.

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The Money Manillas of West Africa
Seeking and securing their traces from 1439 – 2016

Summary

 Any discussion of the money manillas of West Africa must start by defining which objects can be considered as belonging to this form of money. To begin with, it must be made clear that not all the metal bands imported into West Africa by foreigners or made and used there by indigenous peoples can be grouped together and called “manillas”.

The term “manilla” probably originates from the Portuguese and was later taken over into other European languages (e.g. German, English, French, Spanish). However, often the literature studied only gives “a copper or brass bracelet or ankle ring” as the translation. The real money manillas were never worn as jewellery as they were not suitable for this purpose. However, the literature does give native names for the money bands the Europeans called manillas. The popo type used on the Ivory Coast are given as ngbolu and dagbo, while the Birmingham type used in southeastern Nigeria are called igbi, igbiki, ejemma, mkpoala and ojoma. The money manillas were always manufactured and imported by the Europeans.

The first manillas were brought to West Africa – from Mauretania to the Kingdom of Congo – for trading purposes from 1456 on. However, there are also reports from Portuguese missionaries giving evidence that local manillas were exported to more northerly Portuguese trading stations and indeed even to the Portuguese royal court. On the basis of currently available sources, the question of whether the money manillas were primarily a Congolese product later copied by the Portuguese for the same purpose due to their desirability among the other West-African ethnic groups, or whether it was the Portuguese manillas which were copied by the Congolese craftsmen, will have to remain open. No details of the early Congolese manillas have been handed down, other than a weight for which there is no evidence and a statement that they were made of good copper.

There is evidence that Portuguese manillas were produced in Germany and Belgium. The form of these manillas, known as tacoais, is known from manufacturing specifications which also, if indirectly, enable their weight to be calculated. The three-dimensional representations on the so-called Benin bronze plaques or ceremonial gongs of the rulers of the Kingdom of Benin and on the ivory carvings of the Bini give us an exact picture of the early tacoais manillas exported by the Portuguese. These are massive open hoops with trumpet-shaped, thickened ends. Marine archaeological research and objects excavated from previous centuries have confirmed the shape of the Portuguese manillas and have also produced individual weights. There are very few test results available on the metallic composition. Most manillas were made of bronze or brass type copper alloys. There were no high proportions of lead (less than 12 %) and the proportion of zinc was about 20%. However, these were always individual results, which is why metal analyses on a larger scale would be desirable.

The Portuguese manillas were also used by the other European nations trading on the West African coast to buy gold, ivory, pepper and later also for slaves, although the Portuguese preferred to retain control of this commodity themselves. The local ethnic groups were willing to accept tacoais manillas in payment from the Europeans, but they probably used them mainly as raw material for their own craftwork and not as payment in transactions among themselves. This may also explain why, although the manillas were imported in large numbers, only individual pieces remain.

As far as the shape is concerned, the so-called popo manillas could well derive from the tacoais manillas, even though they only weigh just over half as much. There is a gradual transition in weight from the tacoais manillas to the popo manillas. All the popo manillas I examined had casting seams, while the few tacoais (or similar) manillas I examined myself showed no signs of casting seams. Metallic analysis carried out on the popo manillas showed that they were predominantly made of copper, but also contained more than 25% lead, about 3% tin, around 5% antimony and traces of iron. Here again the number of the popo manillas analysed is too small to make general statements.

Most popo manillas are found on the Ivory Coast, but individual typical popo manillas with a casting seam are found time and again in the fetish houses of the Igbo in southern Nigeria and in cargos brought up from recovered shipwrecks. Their increased incidence in the areas of French influence in West Africa lends support to the sparse indications that manillas were also produced in France.It is not possible to determine when and where this possible transition from tacoais to popo manillas took place. The first reports with definite evidence of the existence of popo manillas on the Ivory Coast date from the year 1885 (Zay 1892:247).

There are a number of reports on popo manillas being used by the indigenous population. It is important that these manillas, which were always imported by the Europeans, were not only used by Europeans to buy West African products, but that they also served the native peoples as a means of payment. This is also confirmed by the fact that the local population had their own names for the manillas (see above) and did not adopt the term “manilla”. The popo manillas were put out of circulation as a currency by a decree of the French colonial government in 1915.

The English Birmingham manillas were not used everywhere along the West African coast, but were widely spread in the eastern Niger Delta region, in the southern Igbo area and in most of the Ibibio areas. Owerri, the former capital of the Republic of Biafra and the present seat of administration of Imo, a federal state of Nigeria (see maps 20, 28), was a centre for manillas. Naanen speaks of the manilla belt (1993: 430).

Of the so-called Birmingham manillas, only the early forms still look as though they might be related to the tacoais manillas. The two have in common that they were made in Europe for trading with the indigenous population of Nigeria. However, it was no longer a question of offering the Africans a good product, but merely of producing regionally accepted, cheap “coins” for buying goods (palm oil, ivory, slaves). It is not known why the English Birmingham manillas were so popular with the tribes of southern Nigeria. This type of manilla was certainly not suitable for further processing, nor could it be worn as jewellery. At present, due to the discovery of a clay mould in Exeter, the beginning of manilla manufacturing in England can be dated as being prior to 1645, although written documents giving a description of the Birmingham manilla mould do not predate 1732 (Barbot: Description)

The weight of the Birmingham manillas was usually below 100 g and varied between  ̴ 43 g and  ̴ 175 g. There are a few rare, particularly heavy examples weighing up to   ̴ 270 g. These big pieces include the mkporo-type Birmingham manillas (which fit the mould in Exeter!) with a visible casting seam which in shape have the greatest similarity to the Portuguese tacoais manillas and which were used almost exclusively for ceremonial purposes, while the smaller types formed an important currency on the internal markets of the country.

According to the metallic analyses at present available, a high lead content of over 25% was characteristic of the Birmingham manillas. However, there are no corresponding results available for the bigger and heavier mkporo type. It would not be surprising if their lead content was well below 20%. One peculiarity was manillas made of iron which were produced in England with the intention of reducing costs. They turned out to be a flop as the Nigerians rejected the iron copies.

In the literature on the subject there are various names listed for a great number of Birmingham manillas, but these cannot be verified replicably with the material at hand. Weight and outward form together do not permit the manillas to be typed. As early as 1991 and 1996 Baker wrote:

There were so many varieties of manillas in use at various times over several hundreds of years that
no one can now catalogue the full range. (1991: 95; 1996: 306) This still holds true today.

The Birmingham manillas were changed into English money in a compulsory and comprehensive campaign in 1949. People were allowed to keep only 200 pieces each for ceremonial purposes, e.g. for the bride price.

The so-called king and queen manillas were not produced in Europe, had no function as currency, nor could they be regarded as big pieces of Birmingham manilla money.  They served exclusively as ceremonial objects for the Igbos and Ibibio. The king and queen manillas were produced by indigenous craftsmen and had a high copper content. Metallic analyses show no relationship to the Birmingham manillas.

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Brauner Belag auf den Geldstücken von Lannatai


Brown Covering on the Coins of Lannatai
(English VERSION follows below)

Hans Menzel-Severing

Auf den Unterseiten der Geldstücke von Nan (Abb.1a/b), der Toks von Chiengmai (Abb.2a/b), des „Flower-Money“, „Oyster-Shell-Money“ (Abb. 3a/3b), „Horse-Hoof-Money“ und „Pig-Mouth-Money“ ist ein bräunlicher Belag zu sehen, der einmal als verkrustetes Eigelb oder Hühnerblut beschrieben wurde. (Le May; Opitz) – In vielen Publikationen ist diese Erklärung übernommen und nicht immer bezweifelt worden. Krisadaolarn / Mihailovs vermuten: “We think that the coloring was achieved by applying gold leaf to the obverse after production“. (S.64) –

Abb. 1a Tok Nan Unterseite

Abb. 1b Tok Nan Oberseite

Abb. 2a Tok Chieng Mai Unterseite

Abb.-2b-Tok-Chieng-Mai-Oberseite

Abb.-3a-Tok-Chieng-May-Typ-oyster-shell-Unterseite

Abb.-3b-Tok-Chieng-Mai-Typ-oyster-shell-Oberseite

 

Nirundorn Visitsin, Bangkok, schickte folgende Information eines thailändischen Experten, die sinngemäß übersetzt so lautet: „Zunächst bereitete die Münzstätte einen Tonschlick ähnlich der Porzellanerde und fügt dem die Asche eines Holzes zu, dessen Art aber nicht mehr bekannt ist. Dieses Gemisch wird auf das schon gegossene Metallstück aufgetragen und erhitzt, wobei die Glasur entsteht.
Eine wirklich zutreffende Erklärung fand ich in der Literatur bislang nicht.

Gelbe Bleiglätte (yellow litharge) ist eine Bleiverbindung, die beim Schmelzen von bleihaltigen Silbererzen entsteht. Dieses Bleioxyd (PbO) färbt sich im Licht rötlich bis bräunlich. Es ist durch Essigsäure (60%) löslich, wobei die Lösung klar (wässerig) ist.

Ich habe nun dazu zwei chemische Versuche durchgeführt: Bei der Einwirkung von Salpetersäure zeigte sich keinerlei Reaktion. Das bedeutet, dass es sich bei dem Belag nicht um eine organische Substanz handelt. Also können Eigelb oder Hühnerblut ausgeschlossen werden.

Bei einem zweiten Versuch habe ich einen Tok von Nan in Essigsäure gelegt. Nach etwa 30 Minuten begann sich der Belag zu lösen, wobei das Silber wenig angegriffen wurde.

Daraus schließe ich, dass es sich bei dem Belag um die oben beschriebene Bleiglätte handelt. Ob die Bleiglätte nun aus ursprünglich bleihaltigem Silbererz stammt oder aus einem Silber, dem vor der Verarbeitung Blei zugefügt worden ist, sei dahingestellt. Letzteres wäre nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass in Burma lange Zeit Blei als Zahlungsmittel verhandelt wurde.

Literatur:

Krisadaolarn, Ronachai and Mihailovs, Vasilijs
2012 Siamese coins from Funan to the fifth Reign.
Bangkok. p.64

Le May, Reginald
1932 The coinage of Siam. [Journal of the Siam Society (Bangkok) 18]
In: Siamese coins and tokens. An anthology by Le May, Ramsden, Guehler and Harding Kneedler. London, 1977. p.123

Opitz, Charles J.
(200 An ethnographic study of traditional money.
Ocala. p.354

Krisadaolarn, Ronachai
2016 The evolution of Thai Money. From its origins in ancient kingdoms. p.55-58.Bangkok

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Redaktioneller Nachtrag

Die braun bis orangefarbenen Beläge auf der Unterseite des verschiedenen Tok Money sind typenunabhängig intensiv ausgeprägt. Sie sind auch nicht regelhaft gleichmäßig vorhanden. Neben Stücken, die gar keine Auflagerungen erkennen lassen, gibt es auch Exemplare mit fast flächenhaftem Belag. Unter dem Auflichtmikroskop ist zu erkennen, dass es sich nicht um eine amorphe Masse, sondern um mikrokristalline „Ausblühungen“ handelt. Es sind keine metallanalytischen Untersuchungen der Tok- Geldstücke bekannt, die zur Erklärung der Auflagerungen beitragen.
In der Sammlung von R. Braun gibt es zwei Stücke, die von ihm aus Interesse am „Innenaussehen“ durchgesägt wurden. Es handelt sich einmal um ein Tok Nan, das auf der Schnittfläche einen homogenen Kupferfarbton zeigt (Abb.4) und um ein Tok unbekannter Herkunft: „unknown provenance … 17th – 20th centuries“ (s. Krisadoalarn/Mihailovs S.66, Plate B04), dessen Schnittstelle silbrig glänzt (Abb.5).

Abb.-4-

Abb.-5-

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Brown Covering on the Coins of Lannatai

Hans Menzel -Severing

   On the obverse of the coins from Nan, the toks from Chiengmai, the “Flower-Money“, “Oyster-Shell – Money“, “Horse-Hoof-Money“ and “Pig-Mouth-Money“ a brownish film can be seen, which was formerly described as encrusted egg yolk or chicken blood. In many publications this explanation was accepted and rarely doubted. Krisadaolarn / Mihailovs write: “We think that the coloring was achieved by applying gold leaf to the obverse after production.“  (See Fig. 1-3 above).

Mr.Nirundorn Visitsin, Bangkok, forwarded the following information from a Thai collector, Mr. Bajong: „First the mint prepares clay, similar to clay used to produce porcelain clay. This clay is mixed with ashes of a special kind of wood which unfortunately is forgotten today. The mixture then is applied on the surface of he Tok. When the piece is heated the clay turns into glacing enamel.“ (rough translation)

So far I have not found a really convincing explanation in the relevant specialist literature.

Yellow litharge is a lead compound resulting from lead containing silver ore during the process of melting. In light this lead oxide (PbO) takes on a reddish / brownish color. By means of acetic acid (60%) it is soluble.

I carried out two chemical experiments in this field: Upon the action of nitric acid there was no reaction at all. From this follows that the film (see above) cannot be an organic substance. Consequently egg yolk and chicken blood can be excluded.

In a second experiment I put a tok from Nan in acetic acid. After about 30 minutes the film began to separate with the silver being barely damaged.

From this I conclude that the film consists of yellow litharge as described above. Whether this yellow litharge originally comes from lead containing silver ore or from silver to which lead was added before it was processed remains unclear. The latter would be not surprising when you consider that for a long time lead was used as a means of payment in Burma.

Fig. 4 and 5 above are showing the surface of cuts through a Tok Nan and a Tok of „unknown provenance … 17th – 20th centuries“ (s. Krisadoalarn/Mihailovs S.66, Plate B04).

Kauris im Hochland von Papua, Indonesien (Ein Nachtrag)

 

Cowries in the highlands of Papua, Indonesia (Supplement)

Bernhard Rabus

 Mein gleichnamiger, vorausgehender Artikel vom 12.12.2016 (abgedruckt im Primitivgeldsammler 37, 2 (2016) stützte sich weitgehend auf die Buchtheorie und einige Bilder aus der online-Sammlung des Yale Peabody Museum for National History (von Pospisil bei seinem Feldaufenthalt 1955 gesammelt). Kauris mit abgeschlagenem Rücken hat wohl jeder von uns, aber wer besitzt schon welche mit der genauen Herkunft und aus der Zeit? Unser Klubmitglied Kurt Koschatzky hat mich mit der Mitteilung überrascht, dass er Stücke mit der Herkunftsangabe Enarotali besitze und zwar Kauris, eine Nassa-Katte und Glasperlen, alle auf alte gedrehte Schnur aufgezogen. Als er das Konvolut ersteigerte, bildete es ein wirres Knäuel, von dem er zunächst nicht wusste, welche Schätze es barg. Enarotali ist die Hauptstadt des Regierungsbezirks Paniai, in dem das Siedlungsgebiet der Kapauku, auch Ekari oder Ekagi genannt, liegt.

 

Ich durfte die Stücke bei Herrn Koschatzky sehen und freundlicherweise hat er mir Fotos davon zur Verfügung gestellt. Sie sind nachstehend kommentiert. Damit wird die Theorie mit der Praxis verbunden.

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Kauris im Hochland von Papua, Indonesien

Cowries in the highlands of Papua, Indonesia

Aus Heft 96: Primitivgeldsammler 37/2, 49-57 (2016); Bei korrekter Zitierweise ist die Übernahme von kleineren Textausschnitten ohne Rückfrage erlaubt.

Bernhard Rabus

Auf ihrem Zug durch die Welt hat die Kauri auch vor dem Hochland des westlichen Teils von Neuguinea, heute die indonesische Provinz Papua, nicht haltgemacht. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Monetaria moneta (früher Cypraea moneta), also die „Geld-Kauri“. Auch wenn sie in ihrer natürlichen Form gesammelt und gehandelt wurde, als indigene Geldform trat sie hier stets mit abgeschlagenem Rücken auf.

Abb. 1-1: Indonesien: Provinz Papua: Dorf Botukebo. Männer der Kapauku zahlen einen Brautpreis (aus Pospisil, 1962)

Abb. 1-1: Indonesien: Provinz Papua: Dorf Botukebo. Männer der Kapauku zahlen einen
Brautpreis (aus Pospisil, 1962)

Wenn auch Kauris von Norden her den Mamberano Fluss entlang eintrafen so wurde das  zentrale Hochland, das etwa 200.000 Dani bewohnen, im Wesentlichen aus zwei Richtungen mit Kauris versorgt: Von Südwesten her über die Ekari = Kapauku, Moni und Damal sowie von Südosten her über die Mandobo und Muyu.

Abb. 1-2: Hauptachse der Kauri-Zirkulation im Hochland der indonesischen Provinz Papua (aus A. M. und P. Pétreqin: Objets de pouvoir en Nouvelle Guinée, 2006, S. 159).

Abb. 1-2: Hauptachse der Kauri-Zirkulation im Hochland der indonesischen Provinz Papua
(aus A. M. und P. Pétreqin: Objets de pouvoir en Nouvelle Guinée, 2006, S. 159).

(Von mir gekennzeichnet sind die Stämme der Ekari/Kapauku, der Damal sowie der Muyu, bei denen Kauris eine echte Geldfunktion übernahmen. Konda Valley ist ergänzt. Hier forschte Denise O´Brien und dokumentierte den Gebrauch von Kauri-Bändern als Bestandteil des Brautpreises bei den Dani. Die Grafik endet rechts mit der Grenze zu Papua Neuguinea.)

Für die Kapauku/Ekari, die Damal und die Muyu ist der Gebrauch einzelner Kauris als Geld nachgewiesen, die Dani verwendeten sie wohl nur auf gewebte Bänder aufgenäht als Brautpreis.

A. Kauri-Bänder der Dani
Bei den Dani spielten die Kauris keine rein kommerzielle, sondern eher eine sozio-ökonomische Rolle. Auf Bänder zu je meist 60 Stück aufgenäht fanden sie bei Begräbnissen insofern Verwendung als die Teilnehmer damit dem Toten einen Tribut leisteten, hernach wurden sie wieder an die Gäste  verteilt (de Boer, 1986:98; Gardner und Heider, 1968:94-95). Weit wichtiger für  uns ist aber der Gebrauch dieser Bänder als „Brautpreis“. Diesen hat Denise O´Brien (1969) für die Dani im Konda Valley nach gründlicher Feldarbeit 1961 ausführlich dokumentiert. Die drei wesentlichen Bestandteile eines Brautpreises waren Schweine, Je-Steine, dort jao genannt, und Kauri-Bänder (S. 407). In den zahlreichen von ihr untersuchten Heiratsfällen betrug die durchschnittlich vom Bräutigam (eigentlicher Brautpreis) geleistete Anzahl der Kauri-Bänder 1930-1950 jeweils 7, zwischen 1950 und 1957 jeweils 14 und 1957-62 jeweils 17 (S. 432). Davor waren schon zur Verlobung Kauri-Bänder gegeben worden. Wer wieviel bezahlt und wer wieviel empfangen hat, listet O Brien auch an anderer Stelle tabellarisch auf (O´Brien 1969a:214 ff.) und weist dabei die große soziale Bedeutung dieser Zahlungen nach. Ploeg (1969:27 ff.) berichtet ausführlich über die Verwendung von Kauri-Bändern als Brautpreis bei den Wanggulam, einem Dani Stamm. Wie die Bänder aussehen zeigt:

Abb. 2: Der schwedische Naturforscher Sten Bergman verbrachte 1957 einige Monate bei den Dani in Kadubaka im Swart Valley = Konda Valley. Das ist identisch mit Karubaga, in dessen Nähe die Anthropologin Denise O´Brien (1969) in den Jahren 1961/63 insgesamt 18 Monate forschte Auch sie berichtet von Häuptling Tibalak und dass die Bewohner sich an Bergman erinnerten. (Bergman, Mein Vater, der Kannibale, 1961, Tafel 29)

Abb. 2: Der schwedische Naturforscher Sten Bergman verbrachte 1957 einige Monate bei
den Dani in Kadubaka im Swart Valley = Konda Valley. Das ist identisch mit Karubaga, in
dessen Nähe die Anthropologin Denise O´Brien (1969) in den Jahren 1961/63 insgesamt
18 Monate forschte Auch sie berichtet von Häuptling Tibalak und dass die Bewohner sich
an Bergman erinnerten. (Bergman, Mein Vater, der Kannibale, 1961, Tafel 29)

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Waren die südafrikanischen Perlen aus Straußeneierschalen (Buschmannperlen) Geld?

Were the South African ostrich eggshell beads (bushman beads) money?

Aus Heft 96: Primitivgeldsammler 37/1, 5-18(2016); Bei korrekter 
Zitierweiseist die Übernahme von kleineren Textausschnitten ohne 
Rückfrage erlaubt.

Fritz Klusmeier

Jede Untersuchung dieser Perlen hat mit der Erkenntnis zu beginnen, dass sie ein uraltes Phänomen sind. Seit der Steinzeit haben Menschen in vielen Teilen Afrikas solche Perlen hergestellt, und Archäologen haben sie aus der Erde geholt, und zwar in verschiedenen Stadien der Verarbeitung (Anm. 1).

Karte 1: Verbreitung der Straußenei Scheibchen in Afrika. O Fundorte (aus Krieger, !943 S.85)

Karte 1: Verbreitung der Straußenei Scheibchen in Afrika.
O Fundorte
(aus Krieger, !943 S.85)

 

Abb.1: Die Tasche einer Khoisan Frau (oben) mit Straußenei Schalen in verschiedenen Verarbeitungsstadien (Mitte) und Werkzeugen zur Bearbeitung der Scheibchen (unten). (von L. Fourie um 1920 gesammelt; Museum Afrika in Johannesburg, aus M. Vanhaeren, 2005 S.536

Abb.1: Die Tasche einer Khoisan Frau (oben) mit Straußenei Schalen in verschiedenen Verarbeitungsstadien (Mitte) und Werkzeugen zur Bearbeitung der Scheibchen (unten).
(von L. Fourie um 1920 gesammelt; Museum Afrika in Johannesburg, aus M. Vanhaeren, 2005 S.536

Unter der Fragestellung der Überschrift sind diese vorgeschichtlichen Funde aber nicht relevant, da naturgemäß einschlägige Quellenbelege nicht vorliegen.

In neuerer Zeit wurden und werden diese Perlen weiterhin in Ost- und Südafrika hergestellt und verwendet. Ich beschränke meine Untersuchung auf Südafrika, da mir bezüglich Ostafrika keine für die Fragestellung relevanten Belege zur Verfügung stehen.

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Provenienz- bzw. Herkunfts- Forschung

Wer war wohl der frühere Besitzer?
Diese Frage beschäftigt Sammler immer wieder.

Die Pacific Arts Association  publiziert in einem laufenden Projekt Konkordanz-Listen zur Provenienz-Forschung. Dort werden Markierungen oder Beschriftungen an  Objekten aus Ozeanien bekannten Sammlungen oder Sammlern zugeordnet.

Auf http://www.pacificarts.org/node/791 finden sich entsprechende Hinweise und Konkordanzlisten zum Download.

 

Property celts aus British Columbia, Kanada

Aus Heft 93: Primitivgeldsammler 36/1, 3-7 (2015); Bei korrekter Zitierweise ist die Übernahme von kleineren Textausschnitten ohne Rückfrage erlaubt.

Bernhard Rabus

Property celts sind überlange, relativ schmale und dünne Steinklingen aus Nephrit, die an vorkolonialen Siedlungs- und Begräbnisorten der Salish Indianer an den Flüssen Fraser und Thompson in British Columbia gefunden werden.

Bild 1: Kartenausschnitt British Columbia mit Fundzentrum der Property celts

Bild 1: Kartenausschnitt British Columbia mit Fundzentrum der Property celts

Oft sind sie an einem Ende wie ein Breitbeil (adze) einseitig geschliffen, manchmal aber auch ohne jede Schneide. Die meisten Fundstücke zeigen nur geringe Gebrauchsspuren oder sind völlig unbenützt. Ihre Oberfläche ist in der Regle fein poliert. (Vergl. dazu Bild 2 bis 4 unten). Nephrit ist ein Silikat aus Calcium, Magnesium und Eisen. Er übertrifft gewöhnlichen Stahl an Druckfestigkeit und wurde deshalb seit mehr als 2000 Jahren zur Herstellung von Waffen und Geräten verwendet. Seine deutsche Bezeichnung Beilstein hat darin ihren Ursprung. Wenn von Jade die Rede ist, handelt es sich entweder um Jadeit oder um Nephrit. Laut Ministry of Energy and Mines bestehen alle bekannten Jade-Vorkommen in British Columbia aus Nephrit. Den Begriff Property kann man mit Besitz, Gut, Vermögen übersetzen. Als Celt bezeichnen Archäologen alle axtähnlichen Steinwerkzeuge.
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Bild 2

Bild 2

Von Sanger werden die dargestellten Objekte als celts bezeichnet.

Zumindest bei dem mit B bezeichneten größten Exemplar, das bei Anwendung des beigegebenen Maßstabs etwa 25 cm lang ist, dürfte es sich um einen property celt handeln. In Anbetracht der Form und der fehlenden Schneide könnte das auch auf D zutreffen.


Frühe Berichte über Nephrit Celts

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Kalo – ein kaum bekanntes Tausch- und Zahlungsmittel der zentralen Salomonen

Aus Heft 92: Primitivgeldsammler 35/2, 86-90 (2014); Bei korrekter Zitierweise ist die Übernahme von kleineren Textausschnitten ohne Rückfrage erlaubt.

Kalo – a little known medium of exchange and currency of the Central Solomon Islands.
Kalo – un moyen d‘ échange et de paiement peu connu des îles salomon centrales.

Frank Reiter 

Der Pottwal (Physeter macrocephalus) ist mit etwa 20 m Länge (männliche Tiere, weibliche sind etwas kleiner) und mehr als 50 Tonnen Gewicht der größte Zahnwal der Erde. Nur der Unterkiefer besitzt rund 50 konische Zähne, die bis 30 cm Länge und ein Gewicht von über 1 kg erreichen können. Die Zähne des Oberkiefers sind normalerweise im Zahnfleisch verborgen und somit unsichtbar.

Pottwale kommen in allen Ozeanen vor, hauptsächlich in den Tropen und Subtropen. Besonders in Ozeanien waren sie häufig zu finden. Die Bewohner der Inselgebiete Ozeaniens waren jedoch nicht in der Lage, diese riesigen Tiere zu erbeuten. Nur tote gestrandete Pottwale lieferten ihnen ursprünglich die begehrten Zähne.

Abb. 3_ Slg Reiter Nolibule, New Georgia

Abb. 3:  Slg Reiter Nolibule, New Georgia

 

Durch den Kontakt mit Walfängern im 19. Jahrhundert gelangten vermehrt Walzähne in den Besitz der Eingeborenen. Nach der Blütezeit des Pottwalfangs zwischen 1840 und 1870 hörte für sie die Zufuhr von Pottwalzähnen auf, die sich “ übrigens nur da zu einem Tauschmittel entwickelten, wo die Eingeborenen das Material bereits vorher kannten und schätzten. So vermochte auch der Verkehr mit Walfängern im Bismarck Archipel (Blanche-Bai, Port Hunter) Spermwalzähne nicht einzuführen. Ebenso wenig auf Kuseie und Ponape, beide in den 50er Jahren beliebte Walfängerstationen“ (Finsch, O. : Südseearbeiten. Hamburg 1914, S. 206f).
Aus diesem sehr harten Zahnmaterial fertigten die Polynesier von Hawaii, Tonga, Fidschi, den Marquesas- und Austral-Inseln Schmuckstücke von beeindruckender Perfektion und Schönheit. Vor allem in der Kultur der Fidschi-Inseln besaßen Pottwalzähne eine geradezu magische Bedeutung. Sie wurden Häuptlingen zum Zeichen der Ehrerbietung überreicht und mit ihnen konnten Kriegsbündnisse und Friedensschlüsse besiegelt werden. Auch in Mikronesien (z.B. in Kiribati, auf  Yap und Nauru) waren Pottwalzähne sehr begehrt. Wie bereits erwähnt, spielten sie dagegen in den meisten Inselgebieten Melanesiens keine Rolle. Auf den Santa Cruz-Inseln wurde gelegentlich ein Walzahn als magische Beigabe zum Federgeld verwendet ( Reiter, 2011).
Karte Neu Georgia & Marovo Lagune
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koiyu – Tauschmittel oder nur Schmuck?

Aus Heft 91: Primitivgeldsammler 35/1, 23-24 (2014); Bei korrekter Zitierweise ist die Übernahme von kleineren Textausschnitten ohne Rückfrage erlaubt.

koiyu – medium of exchange or only adornment?

koiyu – moyen d’échange ou seulement bijoux?

Bernhard Rabus

 ZUSAMMENFASSUNG

Im folgenden Beitrag geht es um Schmuckstücke von Papua Neuguinea.

91-1 Abb.1 "RORO" Rabus

 

Die sogenannten koiyu wurden im Gebiet der RORO bis hinauf nach Kerema gefunden.

Drei koiyu

Abb.2: Drei koiyu aus dem Handel

Frau Quiggin bildet in ihrem Buch „A Survey of Primitive Money“ (1949/1978) auf der Farbtafel zwischen den Seiten 184 und 185 ein „Turtleshell chest pendant, New Guinea“ ab und rechnet dieses zur großen Gruppe der „valued objects used in Prestige-giving and exchanges, in „bride-price“ or in ordinary trading“ (S. 179). Als Quelle für diese Aussage nennt sie Seligmann, 1910.

Diese koiyu oder auch koio genannten Schmuckstücke ähneln in Art und Aufbau den kapkaps Neubritanniens und der Salomonen. Das scherenschnittartige Schildpatt ist jedoch nicht auf Tridacnascheiben montiert sondern auf Schalenstücke der Faltenschneckengattung Melo. Diese Schalen kennen wir aus dem Hochland von Papua Neuguinea als „bailer shell“. Sie sind nicht völlig flach sondern mehr oder weniger gewölbt. Hergestellt wurden koiyu nach Seligmann (1910:208) von den Roro an der Südostküste von Papua Neuguinea. Sie sind Nachbarn der Mekeo.

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