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EUCOPRIMO-Treffen 18. bis 20. April 2008 in Gotha
Bernhard Rabus
Meine Frau und ich waren schon zwei Tage früher nach Gotha gekommen. So konnten wir den zwar kühlen aber doch sonnigen Donnerstag genießen
und zu einem Ausflug nach Naumburg und Altenburg nutzen. An den übrigen Tagen fühlten wir mit Voltaire. Der hatte nämlich die Einladung der thüringischen Herzogin Luise, wieder nach Gotha zu kommen, dankend
abgelehnt mit dem Hinweis, dass er gerne kommen würde, wenn es in Gotha nicht so kalt wäre, dass man noch im Juni einen Pelzmantel brauche. Von der – für unsere Treffen eigentlich atypischen - Wetterlage
abgesehen, waren Gotha als geschichtsträchtige Stadt mitten im „klassischen Deutschland“ und das Hotel am Schlosspark gut gewählt. Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt. Herrn Prof. Dr. Denk und seiner Frau
gilt unser aller Dank für die perfekte Organisation.
Bevor das reichhaltige und ausgezeichnete Buffet zum Sturm freigegeben wurde, begrüßte uns Herr Prof. Dr. Denk. Neben organisatorischen
Hinweisen zum Ablauf und einigen Anmerkungen zur Stadt Gotha stellte er einen gedanklichen Zusammenhang zwischen dem Hotel und unserem Sammelgebiet her. Denn im Nebengebäude, dem so genannten Augustenburger Palais,
verlebte die letzte deutsche Kaiserin, Auguste Viktoria, einige Jugendjahre. Hier fand auch die (heimliche) Verlobung mit dem damaligen Kronprinzen, dem späteren Kaiser Wilhelm II. statt. Wo bleibt der angedeutete
Zusammenhang? Die deutsche Kolonie in Neuguinea (1884 – 1918) wurde „Kaiser-Wilhelms-Land“ genannt und der große Fluss Sepik, von dem viele von unseren ozeanischen Sammelobjekten stammen, hieß während
dieser Zeit „Kaiserin-Augusta-Fluss“.
Auktion
Im Verhältnis zum opulenten Abendbuffet fiel die anschließende Versteigerung vergleichsweise mager aus. 53 Objekte waren eingeliefert worden.
Davon hatte nach meiner Einschätzung höchstens die Hälfte etwas mit Geld zu tun. Auf 10 Lose wurden nicht geboten, sie gingen zurück. Immerhin sah ich folgende Geldformen: lolu amas – geflochtene Kupferkette von Sumba (nicht verkauft), großer pal yua Tridacnaring der Abelam, kina Muschel
der Mendi, Tabakstangen, 2 Katangakreuze und ein boloko aus Zentralafrika, mpande Conusschneckenböden aus Angola, Blättergeld von den Trobriand Inseln samt zugehörigem Prägebrett, Holzschale von den Tami Inseln und eine Tigerzunge. Bei einigen Objekten entwickelten sich lebhafte Bietergefechte, doch lag das häufig am niedrigen Aufrufpreis, der zum Mitbieten einlud. Die erzielten Preise hielten sich dabei in relativ engem Rahmen. Hier wieder einmal die dringende Aufforderung an die Mitglieder: Bringen Sie möglichst gute und dokumentierte Geldformen zur Auktion! Nur so behält sie ihren Reiz.
Thomas Lautz leitete die Auktion in bewährter Weise mit Sachverstand, Witz und Gelassenheit, wirksam unterstützt durch Thomas Nieß. Wer
dieses Geschäfte kennt, weiß wie viel Arbeit sich für die Beiden an die Auktion anschließt bis alle Bieter bezahlt und die Einlieferer ihr Geld bekommen haben. Den beiden gebühren unser Dank und unsere
Anerkennung. Bei den aufrichtigen Versuchen des Auktionators, manchem Objekt doch noch eine entfernte Verbindung zum Geldcharakter abzugewinnen, fiel mir die Geschichte vom Steinadler ein. Die geht so: Eine nicht
mehr ganz junge, wenig attraktive Dame hat es auf den jungen hübschen Briefträger abgesehen. Eines Tages gelingt es ihr, den Widerstrebenden in die Wohnung und ins Wohnzimmer zu locken. Auf der Kommode steht ein
Käfig mit einem Kanarienvogel. „Wenn Sie erraten, was das für ein Vogel ist, dürfen Sie mich küssen“ sagt sie. Der verzweifelte Briefträger rät „Steinadler“. Die Dame sagt: „Das kann man gerade noch
gelten lassen“.
Schlossherren für zwei Stunden
Der Samstagvormittag sah uns als Gäste auf Schloss Friedenstein. Unser Führer verstand es ausgezeichnet, jenseits der sonst so oft üblichen
Führungsmonotonie die Einzelheiten des Schlosses mit der thüringischen Geschichte zu verbinden und so ein lebendiges Bild zu zeichnen. Eine besondere Kostbarkeit ist das Ekhof-Theater. Dieses älteste Barocktheater der Welt mit original erhaltener Bühnentechnik wurde 1683 unter Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg in den Ballsaal des Residenzschlosses Friedenstein eingebaut.Wobei der Ballsaal zuvor wirklich ein Saal zum Ballspielen war wie uns der Führer erklärte. Neben
der kostbaren Möblierung und Ausstattung fand ich persönlich den beachtlichen Bestand an Lucas Cranach Bildern und an Dürer Graphiken besonders beachtenswert.
Der Nachmittag war wie üblich der Börse vorbehalten. Die Schwerpunkte des Angebots lagen naturgemäß auf Afrika, Asien und Ozeanien. Viel
Interessantes war zu sehen, auch zahlreiche Geldobjekte. Um ein Paar wunderschöne Elfenbeinarmreife aus Sumba und einen sehr großen, herrlich glatten Walzahn aus Fidschi schlich ich lange herum, doch überstiegen
die Preise dafür leider meine finanziellen Grenzen. Die Frage, ob alle Verkäufer mit ihrem Verkaufsergebnis zufrieden waren, können nur diese selbst beantworten.
Entführung nach Choiseul
Nach dem Abendessen entführte uns Thomas Lautz mit einem Lichtbildervortrag nach Choiseul (Lauru) in der Gruppe der Salomoninseln. Er versuchte
im Dezember 2007 und Januar 2008, den großen schweren Tridacnaringen sowie „kesa“ und anderen Muschelringen auf die Spur zu kommen und hat versprochen, seine Erkenntnisse zu gegebener Zeit in unserer
Clubzeitschrift zu veröffentlichen. Ein paar grundlegende Aussagen seien hier festgehalten: Als Name für die schweren Ringe wurde ihm mau lavata angegeben, was wörtlich „tausend groß“ bedeutet. Niemand könne sich daran erinnern, dass sie in den letzten 50 Jahren hergestellt worden seien. Der Gebrauch von kesaals
Geld, vor allem zu Brautpreiszahlungen, wurde ihm bestätigt. Die Begriffe salaka für ein Paket mit 3 Ringen und kesa, bestehend aus drei salaka, also insgesamt 9 Ringen, waren bekannt. Lautz
legte Wert auf die Feststellung, dass alle Untersuchungen klar ergeben hätten, dass kesa aus Tridacnamuschel hergestellt wurde. Die farblichen Veränderungen und Flecken sowie die oft ausgeprägte
Materialstruktur rührten davon her, dass kesa sicherheitshalber in der Erde vergraben wurde. Die immer wieder zu hörende Behauptung, kesa würde aus einem „Seewurm“ gewonnen, gehört damit endgültig ins Reich der Fabel.
Mitgliederversammlung
In der anschließenden Mitgliederversammlung berichtete der Vorstand über Vorgänge und Neuigkeiten aus dem Club.
Prof. Dr. Denk konnte einige neue Mitglieder begrüßen. Leider sind vier Mitglieder gestorben. Ihrer wurde in einer Schweigminute
gedacht. Mehrere Mitgliedschaften wurden vom Club aus beendet, da zwar die Clubzeitschrift entgegengenommen wurde, aber seit Jahren keine Beiträge mehr bezahlt worden sind.
Er korrigierte ein Versäumnis: In meinem Bericht über das letzte Treffen in Nürnberg hatte ich beim Ergebnis der Vorstandswahlen
vergessen, unter den wieder gewählten Vorstandsmitgliedern Herrn Manfred Reitz aufzuführen. Er gehört dem Vorstand nach wie vor an (und hat mir den Fehler verziehen).
Seit einiger Zeit können Mitglieder auf unserer EUCOPRIMO Homepage Fragen zu Objekten stellen. Um Antworten zu bekommen ist es
natürlich notwendig, dass möglichst viele Mitglieder diese Fragen anschauen und evtl. mit ihrem Wissen zur Klärung beitragen. Sie finden die Fragen derzeit in der Rubrik „Aktuelles“ unter „Q & A“.
Um den Hintergrund deutlicher zu machen, wird dieser Button mit einer besser erklärenden Bezeichnung versehen.
Herbsttreffen 2008 in Frankfurt/Höchst:
Termin: 10. – 12. Oktober (Anmeldeformular mit Einzelheiten liegt der Clubzeitschrift bei).
Frau Ullrich hat dankenswerterweise die Organisation übernommen. Für Samstag ist ein Bus-Ausflug zum Ledermuseum Offenbach vorgesehen mit
einer Führung durch die ethnologische Abteilung.
Frühjahrstreffen 2009:
Als Tagungsort ist Leipzig vorgesehen. Herr Reitz wird die Planung übernehmen. Als Termin wird 1. – 3. Mai angepeilt.
Herbsttreffen 2009:
Als Tagungsort wird Mannheim in Aussicht genommen. Herr Nieß wird das Angebot dort prüfen.
Wir vermissten in Gotha besonders Wilhelm Kuhlen, Rainer Jurczok und Frau Wittich / Herrn Jäger. Die guten Wünsche aller Anwesenden will ich
ihnen hier stellvertretend übermitteln.
Für diejenigen, die am Sonntag nicht frühzeitig abreisen mussten, bestand noch die Gelegenheit, an einer für die EUCOPRIMO organisierten
Führung durch die Forschungsbibliothek Gotha teilzunehmen. Diese ist ebenfalls im Schloss Friedenstein untergebracht und beherbergt wertvolle Schätze alter Schriften, die noch / wieder in den alten
Bibliotheksräumen untergebracht sind. Mehr als 10.000 Bände Hand- und ca. 560.000 Bände Druckschriften Zwei Mitarbeiterinnen der Forschungsstelle, die ihren freien Sonntag opferten, gaben uns
hochinteressante Einblicke in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft dieser Institution. Außerdem konnten wir den Raum und die Einrichtung des von Herzog Ernst I, der Fromme schon vor 1656
gegründeten und jetzt wieder aufwendig restaurierten Münzkabinetts bewundern. Allerdings nur die Räumlichkeiten, da die Münzen selbst von einem anderen Institut betreut werden.
Danach begaben sich auch die Letzten mit angenehmen Erinnerungen wieder auf den Heimweg.
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