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Eucoprimo - Frühjahrstreffen 2010 in Leipzig

Leipzig war wieder eine Reise wert. Das Penta Hotel erfüllte alle Ansprüche: die Zimmer schön, das Essen ausgezeichnet, die drei verfügbaren Säle für gemeinsame Mahlzeiten, Auktion und Börse gut geeignet. Hier bereits herzlichen Dank an das Ehepaar Reitz für die ausgezeichnete Wahl der Lokalität und die weitere Organisation.

Manfred Reitz konnte am Freitagabend im Speisesaal um 18.30 Uhr etwa 80 Personen, Eucoprimo-Mitglieder und Familienangehörige begrüßen. Insbesondere erwähnte er die Neumitglieder Sabine Becker, Ehepaar Schellenberg und John Crawford aus New York, das Mitglied mit der weitesten Anreise. In der dem Abendessen folgenden Auktion wurden etwa 70 Lose unterschiedlicher Qualität ausgerufen, die meisten davon auch zugeschlagen. Das neue Auktionsteam hat seine schwierige Aufgabe ordentlich erledigt, beim Anbieten der Stücke gab es wohl noch einige Unsicherheiten, die Abrechnung erfolgte rasch und reibungslos. Der Abend endete mit zwanglosem Beisammensein.

Am Samstag ging es nach dem Frühstück in das Grassi-Museum, das Völkerkundemuseum Leipzigs, mit der vor nicht allzu langer Zeit eröffneten Ozeanien-Ausstellung. Zunächst zeigte Dr.Marion Melk-Koch, die Frau des bekannten, leider schon verstorbenen Ethnologen Gerd Koch, Autor einer Reihe von ausgezeichneten Büchern zu Ozeanien, vier Kurzfilme:

- Herstellung von Kokosfaserschnur auf Nonouti (Gilbert Inseln) 1964/65
- Flechten einer Bodenmatte auf Tabiteuea (Gilbert Inseln) 1964/65
- Weben mit Bananenbast, Riff-Inseln (St.Cruz, Salomonen) 1966/67
- Herstellen von Federgeld auf Ndende (St.Cruz, Salomenen) 1966/67

Die Streifen, spannend wie Spielfilme, bestachen durch ausgezeichnete Bildführung und zeigten eindringlich, welche Mühe und Kunstfertigkeit erforderlich ist, das jeweilige Produkt herzustellen. Ich denke, jeder Betrachter sieht jetzt eine Kokosfaserschnur oder eine Matte mit anderen Augen, mit neuer Wertschätzung an. Frau Dr. Melk-Koch verstand es außerdem, den Zuhörern die Person Gerd Koch nahezubringen und zu erläutern, unter welch schwierigen Bedingungen die Filme zustande kamen: ohne künstliche Lichtquellen, mit einfacher Kamera, der Filmtransport durch Kurbeln bewerkstelligt, mit Aufnahmepause nach jeweils 4 m Film. Nichts davon ist den Filmen anzumerken. Man konnte aber den Enthusiasmus und die Könnerschaft von Gerd Koch erahnen.

Nach den beieindruckenden Filmen ging es durch die Ausstellungen, hauptsächlich Afrika und Ozeanien betreffend. Die hohe Qualität der Exponate war überwältigend. Frau Dr. Melk-Koch und Frau Dr. Scheps-Bretschneider standen zusätzlich die ganze Zeit für Auskünfte zur Verfügung. Die Börse am Nachmittag, ab 14.30 Uhr geplant, begann wie üblich und verständlicherweise bereis eine Stunde vorher zugleich mit dem Aufbau. Tische gab es reichlich. Das Angebot muss naturgemäß unterschiedlich bewertet werden. Für Anfänger war es reichlich, fortgeschrittene Sammler hatten wohl mehr Mühe, noch etwas zu finden. Gegen 17 Uhr endete die Börse, das gemeinsame Abendessen folgte um 18 Uhr.

Vor Besprechung der Vereinsinterna musste wieder eines verstorbenen Mitglieds, Herrn Hubert Pettenkofer aus Passau, gedacht werden. Professor Denk würdigte ihn als stets freundlichen, hilfbereiten Sammler, Mitglied der Eucoprimo fast von Anfang an. Die Besprechung der Tagesordnungspunkte war dann erfreulich kurz.

Heppenheim als Treffpunkt im Oktober 2010 wurde bestätigt, Magdeburg als Ort für das Frühjahrstreffen 2011 ins Auge gefasst. Herr Reitz und Ehefrau, wie könnte es anders sein, boten sich wieder an, vorzufühlen.

Im Verlauf des weiteren Abends und am Sonntagmorgen beim Frühstück wurden die Erlebnisse der vergangenen zwei Tage vertieft und aufgearbeitet, bevor sich die Mitglieder wieder in alle vier Windrichtungen zerstreuten.

Kurt Koschatzky



Herbsttreffen 2009
Familia eucoprimensis erat in Lopoduno

Mit dieser Überschrift hätte ich vor 1800 Jahren meinen Bericht über das EUCOPRIMO Treffen vom 9. bis zum 11. Oktober 2009 in Lopodunum, heute Ladenburg, beginnen müssen, denn damals war Ladenburg eine römische Stadt mit Forum, Marktbasilika, Wochenmarkt, Tempel, Schauspieltheater, Thermen, Palästen und einer Stadtmauer. Ein Besuch in der Altstadt lässt die Zeichen der römischen Besiedlung lebendig werden. Ob beim Straßenbau oder bei der Errichtung neuer Häuser, immer wieder wurden und werden noch Reste dieser Zivilisation gefunden. Manches davon ist als Mauern und Gebäudereste öffentlich sichtbar, vieles ist auch im Museum, um es vor der Verwitterung zu schützen. Für den von Herrn Nieß organisierten Stadtrundgang am Samstagvormittag hatte ich mich wegen des starken Regens zunächst entschuldigt. Als es nach einiger Zeit rocken wurde, habe ich mich allein auf den Weg in die Altstadt gemacht und traf gegen Ende der Führungsroute an der Kirche St. Sebastian tatsächlich noch auf den offensichtlich etwas abgeschmolzenen Kern der Wetterfesten. Gerade der Bautenkomplex rund um diese Kirche beleuchtet beispielhaft die Geschichte dieser Stadt und die Bedeutung, die sie lange Zeit hatte. So sind Grundmauern aus römischer Zeit ebenso zu sehen wie Mauerreste aus der Periode der Merowinger (5. Jahrhundert). Die Mauern der Kirche St. Sebastian stammen aus dem Mittelalter (um 1000). Sie diente als Bischofskapelle und ihr Inneres wurde schließlich barockisiert. Offensichtlich haben alle sich immer wieder der Steine und Mauern der Vorgänger bedient. Diese geschichtliche Zeitreise von den Römern zur Neuzeit (den ebenfalls dargestellten vorgeschichtlichen Teil lasse ich hier beiseite) konnte ich im nahe gelegenen Lobdengau- Museum anhand vieler Fundstücke nochmals nachvollziehen. Aus der Vielzahl der römischen Artefakte haben mich zwei besonders beeindruckt: Ein großformatiges Steinrelief zum Mithras-Kult und die sehr informative Beschreibung dazu vermittelten mir neue Kenntnisse. Das zweite ist eine Jupitersäule (Kopie oben neben der Kirche, Original im Römer-Keller des Museums) und ihre Geschichte. Sie wurde 211 von einem Römer errichtet und besteht aus einem Sockel, einer schlanken, leicht bauchigen Säule und oben drauf der Figur Jupiters, der auf einem Pferd reitet und einen Blitz schleudert. Schon unser Stadtführer hatte uns an der Kopie auf die Besonderheit des Reiters aufmerksam gemacht, der gar nicht italienisch sondern sehr germanisch zu Pferd sitzt. Diese Merkwürdigkeit erklärt sich wohl aus der Geschichte der Säule. Die Alemannen eroberten die Stadt und stürzten die Säule in einen Brunnen, den Gott, um ihm die Macht zu nehmen, zuerst und dann die Säule und den Sockel. Später eroberten die Römer die Stadt wieder zurück, zogen die Säule wieder aus dem Brunnen und stellten sie erneut auf. Der Reiter, den die Alemannen als erstes in den Brunnen geworfen hatten, war inzwischen mit anderem Schutt bedeckt, so dass die Römer ihn nicht fanden und einen neuen Jupiter anfertigen ließen. Und dieser Steinmetz war offensichtlich in der germanischen Mythologie aufgewachsen. Er fertigte zwar den römischen Jupiter, gab ihm aber eine germanische Haltung, wie sie eher auf Thor zutraf. Erst in den 1970er Jahren wurde dieser Brunnen entdeckt und ausgegraben, Dabei fand man unter der untersten Schicht auch den ersten, von den Römern nicht mehr wieder gefundenen Jupiter. Auch er ist als Fragment im Museum zu sehen.

In der Überschrift habe ich bewusst auf die EUCOPRIMO Familie hingewiesen. Denn dieses Treffen hatte einen ausgesprochen familiären Charakter. Mit etwa 40 Teilnehmern blieb die Schar überschaubar. Sie bestand fast ausschließlich aus den „treuen alten“ Mitgliedern, so dass ich mich ein bisschen an Treffen unserer Frühzeit erinnert fühlte. So konnten wir zum Beispiel am Freitagnachmittag bei herrlich warmem Wetter alle in großer Runde im Garten sitzen. Eines irritierte mich allerdings später: Es gab kein Gedränge am Buffet. Daran habe ich mich aber schnell gewöhnt. Damit bin ich schon beim Hotel. Das Leonardo war ein gut gewählter Ort. Gute, funktionale Zimmer, großzügige Räumlichkeiten und perfekter Service trugen zum Wohlfühlen bei und auch Frühstücks- und Abendbuffets erfüllten alle Wünsche. Im Namen aller Teilnehmer will ich mich bei Herrn Nieß für die Auswahl des Hotels und für seine gelungene Organisation des Treffens danken.

Der von mit so angenehm empfundene familiäre Charakter hat natürlich einen Haken, wenn es um die Auktion und die Börse geht. Da fehlen dann doch sowohl Anbieter als auch Käufer. Mit nur 25 Losen spielte sich die Auktion am Freitagabend im Miniformat ab. Drei davon fanden keinen Käufer. Die Preise der übrigen hielten sich in Grenzen. Ein Poata Geldring von den Salomonen erzielte mit 80 Euro den höchsten Zuschlag von allen. Wenn man zum Beispiel ein Katangakreuz für 22 Euro bekommt, spricht das eine deutliche Sprache. Der etwas engere Mengenrahmen bot allerdings den Herren Reitz und Nieß gute Gelegenheit, sich als neues Auktions-Tandem zu profilieren. Sie haben die Aufgabe prima gelöst.

Die obligatorische Börse am Samstagnachmittag bot dann doch ein überraschend umfangreiches Angebot, wobei Objekte aus Afrika überwogen. Ich sah viele Objekte den Besitzer wechseln, ob allerdings die Anbieter mit ihren Geschäften zufrieden waren, kann ich persönlich nicht beurteilen.

Der Samstagabend war für die Mitgliederversammlung reserviert.

Zu Beginn gedachten wir in einer Schweigminute unseres Freundes Thomas Lautz, der auf so tragische Weise in China ums Leben gekommen ist. Prof. Denk schilderte nochmals den kenntnisreichen, humorvollen und liebenswerten Thomas Lautz, den wir alle kannten und so in Erinnerung behalten werden. Sein Wirken in der EUCOPRIMO und für unsere Vereinigung findet im neuesten Heft unserer Clubzeitschrift die gebührende Würdigung. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass Andreas Lautz, der Bruder des Verstorbenen, an unserem Treffen teilgenommen hat.

Anschließend wurden die anstehenden Sachthemen behandelt:

Herr Kuhn erhält Gelegenheit, auf einen offensichtlichen Schreibfehler im neuen Heft 82 der Clubzeitschrift hinzuweisen. Da steht im Inhaltsverzeichnis „Seite 80 – Sonderausstellung in Münzen“. Das muss richtig „Sonderausstellung in München“ heißen. Die Ausstellung zeigt ausschließlich vormünzliche Zahlungsmittel.

  • Prof. Denk berichtet über den Beitragseingang und bittet auf diesem Weg wieder einmal alle Mitglieder, die das noch nicht getan haben, einen Dauerauftrag einzurichten.

 

  • Beiträge für unsere Zeitschrift sind immer willkommen. Sollte sich jemand das erste Mal dazu entschließen, steht ihm Prof. Denk gern mit Rat und Tat (und Literatur) zur Verfügung.

 

  • Der Vorstand bemüht sich weiterhin um Vorträge für unsere Treffen. Herr Reiter ist bereit, beim nächsten Treffen über seine letzte Reise nach Neuguinea zu berichten. Nachahmer sind gerne willkommen.

 

  • Herr Reitz erläutert seine Vorbereitungen für das Frühjahrstreffen in Leipzig (siehe Einladung, die der Zeitschrift beiliegt). Außer dem Vortrag von Herrn Reiter sind im Völkerkundemuseum ein Fachvortrag oder Film sowie eine Führung durch die Ozeanien-Ausstellung vorgesehen.

 

  • Zu unserer Website erklärt Herr Nieß, dass sich die Zahl der Zugriffe mit jährlich über 30.000 gegenüber 2006 verdoppelt hat.

 

  • Zu den Finanzen gibt Herr Dr. Burmeister einen kurzen Bericht. Herr Kuhn hatte die Kassenprüfung übernommen. Er bestätigt die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung.

 

  • Der Vorstand wird einstimmig entlastet.

 

  • Für die Vorstandswahlen stellt sich Herr Hafer als Wahlleiter zur Verfügung. Die bisherigen Vorstandsmitglieder erklären ihre Bereitschaft, wieder zu kandidieren. Es wird der Wunsch geäußert, den Vorstand auf die zulässige Zahl von 8 Mitgliedern zu erweitern um die Aufgaben gut verteilen zu können. Aus der Mitte der Mitglieder werden folgende Herren vorgeschlagen: Fritz Klusmeier, Prof. Dr. Ekkehard Doehring und Dieter Hepp. Unter der Leitung von Herrn Hafer werden

 

     a) die bisherigen Vorstandsmitglieder Ilse Braun, Dr. Wolfgang Burmeister, Prof. Dr. Rolf Denk, Thomas Nieß und Manfred Reitz wieder gewählt, und

    b) die Herren Prof. Dr. Ekkehard Doehring, Dieter Hepp und Fritz Klusmeier neu in den Vorstand gewählt.

 

  • Das Herbsttreffen 2010 könnte in Heppenheim stattfinden. Das grundsätzliche Einverständnis von Herrn Maurer, das Treffen zu organisieren, liegt vor. Einzelheiten werden noch besprochen.

 

Damit ging der offizielle Teil unseres Treffens zu Ende. Der Rest des Abends verging wie immer in gelöster Stimmung und bei guten Gesprächen. Am Sonntagmorgen ging es wieder ans Abschiednehmen. Hoffentlich sehen wir uns alle in Leipzig wieder.

 

Bernhard Rabus

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