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Europäische Vereinigung zum Erforschen, Sammeln und Bewahren von ursprünglichen und außergewöhnlichen Geldformen

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Go East – Go Magdeburg!
(Frühjahrstreffen 15.04. bis 17.04.2011)

Renate Ullrich

Kannten Sie Magdeburg bereits vor dem Treffen? Ich nicht. Daher reiste ich bereits am Donnerstag an und traf auch schon auf viele bekannte Gesichter. Viele alte Häuser der Stadt wurden im Krieg leider zerstört und Magdeburg hat heute ein modernes Stadtbild. Der Name Magdeburg, wie wir herausfanden, bedeutet "mächtige Burg".

Beim Frühstück am Freitag zählte ich 13 Teilnehmer, einige Frühaufsteher sind mir jedoch entgangen. Herr Reitz kam noch vor der Arbeit vorbei und versicherte sich, dass alles in Ordnung war. Ja, alles war bestens organisiert. Das Hotel in zentraler Lage, mit geräumigen, schönen Zimmern und gutem Service. Das Wetter angenehm. Nicht so warm wie in den vergangenen Tagen, aber trocken und meist freundlich.

Am Nachmittag dann der Strom der Teilnehmer in die Hotelhalle. Freudige Begrüßungen und Fachsimpeleien. Herr Reitz begrüßte die Angereisten und stellte das Programm des Treffens vor:
Für den Vorstand begrüßte Herr Prof. Dr. Denk die Teilnehmer und stellte die neuen anwesenden
Mitglieder aus Zürich, Iserlohn, Julbach/Bayern und Velbert vor. Danach wurde das Buffet eröffnet. Für jeden Geschmack war sicherlich etwas dabei.
Zur Auktion wurden ca. 50 Objekte eingeliefert. 17 Objekte fanden keine Bieter und gingen zurück. Von den eingelieferten Objekten stammten etwa 23 aus dem afrikanischen Kulturraum, 20 aus Ozeanien oder Asien und fünf aus Europa. Die wertvollsten Objekte waren ein Tridacna Muschelring und ein Strang aus Muschelscheiben und Opossumzähnen (ca. 20 Stück), sowie ein Mattengeld aus der Südsee von der Insel Pentecoste in Vanuatu.

Samstag, 16.04.2011: Nach dem reichhaltigen Frühstücksbuffet spazierten zum Kulturhistorischen Museum. Das Gebäude ist ein schöner Museumszweckbau, erbaut 1906. Dort wurden wir von Mitarbeitern des Museums empfangen. Im prächtigen Kaiser-Otto-Saal, unter den monumentalen Wandgemälden die von Ottos Leben erzählen, erfuhren wir etwas über die Stadt, die urkundlich bereits 805 erwähnt worden ist. Nachweisbar war sie bereits in der Bronzezeit besiedelt. Auffällig sind in Magdeburg die ungemein breiten Straßen, für eine so alte Stadt eher ungewöhnlich. Zu Ottos Zeiten war Magdeburg ein bedeutendes Zentrum der europäischen Geschichte, zur Lutherzeit auch ein Zentrum der Reformation. Von Tilly wurde die Stadt im 30 jährigen Krieg in Schutt und Asche gelegt und im 2. Weltkrieg nochmals sehr stark zerstört. Im 19./ 20. Jahrhundert war Magdeburg eine Industriestadt. Besonders stark waren die Zuckerindustrie, Hartguss und Messinstrumentenbau vertreten.

Nach einer Einführung wurden die Teilnehmer auf vier Gruppen verteilt und im Wechsel von Herrn Dr. von Elsner, Herrn Dr. Hasse, Frau Liebscher und Herrn Pribbenow durch die verschiedenen Abteilungen des Hause geführt.

Nach diesem Bildungsfutter strömten wir wieder in die Stadt gönnten auch dem Magen eine Stärkung. Um 14 Uhr begann im geräumigen Konferenzraum die Börse. Das Angebot war groß und vielfältig. An mehreren Tischen konnte man schöne Perlen finden. Ein besonders großes Angebot gab es an Goldgewichten.

Nach dem Abendessen versammelten wir uns im Tagesraum zum Diavortrag von Herrn Beller. Er berichtete von seinen Afrikareisen, die teilweise schon lange zurücklagen. Ein Schwerpunkt seiner schönen Fotos sind/waren die Begegnungen mit Menschen. Seit 1963 bereiste er Afrika. Äthiopien (Timkat-Fest) , Sudan, Mombasa, Kenia. 1974 bestieg er den Kilimanjaro und besuchte die Massai, den Senegal, Mali und weitere Länder.

Im Anschluss an den Diavortrag begann die Mitgliederversammlung. Herr Prof. Dr. Denk musste leider die traurige Tatsache mitteilen, dass Herr Blum und Herr Faes im zurückliegenden Jahr verstorben waren.

Es folgte die Vorstellung der Planung für das nächste Treffen in Göttingen. Zu beachten ist, dass es in Göttingen zwei "Best Western" Hotels gibt. Das Eucoprimo Treffen findet im Best Western Parkhotel Ropeter statt. Ein wichtiger Punkt war wieder die Wahl neuer Tagungsorte. Den Vorschlag Regensburg fanden alle gut. Für das Herbsttreffen 2012 ist Erfurt geplant. Aus dem Mitgliederkreis wurde moniert, dass es für neue Interessenten schwer sei, die Kontaktadresse auf unserer Homepage zu finden. Ich kann das nicht nachvollziehen, denn das Kontaktformular ist über den "Impressum" Button leicht aufzurufen.

Ganz wunderbar war dieses Treffen in Magdeburg. Die Organisation perfekt, die Mitglieder in bester Stimmung, die Atmosphäre offen und heiter. Mein Dank geht an das Ehepaar Reitz und die Vorstandsmitglieder, die ehrenamtlich und freiwillig soviel Energie und Zeit einsetzten für diesen Verein, der ein Teil von uns ist und von dem wir ein Teil sind.




Eucoprimo - Herbsttreffen 2010 - Heppenheim - unvergesslich!

Selten trifft sich die Familie der „Eucoprimaten“ ein zweites Mal in einer Stadt, doch nach 22 Jahren geschah dies erneut im Jahr 2010. Nicht ohne besonderen Grund, wie jeder bemerkt haben wird …

Doch bevor ich mein Loblied auf Heppenheim an der Bergstraße zu singen beginne, sei gern berichtet, dass auch für dieses Treffen, das vom 15. bis zum 17. Oktober stattfand, wie selbstverständlich alles wieder bestens organisiert gewesen ist: Die neueste Ausgabe des „Primitivgeldsammlers“ lag gedruckt und wohl verwahrt in den bekannten Umschlägen vor, jeder erhielt sein Namensschild, alle konnten eine interessante Foto-Dokumentation über diverse Formen des Salzgeldes studieren, ein Referent war für den zweiten Abend gewonnen, pünktlich ging alles wie geplant über die Bühne. Auch die Küche schien zu spüren, dass besonderen Gästen auch Besonderes zu bieten sei und kreierte an den Abenden sowohl ein „Rustikales“ als auch ein „Bergsträßer“- Buffet. Dass der Raum für die Börse relativ wenig Platz bot, ließ sich trickreich und dank guter Stimmung verschmerzen. Hier sei den Organisatoren ein herzliches Dankeschön ausgesprochen. Ihre Mühe hat sich gelohnt, ihre umsichtig agierende lenkende Hand machte das Treffen zu einem großen Erlebnis, das sicher sehr lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird.

Alles begann sehr launig, humorvoll und geistreich. In seiner freundlichen Begrüßung konnte Herr Professor Denk u.a. neue Mitglieder vorstellen. Auch Herr Maurer hieß uns willkommen, sichtlich und erfolgreich darum bemüht, uns seinen Heimatort vorzustellen sowie dessen Liebreiz mit den Worten großer Männer aus Heppenheims Vergangenheit zu preisen. Da mein Mann und ich bereits am Tag zuvor angereist und durch die alten Zentren sowohl von Lorsch als auch von Heppenheim geschlendert waren, wussten wir: Der Mann hat recht, und seine Worte können nur bestätigt werden. Das nur vier Kilometer entfernte Kloster Lorsch, von dem leider nur noch das romanische Torgebäude erhalten ist, steht keineswegs zufällig auf den Weltkulturerbe-Listen der UNESCO. Und die Altstadt unseres Tagungsortes – vom letzten Krieg nahezu unberührt – gleicht einer Idylle, interessant und anheimelnd. Nebenbei: Besonders reizvoll war für uns der „Laternenweg“ durch Heppenheim, der Besuchern wie Einheimischen in kunstvoll gestalteten, an Laternen angebrachten Scherenschnitten Sagen und Märchen der Region illustriert. Wie schön und anregend wäre es wohl, würden wir einmal in einer ähnlichen Form unser Thema „Primitivgeld“ für Menschen darstellen, die noch keine Gelegenheit zu Einblicken in die Geldgeschichte und die Geldformen in der Vergangenheit ferner Völker hatten?

Zahlreiche Höhepunkte des diesjährigen Herbsttreffens gilt es zu rühmen: Den ersten gestalteten Herr Rabus, Herr Professor Doehring und das Ehepaar Hepp am Freitagabend. Sie erwiesen sich als wahre Profis in A(u)ktion, die überschaubaren und durchweg hochwertigen Angebote wunderbar darbietend. Erstmals gab es ein neues Verfahren, das alles vereinfachte, da die Spender selbst die notwendigen Unterlagen für die Versteigerung der einzelnen Stücke vorzubereiten hatten. Das führte nicht allein zu einem angenehmen Tempo, es mag auch vor allem dem Mann aus München ermöglicht, ja ihn regelrecht dazu gereizt haben, all sein umfangreiches Wissen, zudem ebenso sein sprachliches Können zu demonstrieren. Keiner konnte es ihm übel nehmen, wenn er über eine „Schrottsammlung“ spottete, angepriesene Stücke als „G’lump“ bezeichnete und in unnachahmlichem bajuwarischen Dialekt daher plauderte. Als er ein Stück als Messer für Beschneidungen ankündigte, dies indessen als eine Tanzaxt identifiziert werden musste, erregte seine Schlagfertigkeit große Heiterkeit.

Ein Hauch von Wehmut zog durch die Reihen, als ein Buch aus dem Besitz von Thomas Lautz ausgerufen wurde, ergänzt durch einen Brief von Professor Koch an ihn. Zu groß bleibt doch die Lücke, die jener hinterließ, der oftmals die Auktionen zu meistern verstand. Lautz’ umfangreiche Kenntnisse, sein Engagement und seine stets spürbare Freundlichkeit werden wohl allen Vereinsmitgliedern in guter Erinnerung bleiben.

Hingegen bereitete das allerjüngste „Mitglied“ des Vereins allgemeine Freude, vielleicht etwas weniger bei seinem Vater, der sich doch im Erwerb des einen oder anderen Stücks gehemmt sah, wohl aber bei allen von elterlichen und großelterlichen Gefühlen übermannten Teilnehmern. Die kleine Charlotte, die in ihrem jungen Leben bisher kein Eucoprimotreffen versäumt hat, verdient höchstes Lob. Mit ihren fast zwei Jahren bekämpfte sie tapfer alle Müdigkeit, ohne die Veranstaltung zu stören, dafür aber all den Trubel mit ihren großen Augen bestaunend.

Am Samstag durften die rund 50 am Treffen Beteiligten einen zweiten Höhepunkt im Hause eines Sammlers und Mitglieds erleben. Auch da waren Staunen und Begeisterung angesagt! Wir konnten eine überreiche Sammlung bewundern. Afrikanische Geldformen und zahllose Kultgegenstände aus dem schwarzen Kontinent boten sich den Betrachtern in nahezu unvorstellbarer Vielfalt dar, hervorragend präsentiert und gut gepflegt. Dies alles besichtigen und bestaunen zu dürfen, verdient hier noch einmal allergrößten Dank. Doch damit nicht genug: Der Weg aus der Innenstadt hinauf zum Haus der Sparkasse lohnte noch einmal. Uns empfingen Herr Hofferbert und Frau Schreier, bereit, uns durch eine didaktisch hervorragend aufbereitete Ausstellung zur Geschichte des Geldes und des Wirkens einer Stadtsparkasse zu geleiten. Das Museum der Sparkassenstiftung Starkenburg spiegelt die Entwicklung dieses Instituts von seiner Gründung im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart wider, zeigt dessen Aufgaben sowie die Banktechnik, Geldscheine und Münzen im Wandel der Zeiten. Hinzu kamen zwei weitere Räume, gefüllt mit edlen Stücken aus einer Privatsammlung. Zu sehen gab es Objekte aus vier Erdteilen, anschaulich die Vielfalt früher Zahlungsmittel demonstrierend. Unter all den beeindruckenden Dingen fielen mir, die ich erst nach dem Berufsleben sozusagen als ein vormünzlicher „Spätstarter“ zur Sammler-Gemeinde gestoßen bin, besonders solche Raritäten und Kuriosa auf wie beispielsweise die Käsewürfel-Geldkette oder die Käferbeinkette oder die Schale mit den Teufelsperlen oder, oder …

Von einer Sparkasse auch mit Speis und Trank versorgt zu werden, gehört sicher zu den Einmaligkeiten in der Geschichte der Eucoprimo-Treffen. Schnitzel, Hühnerbeine oder Buletten mit Kochkäse zu garnieren, stellte wohl für viele eine neue kulinarische Erfahrung dar, indessen keine schlechte. Doch auch mit anderen Speisen ließen sich die Zungen verwöhnen. Ob sich für nächste Gelegenheiten erneut Sponsoren solcher Schlemmerei finden lassen? Man wird ja mal fragen dürfen …

Gut genährt und aufgemuntert ging es dann der Börse entgegen, die auch dieses Mal lange vor dem angesetzten Termin „eröffnet“ wurde. Wie immer quollen Gutes und Bestes, Bekanntes und Unbekanntes, Kleines und Großes, Erschwingliches und Teueres aus Kisten und Schachteln, so dass mir die Augen regelrecht übergehen wollten. Wäre der Platz hinreichend gewesen, hätte sicher mancher Tisch noch mehr Lasten tragen können. Zu sehr mit dem Betrachten und Befühlen angebotener Kostbarkeiten beschäftigt, konnte ich nicht wahrnehmen, ob auch alle mit den „Geschäften“ zufrieden waren. Auf jeden Fall hoffe ich dies für die „Börsianer“, was – ich gebe es unumwunden zu - zugleich sehr egoistisch ist, denn gar zu gern würde ich in Magdeburg beim nächsten Treffen wieder die Börse genießen. Vielleicht könnte man sich auch wieder an die Empfehlung erinnern, dass die angebotenen Stücke beschriftet und ausgepreist sein sollten. Natürlich gehört das „Handeln“ dazu, doch so mancher Entschluss zum Kauf würde wohl leichter fallen.

Am Samstagabend referierte Herr Professor Doehring über das Thema "Kindergesundheit, reflektiert in afrikanischen Artefakten“. Die hohe Kindersterblichkeit im Sub-Saharischen Afrika und der oftmals schwierige Zugang zu den medizinischen Einrichtungen lässt die Menschen traditionell Schutz bei den Gesundheitsamuletten für Kinder suchen. Da diese mit den Verstorbenen bestattet werden, bestehen für Sammler kaum Chancen. Professor Doehring konnte jedoch einige Originale vorzeigen, neben interessanten Bildern von Tieren und Landschaften. Zugleich erläuterte er die Methoden seiner Arbeit, speziell die Gesprächsführung mit Müttern und traditionell arbeitenden Heilern. Er warb auch für sein nächstes Projekt, das dem Thema „Armut und Amulette“ gewidmet sein wird. Hoffentlich können viele Afrika-Sammler seiner Bitte nachkommen, seine Arbeit an diesem bedeutsamen Projekt zu unterstützen und Material zur Verfügung zu stellen.

Bei der abschließenden Versammlung wurde neben allem, was bei solcher Gelegenheit notwendig zu sagen ist, zum Treffen vom 15. bis 17. April 2011 in Magdeburg eingeladen. Familie Reitz weckte Interesse und Neugier dank attraktiver Vorschläge: Sicher werden der Besuch im Kulturhistorischen Museum und die Besichtigung des für die Öffentlichkeit unzugänglichen Münztresors zu Erlebnissen, auf die wir uns schon jetzt freuen können. Vielleicht erweist sich auch der Rat, vor Ort unbedingt „machdeburgischen“ Dialekt zu verwenden, als nützlich …

Neben einem Bericht über die Arbeit mit der homepage stand auch zur Debatte, wie neue Mitglieder für die Eucoprimo zu gewinnen seien und was dazu unternommen werden könne und müsse. Alle Gedanken und Vorschläge wird der Vorstand sicher aufgreifen. Sie betrafen sowohl werbende Aktionen der Mitglieder als auch die verstärkte Nutzung des Internets. Über Letzteres kam ich vor fast fünf Jahren dazu und nahm erstmalig in Weil a. Rh. an einem Treffen teil. Eine der dortigen Begegnungen wird mir immer in Erinnerung bleiben: Thomas Lautz erkundigte sich danach, wie ich auf den Verein gestoßen sei. Ich erzählte, es habe sich um ein im Internet aufgespürtes und hinter meinem Rücken vorbereitetes Geschenk zur Unterstützung meines Hobbys gehandelt, alles anlässlich eines runden Geburtstages. Als mein Mann dazu sehr offenherzig dessen schreckliche Zahl benannte, wurde er lächelnd gefragt: „Warum bringen Sie denn nur Ihre Tochter und nicht Ihre Frau mit?“ Eine Episode zwar, doch eine typische, noch dazu eine „werbende“! Und sie berührt zugleich die während der Heppenheimer Abschlussveranstaltung ebenfalls gestellte Frage, was denn einmal Gewonnene dazu bringen würde, bei der Eucoprimo zu bleiben. Da hierzu kaum debattiert worden ist, will ich hier meine Antwort formulieren. Sie lautet: Es liegt sicher an der freundlichen, ja geradezu familiär zu nennenden Atmosphäre, an der Möglichkeit, eine große Menge an Wissen aufzunehmen und differenzierte Urteile zu erfahren, letztlich wohl aber am unerschöpflich reichhaltigen Gegenstand, dem sich alle gemeinsam zuwenden.



Eucoprimo - Frühjahrstreffen 2010 in Leipzig

Leipzig war wieder eine Reise wert. Das Penta Hotel erfüllte alle Ansprüche: die Zimmer schön, das Essen ausgezeichnet, die drei verfügbaren Säle für gemeinsame Mahlzeiten, Auktion und Börse gut geeignet. Hier bereits herzlichen Dank an das Ehepaar Reitz für die ausgezeichnete Wahl der Lokalität und die weitere Organisation.

Manfred Reitz konnte am Freitagabend im Speisesaal um 18.30 Uhr etwa 80 Personen, Eucoprimo-Mitglieder und Familienangehörige begrüßen. Insbesondere erwähnte er die Neumitglieder Sabine Becker, Ehepaar Schellenberg und John Crawford aus New York, das Mitglied mit der weitesten Anreise. In der dem Abendessen folgenden Auktion wurden etwa 70 Lose unterschiedlicher Qualität ausgerufen, die meisten davon auch zugeschlagen. Das neue Auktionsteam hat seine schwierige Aufgabe ordentlich erledigt, beim Anbieten der Stücke gab es wohl noch einige Unsicherheiten, die Abrechnung erfolgte rasch und reibungslos. Der Abend endete mit zwanglosem Beisammensein.

Am Samstag ging es nach dem Frühstück in das Grassi-Museum, das Völkerkundemuseum Leipzigs, mit der vor nicht allzu langer Zeit eröffneten Ozeanien-Ausstellung. Zunächst zeigte Dr.Marion Melk-Koch, die Frau des bekannten, leider schon verstorbenen Ethnologen Gerd Koch, Autor einer Reihe von ausgezeichneten Büchern zu Ozeanien, vier Kurzfilme:

- Herstellung von Kokosfaserschnur auf Nonouti (Gilbert Inseln) 1964/65
- Flechten einer Bodenmatte auf Tabiteuea (Gilbert Inseln) 1964/65
- Weben mit Bananenbast, Riff-Inseln (St.Cruz, Salomonen) 1966/67
- Herstellen von Federgeld auf Ndende (St.Cruz, Salomenen) 1966/67

Die Streifen, spannend wie Spielfilme, bestachen durch ausgezeichnete Bildführung und zeigten eindringlich, welche Mühe und Kunstfertigkeit erforderlich ist, das jeweilige Produkt herzustellen. Ich denke, jeder Betrachter sieht jetzt eine Kokosfaserschnur oder eine Matte mit anderen Augen, mit neuer Wertschätzung an. Frau Dr. Melk-Koch verstand es außerdem, den Zuhörern die Person Gerd Koch nahezubringen und zu erläutern, unter welch schwierigen Bedingungen die Filme zustande kamen: ohne künstliche Lichtquellen, mit einfacher Kamera, der Filmtransport durch Kurbeln bewerkstelligt, mit Aufnahmepause nach jeweils 4 m Film. Nichts davon ist den Filmen anzumerken. Man konnte aber den Enthusiasmus und die Könnerschaft von Gerd Koch erahnen.

Nach den beieindruckenden Filmen ging es durch die Ausstellungen, hauptsächlich Afrika und Ozeanien betreffend. Die hohe Qualität der Exponate war überwältigend. Frau Dr. Melk-Koch und Frau Dr. Scheps-Bretschneider standen zusätzlich die ganze Zeit für Auskünfte zur Verfügung. Die Börse am Nachmittag, ab 14.30 Uhr geplant, begann wie üblich und verständlicherweise bereis eine Stunde vorher zugleich mit dem Aufbau. Tische gab es reichlich. Das Angebot muss naturgemäß unterschiedlich bewertet werden. Für Anfänger war es reichlich, fortgeschrittene Sammler hatten wohl mehr Mühe, noch etwas zu finden. Gegen 17 Uhr endete die Börse, das gemeinsame Abendessen folgte um 18 Uhr.

Vor Besprechung der Vereinsinterna musste wieder eines verstorbenen Mitglieds, Herrn Hubert Pettenkofer aus Passau, gedacht werden. Professor Denk würdigte ihn als stets freundlichen, hilfbereiten Sammler, Mitglied der Eucoprimo fast von Anfang an. Die Besprechung der Tagesordnungspunkte war dann erfreulich kurz.

Heppenheim als Treffpunkt im Oktober 2010 wurde bestätigt, Magdeburg als Ort für das Frühjahrstreffen 2011 ins Auge gefasst. Herr Reitz und Ehefrau, wie könnte es anders sein, boten sich wieder an, vorzufühlen.

Im Verlauf des weiteren Abends und am Sonntagmorgen beim Frühstück wurden die Erlebnisse der vergangenen zwei Tage vertieft und aufgearbeitet, bevor sich die Mitglieder wieder in alle vier Windrichtungen zerstreuten.

Kurt Koschatzky



Herbsttreffen 2009
Familia eucoprimensis erat in Lopoduno

Mit dieser Überschrift hätte ich vor 1800 Jahren meinen Bericht über das EUCOPRIMO Treffen vom 9. bis zum 11. Oktober 2009 in Lopodunum, heute Ladenburg, beginnen müssen, denn damals war Ladenburg eine römische Stadt mit Forum, Marktbasilika, Wochenmarkt, Tempel, Schauspieltheater, Thermen, Palästen und einer Stadtmauer. Ein Besuch in der Altstadt lässt die Zeichen der römischen Besiedlung lebendig werden. Ob beim Straßenbau oder bei der Errichtung neuer Häuser, immer wieder wurden und werden noch Reste dieser Zivilisation gefunden. Manches davon ist als Mauern und Gebäudereste öffentlich sichtbar, vieles ist auch im Museum, um es vor der Verwitterung zu schützen. Für den von Herrn Nieß organisierten Stadtrundgang am Samstagvormittag hatte ich mich wegen des starken Regens zunächst entschuldigt. Als es nach einiger Zeit rocken wurde, habe ich mich allein auf den Weg in die Altstadt gemacht und traf gegen Ende der Führungsroute an der Kirche St. Sebastian tatsächlich noch auf den offensichtlich etwas abgeschmolzenen Kern der Wetterfesten. Gerade der Bautenkomplex rund um diese Kirche beleuchtet beispielhaft die Geschichte dieser Stadt und die Bedeutung, die sie lange Zeit hatte. So sind Grundmauern aus römischer Zeit ebenso zu sehen wie Mauerreste aus der Periode der Merowinger (5. Jahrhundert). Die Mauern der Kirche St. Sebastian stammen aus dem Mittelalter (um 1000). Sie diente als Bischofskapelle und ihr Inneres wurde schließlich barockisiert. Offensichtlich haben alle sich immer wieder der Steine und Mauern der Vorgänger bedient. Diese geschichtliche Zeitreise von den Römern zur Neuzeit (den ebenfalls dargestellten vorgeschichtlichen Teil lasse ich hier beiseite) konnte ich im nahe gelegenen Lobdengau- Museum anhand vieler Fundstücke nochmals nachvollziehen. Aus der Vielzahl der römischen Artefakte haben mich zwei besonders beeindruckt: Ein großformatiges Steinrelief zum Mithras-Kult und die sehr informative Beschreibung dazu vermittelten mir neue Kenntnisse. Das zweite ist eine Jupitersäule (Kopie oben neben der Kirche, Original im Römer-Keller des Museums) und ihre Geschichte. Sie wurde 211 von einem Römer errichtet und besteht aus einem Sockel, einer schlanken, leicht bauchigen Säule und oben drauf der Figur Jupiters, der auf einem Pferd reitet und einen Blitz schleudert. Schon unser Stadtführer hatte uns an der Kopie auf die Besonderheit des Reiters aufmerksam gemacht, der gar nicht italienisch sondern sehr germanisch zu Pferd sitzt. Diese Merkwürdigkeit erklärt sich wohl aus der Geschichte der Säule. Die Alemannen eroberten die Stadt und stürzten die Säule in einen Brunnen, den Gott, um ihm die Macht zu nehmen, zuerst und dann die Säule und den Sockel. Später eroberten die Römer die Stadt wieder zurück, zogen die Säule wieder aus dem Brunnen und stellten sie erneut auf. Der Reiter, den die Alemannen als erstes in den Brunnen geworfen hatten, war inzwischen mit anderem Schutt bedeckt, so dass die Römer ihn nicht fanden und einen neuen Jupiter anfertigen ließen. Und dieser Steinmetz war offensichtlich in der germanischen Mythologie aufgewachsen. Er fertigte zwar den römischen Jupiter, gab ihm aber eine germanische Haltung, wie sie eher auf Thor zutraf. Erst in den 1970er Jahren wurde dieser Brunnen entdeckt und ausgegraben, Dabei fand man unter der untersten Schicht auch den ersten, von den Römern nicht mehr wieder gefundenen Jupiter. Auch er ist als Fragment im Museum zu sehen.

In der Überschrift habe ich bewusst auf die EUCOPRIMO Familie hingewiesen. Denn dieses Treffen hatte einen ausgesprochen familiären Charakter. Mit etwa 40 Teilnehmern blieb die Schar überschaubar. Sie bestand fast ausschließlich aus den „treuen alten“ Mitgliedern, so dass ich mich ein bisschen an Treffen unserer Frühzeit erinnert fühlte. So konnten wir zum Beispiel am Freitagnachmittag bei herrlich warmem Wetter alle in großer Runde im Garten sitzen. Eines irritierte mich allerdings später: Es gab kein Gedränge am Buffet. Daran habe ich mich aber schnell gewöhnt. Damit bin ich schon beim Hotel. Das Leonardo war ein gut gewählter Ort. Gute, funktionale Zimmer, großzügige Räumlichkeiten und perfekter Service trugen zum Wohlfühlen bei und auch Frühstücks- und Abendbuffets erfüllten alle Wünsche. Im Namen aller Teilnehmer will ich mich bei Herrn Nieß für die Auswahl des Hotels und für seine gelungene Organisation des Treffens danken.

Der von mit so angenehm empfundene familiäre Charakter hat natürlich einen Haken, wenn es um die Auktion und die Börse geht. Da fehlen dann doch sowohl Anbieter als auch Käufer. Mit nur 25 Losen spielte sich die Auktion am Freitagabend im Miniformat ab. Drei davon fanden keinen Käufer. Die Preise der übrigen hielten sich in Grenzen. Ein Poata Geldring von den Salomonen erzielte mit 80 Euro den höchsten Zuschlag von allen. Wenn man zum Beispiel ein Katangakreuz für 22 Euro bekommt, spricht das eine deutliche Sprache. Der etwas engere Mengenrahmen bot allerdings den Herren Reitz und Nieß gute Gelegenheit, sich als neues Auktions-Tandem zu profilieren. Sie haben die Aufgabe prima gelöst.

Die obligatorische Börse am Samstagnachmittag bot dann doch ein überraschend umfangreiches Angebot, wobei Objekte aus Afrika überwogen. Ich sah viele Objekte den Besitzer wechseln, ob allerdings die Anbieter mit ihren Geschäften zufrieden waren, kann ich persönlich nicht beurteilen.

Der Samstagabend war für die Mitgliederversammlung reserviert.

Zu Beginn gedachten wir in einer Schweigminute unseres Freundes Thomas Lautz, der auf so tragische Weise in China ums Leben gekommen ist. Prof. Denk schilderte nochmals den kenntnisreichen, humorvollen und liebenswerten Thomas Lautz, den wir alle kannten und so in Erinnerung behalten werden. Sein Wirken in der EUCOPRIMO und für unsere Vereinigung findet im neuesten Heft unserer Clubzeitschrift die gebührende Würdigung. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass Andreas Lautz, der Bruder des Verstorbenen, an unserem Treffen teilgenommen hat.

Anschließend wurden die anstehenden Sachthemen behandelt:

Herr Kuhn erhält Gelegenheit, auf einen offensichtlichen Schreibfehler im neuen Heft 82 der Clubzeitschrift hinzuweisen. Da steht im Inhaltsverzeichnis „Seite 80 – Sonderausstellung in Münzen“. Das muss richtig „Sonderausstellung in München“ heißen. Die Ausstellung zeigt ausschließlich vormünzliche Zahlungsmittel.

  • Prof. Denk berichtet über den Beitragseingang und bittet auf diesem Weg wieder einmal alle Mitglieder, die das noch nicht getan haben, einen Dauerauftrag einzurichten.

 

  • Beiträge für unsere Zeitschrift sind immer willkommen. Sollte sich jemand das erste Mal dazu entschließen, steht ihm Prof. Denk gern mit Rat und Tat (und Literatur) zur Verfügung.

 

  • Der Vorstand bemüht sich weiterhin um Vorträge für unsere Treffen. Herr Reiter ist bereit, beim nächsten Treffen über seine letzte Reise nach Neuguinea zu berichten. Nachahmer sind gerne willkommen.

 

  • Herr Reitz erläutert seine Vorbereitungen für das Frühjahrstreffen in Leipzig (siehe Einladung, die der Zeitschrift beiliegt). Außer dem Vortrag von Herrn Reiter sind im Völkerkundemuseum ein Fachvortrag oder Film sowie eine Führung durch die Ozeanien-Ausstellung vorgesehen.

 

  • Zu unserer Website erklärt Herr Nieß, dass sich die Zahl der Zugriffe mit jährlich über 30.000 gegenüber 2006 verdoppelt hat.

 

  • Zu den Finanzen gibt Herr Dr. Burmeister einen kurzen Bericht. Herr Kuhn hatte die Kassenprüfung übernommen. Er bestätigt die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung.

 

  • Der Vorstand wird einstimmig entlastet.

 

  • Für die Vorstandswahlen stellt sich Herr Hafer als Wahlleiter zur Verfügung. Die bisherigen Vorstandsmitglieder erklären ihre Bereitschaft, wieder zu kandidieren. Es wird der Wunsch geäußert, den Vorstand auf die zulässige Zahl von 8 Mitgliedern zu erweitern um die Aufgaben gut verteilen zu können. Aus der Mitte der Mitglieder werden folgende Herren vorgeschlagen: Fritz Klusmeier, Prof. Dr. Ekkehard Doehring und Dieter Hepp. Unter der Leitung von Herrn Hafer werden

 

     a) die bisherigen Vorstandsmitglieder Ilse Braun, Dr. Wolfgang Burmeister, Prof. Dr. Rolf Denk, Thomas Nieß und Manfred Reitz wieder gewählt, und

    b) die Herren Prof. Dr. Ekkehard Doehring, Dieter Hepp und Fritz Klusmeier neu in den Vorstand gewählt.

 

  • Das Herbsttreffen 2010 könnte in Heppenheim stattfinden. Das grundsätzliche Einverständnis von Herrn Maurer, das Treffen zu organisieren, liegt vor. Einzelheiten werden noch besprochen.

 

Damit ging der offizielle Teil unseres Treffens zu Ende. Der Rest des Abends verging wie immer in gelöster Stimmung und bei guten Gesprächen. Am Sonntagmorgen ging es wieder ans Abschiednehmen. Hoffentlich sehen wir uns alle in Leipzig wieder.

 

Bernhard Rabus

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