|
Buchbesprechungen
Fritz Klusmeier
Was lange währte, ist endlich gut geworden! Dieses Buch ist ein schönes Buch; denn es zeigt Objekte, die, obgleich nicht als Kunstwerke gedacht,
als sie gemacht wurden, doch meist eine erhebliche ästhetische Qualität besitzen:
Dieses Buch ist ein sehr persönliches Buch; denn es ist das Werk von Sammlern, die stolz auf die Sammlungen sind, die sie mit liebevollem Eifer
jahrzehntelang zusammengebracht haben. Diese Begeisterung spiegelt sich vor allem in den einleitenden Texten (S. 4-17).
Aber dieses Buch ist vor allem ein wertvolles Buch für alle, die sich für die Waffen Schwarzafrikas interessieren. Und das ist Sammlern zu
verdanken, die ihre Schätze nicht nur im stillen Kämmerlein aufbewahren, sondern der interessierten Öffentlichkeit durch Ausstellungen und Publikationen zugänglich machen. Diese Sammler sind ja auch Bewahrer von
Zeugnissen der materiellen Kultur; und Waffen, in welcher Funktion auch immer, waren (und sind z. T. immer noch) wichtige Kulturelemente der betreffenden Volksgruppen. Die Autoren haben 649 Objekte vorgestellt (S.
19-263), vor allem Blankwaffen und Schilde, die nur zum kleinen Teil schon aus anderen Publikationen bekannt sind.
Jedes Objekt ist abgebildet, z. T. gibt es zusätzliche Detailaufnahmen, die Abbildungen sind von sehr guter Qualität. Jedes Objekt ist mit
Angaben versehen: Bezeichnung, einheimische Namen, Herkunft (Volksgruppen), Material, Größe und Sammlungszugehörigkeit (wo die Angabe zur Sammlung fehlt, stammen die Stücke aus den Sammlungen der Autoren).
Die Bezeichnungen weisen in vielen Fällen auf die Funktion der jeweiligen Stücke hin: Sie sind Waffen, Geräte, aber vielfach auch zeremonielle
und kultische Gegenstände oder Gegenstände, die Status, Prestige, Macht symbolisieren; einige haben Schmuckcharakter, vier sind Geldformen (Nr. 156, 218, 301, 387).
Eingestreut sind zahlreiche kleinformatige Abbildungen, die meist Personen zeigen, welche die jeweiligen Objekte tragen oder handhaben; leider
fehlen oft die Quellenangaben zu diesen Abbildungen, was die Autoren erklärt haben (S. 7).
Wertvoll sind die Informationen, die der Textteil (S. 265-323) liefert, die Autoren haben dafür eine Vielzahl von gedruckten Quellen ausgewertet,
aber auch Gespräche mit Experten und anderen Sammlern geführt. Wichtig: Die Literaturstellen sind jeweils angegeben, ebenso sind Ausstellungsnachweise für einschlägige Stücke verzeichnet.
Das gesamte Material ist nach regionalen und ethnischen Gesichtspunkten geordnet, eine „Liste der Volksgruppen“ (S. 324-326) und eine
Staatenkarte von Afrika (S. 3) helfen bei der Erschließung des Materials.
Das umfangreiche Literaturverzeichnis (S. 327-337) bildet den Abschluss des Buches; es weist auf wichtige Quellen und weiterführende Literatur
hin. Ich prophezeie diesem Buch einen großen Erfolg, Museumsleuten und Sammlern kann es bei der Identifizierung und Einordnung ihrer Stücke helfen, und Leuten, die über afrikanische Kurzwaffen und Schilde
schreiben wollen, werden den „Zirngibl/Kubetz“ als „reference“ heranziehen müssen.
II. Geary, Theresa Flores:
Dieser Titel macht neugierig! Die Autorin war so mutig, ihr Buch “Bibel” zu nennen, so als wolle sie das ultimative Standardwerk vorlegen,
fürwahr ein hoher Anspruch!
Das Kernstück des Buches ist ein Glossar: „Beads and Beading Terms“ (S. 18- 316), und das ist wohl das ausführlichste Fachwörterbuch zum
Thema, das es gibt. Es enthält Artikel über Perlenmaterial, Perlensorten, Perlenarbeiten und dazu benötigte Arbeitsmittel, Arbeitstechniken usw. und bietet eine Fülle von Informationen.
Beim Stöbern fallen einige Ungereimtheiten auf.
Die Autorin hat einige Fachausdrücke anscheinend selbst erfunden, z.B. „ethnic beads“, „natural beads“. Unter letzteren versteht sie
„seeds, nuts, animal teeth, and bones“ (S. 203f.). Wieso gehören z. B. Holz und Molluskenschalen nicht dazu? Wieso gibt es dann zusätzlich noch ein Stichwort „botanical beads“?
„Bone beads“, „seed beads“, „teeth“ werden durch eigene Artikel gewürdigt, „nuts“ aber nicht.
Die Zulu und Ndebele Südafrikas werden wegen ihrer Perlenarbeiten mit Artikeln berücksichtigt (zu Recht), zu den Perlenarbeiten der Massai und
ihrer Nachbarn, der Yoruba und Bamum z. B. sucht man vergeblich Informationen.
Wenn man Schnecken- und Muschelschalen als Schmuckmaterial in eine Publikation über beads einbezieht, ist es nicht einzusehen, dass zwar Kauris,
dentalium, abalone, conus bercksichtigt sind, nassa und ovula aber z. B. nicht, obgleich diese doch in Melanesien und Indonesien eine erhebliche Rolle als Schmuckmaterial spielen. Ozeanien wird sowieso sehr
stiefmütterlich behandelt, kommt, soweit ich sehe, fast gar nicht vor.
Bei der Fülle der Stichwrter ist für manche nicht viel Platz, in vielen Fällen kann man nur von Kurzinformationen sprechen. Da wäre es sinnvoll
gewesen, jeweils einschlägige Literaturhinweise zu geben; die Autorin hat ja zugegeben: „We’ve used numerous sources in compiling this book“ (S. 385)
Hilfreich sind natürlich die vielen beigegebenen Abbildungen, welche eine große Anzahl der Artikel illustrieren.
Wer sich für außermünzliche Geldformen interessiert, kommt in diesem Buch übrigens kaum auf seine Kosten, es gibt nur ganz wenige Stichwörter,
in denen auf den Geldcharakter von Perlenobjekten hingewiesen wird ( z. B. cowrie, dentalium, money belt, shell money, land-snail shell beads, sea shells, wampum), aber die gelieferten Informationen sind dürftig.
Außer dem Glossar bringt die Autorin ein Kapitel „Beading Tips and Techniques“ (S. 317-348), in dem sie Fragen stellt und beantwortet: „This section offers
useful information in a Q and A format to take some of the headaches out of beading“ (S. 318). Hilfreich sind die Tipps vor allem für Menschen, die Perlenarbeiten anfertigen wollen; es geht um geeignetes Werkzeug
und Material, um Überwindung praktischer Schwierigkeiten, die Vermeidung von Anfängerfehlern , um ästhetische Fragen und auch um die Pflege und Konservierung von Perlenarbeiten. Es wird auch die Frage
beantwortet, ob es stimmt, dass Manhattan für Glasperlen im Werte von $ 24 verkauft worden ist: „…there is no evidence of any written deed or documentation to verify the purchase of Manhattan with
beads.“ (S.346)
Das nächste Kapitel „Beading Tables and Charts“ (S. 349-368) enthält eine Reihe von nützlichen Übersichten und Tabellen: eine Übersicht
über die wichtigsten „bead shapes“ (mit Abbildungen), Hilfsmittel zur Bestimmung von Perlengrößen,, Listen von „glass bead types“ und „glass bead finishes“, Informationen über Edelsteine, Metalle und
„stringing materials“.
Im letzten Kapitel werden Stickmuster (mit Abbildungen) vorgestellt (S. 370- 383).
Am Schluss des Buches gibt es eine „selected bibliography“ (S. 385-388), die nur englischsprachige Titel enthält und leider recht knapp
ausgefallen ist.
Nützlich ist eine Liste mit „Internet Resources“ (S. 388-392). Zu loben ist der sehr detaillierte Index.
Frau Gearys Publikation ist für Perlenliebhaber und –verarbeiter sicher nützlich, sie werden Trost, Rat und Hilfe finden. Vielleicht ist das
der Grund, dass sie ihr Buch eine Bibel genannt hat. Das ultimative Perlenbuch ist es aber nicht.
|