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Buchbesprechung:
Neuere Bücher über Perlen und Perlenarbeiten
(Book review: New books about beads and beadwork)
Fritz Klusmeier
Allen, Jamie D.:
Magical Ancient Beads ( from the Collection of Ulrich J. Beck)
Singapur 1998
147 Seiten
Thema des großformatigen Bandes sind Glanzlichter alter asiatischer Perlen (nicht nur Glasperlen) aus der Privatsammlung Beck. Schwerpunkte der
Sammlung sind der heute vorwiegend islamische Orient (S. 12-79) und Indonesien (S. 80-177). Die Perlen stammen aus einem Zeitraum von über 2000 Jahren ( bis zum 16. Jahrhundert n. Chr.). Das Buch ist vor allem ein
Bilderbuch, weit über die Hälfte der Seiten nehmen Abbildungen ein. Der Photograph hat jedoch des Guten zuviel getan; es genügte ihm nicht, die einzelnen Perlen oder Perlenketten vor neutralem Hintergrund
abzulichten, sondern er hat sich die wildesten Arrangements für diese Objekte ausgedacht. Das hat dazu geführt, dass die Perlen nicht die Aufmerksamkeit des Betrachters bekommen, die sie verdienen. Eine weitere
Vorliebe des Photographen sind Großaufnahmen, und das ist positiv zu werten (genauso wie die recht ausführlichen Texte zu den abgebildeten Objekten ). Der eigentliche Textteil des Buches ist leider relativ knapp gehalten, das ist insofern schade,
als die Beiträger ausgewiesene Fachleute sind: J.D. Allen: „Ancient Glass Beads” (S.16-26) und “Indonesian Glass Beads” (S.96-99), M.Spear: “Ancient Beads” (S.14f.), S. Adhyatman: “Indonesian Beads”
(S.82-89), A. Richter: “Bead Magic in Indonesia”(S.92-95). Zur Verwendung von Perlen als Geld erfährt man leider nichts Konkretes. Nützlich ist „A Glossary of Bead Terms and Types“ (S.138-146). Die
Literaturliste (S.147) ist, was Perlen betrifft, eher dürftig. – Erwähnenswert ist noch, dass sowohl Robert K. Liu in seinem Vorwort (S.8f.) als auch Allen (S.98f.) darauf hingewiesen haben, dass gerade in
Indonesien das Gewerbe des Kopierens, Imitierens, Fälschens alter Perlen zum Nachteil unkundiger Sammler in voller Blüte steht
Wright, Margot M.(ed.):
Ethnographic Beadwork – Aspects of Manufacture, Use and Conservation
London 2001
140 Seiten
Dieses Büchlein richtet sich vor allem an einschlägige Spezialisten, die einzelnen Beiträge stammen von Museumskonservatoren, bieten aber
auch dem interessierten Laien viele nützliche Informationen. Die Publikation enthält 13 Aufsätze „on significant and fascinating aspects of the technology and conservation of beadwork“ Mehrere dieser
Beiträge befassen sich mit der sachgerechten Behandlung von beschädigten oder durch Umwelteinflüsse und Glaskrankheiten geschädigte Perlenarbeiten, z. B. ausgegrabene Perlen oder um einen beschädigten
perlenbesetzten Thron aus Kamerun. Dabei geht es nicht nur um Glasperlen, sondern auch solche aus Stein, Fayance, Perlmutt und Plastik. Der vielleicht interessanteste Beitrag (von Sode und Kock: „Traditional glass bead-making in India“ ,S.1-14) weist mit
Recht darauf hin, dass Restauratoren und Konservatoren tunlichst etwas von den Eigenschaften der verwendeten Materialien und von der Herstellungstechnik der verschiedenen Perlensorten verstehen sollten. Jeder
Beitrag verweist auf weiterführende Literatur, manche Beiträge sind auch durch Schwarz-Weiß-Photos oder Zeichnungen illustriert.
Crabtree, Caroline und Pam Stallebrass:
Beadwork – A World Guide
London 2002
208 Seiten
Es geht in diesem reich illustrierten Buch um Perlenarbeiten, also um Kleidungsstücke, Gebrauchsgegenstände und Schmuckstücke, die aus Perlen
gemacht oder mit Perlen verziert sind. Bei diesen Perlen handelt es sich vor allem um kleinformatige Glasperlen. Vorgestellt werden, nach Kontinenten gegliedert, Perlenarbeiten aus der ganzen Welt (S.28-171),
Schwerpunkte ergeben sich dadurch, dass Glasperlen ja nicht überall in gleichem Maße geschätzt und verarbeitet wurden: So wird natürlich im Kapitel „Afrika“ vor allem Südafrika berücksichtigt, so findet im
Kapitel „The Americas“ vor allem Nordamerika Beachtung , so werden im
Kapitel „Asia, Oceania and the Arabian Gulf“ der Südsee nur zwei Seiten gewidmet, da dort ja traditionell mehr Naturmaterialien als Glas verwendet wurden. Die Autorinnen haben sich nicht nur bemüht, die
ungeheure Vielfalt der Perlenarbeiten zu dokumentieren, sondern sie geben auch eine Übersicht über Herstellung, Produktionszentren und Handelswege von Glasperlen ( S. 8-27). Kapitel V befasst sich ausführlich mit
den Herstellungstechniken der Perlenarbeiten ( S. 172-199). Besonders nützlich finde ich die fünf Karten (S.14: Welt, S.30:Afrika, S.78: Amerika, S.110: Asien, S.144: Europa), welche Produktionszentren und Handelswege darstellen. Auch
einige Musterkarten werden abgebildet ( S. 25, 146). Am Schluss des Bandes gibt es praktische Hinweise für Sammler von Perlenarbeiten, eine Übersicht über wichtige Sammlungen (Museen und Galerien), eine Bibliographie, die aber fast ausschließlich die
englischsprachige Literatur berücksichtigt und die ältere Literatur vernachlässigt, und einen Index. Das vorliegende Buch besticht vor allem durch sein hervorragendes Abbildungsmaterial, darunter sind auch viele
historische Photos von Trägerinnen und Trägern von Perlenarbeiten.
Labelle, Marie-Louise:
Beads of Life – Eastern and Southern African Beadwork from Canadian Collections,
Gatineau, Quebec 2005
185 Seiten
Dies Buch ist das Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Canadian Museum of Civilization. Die Beschränkung auf Süd- und Ostafrika lässt
natürlich eine sehr intensive Beschäftigung mit der Materie zu, und diese Chance hat die Autorin eindrucksvoll genutzt. Dabei sind ihr ihre Feldforschungen bei den Massai und Samburu in Kenia zugute gekommen.
Herausgekommen ist ein Buch, das mehr ist als ein Katalog der ausgestellten Stücke (Abbildungen z.T. farbig, z.T. schwarz-weiß, dabei eine Reihe von Feldphotos, ordentliche Qualität). Frau Labelle beschreibt in
der vorangestellten Zusammenfassung den Aufbau ihrer Arbeit folgendermaen: „The author begins by examining the materials that were used for clothing and ornaments prior to the arrival of glass beads, and clarifies
their functions in relation to protection and to the identification of status. When imported beads arrived in massive quantities, they continued to fulfill these same functions for a time. The author examines some
of the aesthetic rules based on the use of three essential colours, white, red and blue, and describes how the combination of these three contrasting colours often rested upon socio-religious principles. The book
also describes the principal items of clothing and adornment that were worn to indicate an individual’s status within a society, and concludes with an examination of the contemporary aspects of beadwork and its
continuity with tradition....” Die Arbeit genügt wissenschaftlichen Ansprüchen,
wie der Anmerkungsapparat und das ausführliche Literaturverzeichnis belegen. Wer etwas über die sozio-kulturelle Bedeutung von Schmuck bei „Naturvölkern“ erfahren will, kann diese Arbeit mit Gewinn lesen.
Munan, Heidi:
Beads of Borneo
Kuala Lumpur, Singapur, Paris 2005
144 Seiten
Frau Munans Aufmerksamkeit gilt nicht nur den Glasperlen, sondern den Perlen aus allen in Borneo gebräuchlichen Materialien. Sie schreibt in
der Einleitung: „Beads of Borneo“ surveys the island’s bead culture as it stood at the turn of the 20th/21st centuries. ... The
book is my contribution to keeping bead history and bead lore alive.” (S.7) In Kapitel 1 gibt sie einen kurzen Überblick über Land und Leute, in Kapitel 2 „an overview of the kinds of beads found in Borneo,
how they were manufactured, and where they come from.“ In Borneo selbst gab es keine nennenswerte Perlenproduktion, die Perlen kamen vor allem aus Südasien und China, ab dem 19. Jahrhundert auch aus Europa. Die ausländischen Händler brachten sie zusammen
mit anderen Waren auf die Insel und tauschten sie gegen Landesprodukte. Die Kapitel 3 bis 5 „Beads of Power“, „Beads as Wealth“ und „Beads of Beauty“ befassen sich mit den Funktionen, der kulturellen
Bedeutung der Perlen. Kapitel 3 erläutert die heilenden, schützenden, kultischen, zeremoniellen Funktionen, hier werden auch die bekannten mit Perlen besetzten „baby carriers“ vorgestellt. (S. 49ff.) In diesem
Kapitel wird auch erwähnt, wie die traditionellen Tätowierkünstler bezahlt wurden: „A proficient tattooist, usually female, was well paid for her work – she received up to five beads of the lukut class per
day...” (S.56) Und es wird erläutert, welche Bedeutung Perlen bei
Heiraten und Todesfällen haben. (S. 57ff.) Besonders interessant ist das Kapitel 4 („Beads as Wealth“). Wertvolle alte Perlen dienten als Wertaufbewahrungsmittel, sie wurden gehütet wie Schätze und in besonderen Behältnissen aufbewahrt.
Sie waren natürlich auch Statusanzeiger. Und sie konnten für Zahlungen verwendet werden: „Beads usually formed part of the fines levied for a wide range of offences. ... The Rajah’s government fined
communities for breaches of peace not involving bloodshed, punitive expeditions were sent out to check outbreaks of headhunting for instance. Forfeits or good-behaviour bonds typically consisted of jars, beads,
brassware, buffaloes or pigs, and sometimes padi.” (S.75f.) Frau Munan
berichtet auch von Tauschtransaktionen ( S. 76f.) Noch 1990 habe ein Mann einen gebrauchten Außenbordmotor „for one lukut sekala rosette bead“ gekauft, aber „this kind of deal is no longer common. (S.76) In
Zentralborneo waren die lukut sekala die Knige der Perlen. „In the old days of inter-tribal warfare...a lukut sekala could be used to ransom a high-ranking captive. A longhouse surrounded by an overwhelmingly
stronger enemy force might manage to buy the attackers off with a payment of valuable beads. The lukut sekala had to be presented as part of a child adoption ceremony or in the manumission of a slave. Today,it is
still required as part of the engagement gifts for an aristocratic bride.
This bead’s value lies in its rarity.” (S.79) Die Kapitel 5 und 6 befassen sich mit der Schmuckfunktion der Perlenarbeiten, die als Schmuckstücke oder zur Verzierung von Kleidungsstücken und Gebrauchsgegenständen verwendet wurden und noch
verwendet werden. Auch in der Gegenwart gibt es einen blühenden Perlenhandel, und Perlenarbeiten werden weiterhin hergestellt, z. T. auch für den Verkauf an Touristen. Sehr nützlich sind das Schlusskapitel 7 („Bead Names“), in dem die wichtigsten Perlensorten
vorgestellt werden, sowie das Literaturverzeichnis und der Index. Das Buch ist illustriert mit Hunderten von Abbildungen (Objektphotos und Feldphotos) von hervorragender Qualität.
Oei, Loan:
Pracht en Kraal van Madonna tot de Masai
Amsterdam 2006
120 Seiten
Dies Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Tropenmuseum Amsterdam befasst sich mit Perlenarbeiten aus der ganzen Welt; Schwerpunkt ist mit Perlen besetzte Kleidung. So bildet die Autorin
nicht nur die englischen Königinnen Elisabeth I. und Victoria sowie Prinzessin Diana ab, sondern auch Filmstars wie Grace Kelly, Greta Garbo und Marlene Dietrich. Sie zeigt, dass Perlenarbeiten von der Wiege bis
zum Grabe verwendet wurden und Menschen von Kopf bis Fuß schmückten. Ihr Perlenbegriff ist weit gefasst, sie hat nicht nur Glasperlen berücksichtigt, sondern auch Molluskenschalen, Zähne, Steinperlen, sogar Knöpfe. Natürlich werden auch Perlenarbeiten überseeischer Völker vorgestellt. Es finden sich
Abbildungen von Musterkarten und Photos z. B. von Perlenschnüren aus Irian Jaya, von der Perlenkiste, die Stanley bei seiner Expedition zur Auffindung Livingstones bei sich hatte, und von einem Wampumgürtel. Das
Abbildungsmaterial ist von hervorragender Qualität, das Literaturverzeichnis überraschend umfangreich.
Van Brakel, Koos:
The Bead goes on – The Sample Card Collection with Trade Beads from the Company J.F. Sick & Co. in the Tropenmuseum, Amsterdam
Amsterdam 2006
80 Seiten, mit DVD
Hunderte Sorten von Perlen, vor allem Glasperlen, sind von europäischen Produktionsorten und Handelsfirmen nach Übersee exportiert worden. Da ist die Arbeit von van Brakel ausgesprochen nützlich, wenn man sich einen Überblick verschaffen will. K. van Brakel hat in diesem
Büchlein und der mitgelieferten DVD alle im Tropenmuseum vorhandenen Musterkarten der Firma Sick publiziert. Die Farbqualität der Abbildungen ist sehr gut. Der Autor weist auch auf andere Museen und Sammlungen hin, in denen Musterkarten aufbewahrt werden. (Einiges von diesem Material kann
übrigens auch im Internet besichtigt werden.) – Nützlich ist auch das kleine Literaturverzeichnis (S.32) Die vorgestellten Bücher zeigen das konstante weltweite Interesse für Perlen!
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