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Vula – Muschelgeld der Kove
und Kaliai in Neubritannien, Papua Neuguinea
Vula – shell money used by the Kove and Kaliai people of New Britain, Papua New Guinea
Vula – la Monnaie coquillage des Kove et Kaliai en Nouvelle Bretagne,
Papuasie-Nouvelle- Guinée.
Bernhard Rabus
Zunächst schien mir alles recht einfach zu sein. Als vula kannte ich vor allem die bekannte Sorte in helleren und dunkleren Brauntönen
(Abb. 2 auf Tafel V). Nach Durchsicht des umfangreichen Literaturpakets, das mir dankenswerterweise Herr Prof. Dr. Denk zur Verfügung stellte, gewann mein Projekt vula jedoch zusehends an Komplexität. Schnell wurde klar, dass vula in
der Kove Sprache nur der Sammelbegriff für Muschelgeld ist und dass es offensichtlich mehrere Arten davon gibt. Was die Herkunft angeht las ich davon, dass die Kove die Produzenten seien, an anderer Stelle stand
jedoch, dass diese – jedenfalls früher – kein Muschelgeld hergestellt sondern es von ihren östlichen Nachbarn bezogen hätten. Für die Verwendung von vula an der Nordküste von West Neubritannien,
insbesondere bei den Kove (auch Kombe; mit Kimbe aber haben die Kove nichts zu tun) und den Kaliai (auch Lusi), gibt es zahlreiche Nachweise. Darüber hinaus wird die Verwendung von Muschelgeld, das vermutlich
nichts andere als vula ist, auch bei anderen Stämmen West Neubritanniens beschrieben. Was ich über Arten, Herkunft, Verwendung und Verbreitung herausgefunden habe, ist in dem folgenden Beitrag
zusammengefasst.
Verwandte Kultur und Sprache
Kove und Kaliai sind Nachbarn an der Nordküste von West Neubritannien (Abb. 1). Sie gehören zu einem größeren Gebiet mit gemeinsamer Kultur.
Nach Dark (1970:787) umfasst es folgende Regionen: die Küsten der Huon Halbinsel auf Neuguinea – einschließlich Astrolabe Bucht und nach Norden zu bis Madang -, die Inseln Umboi, Sakar, Tolokiwa, Arop und die
Siassi Inseln, die Nordküste des westlichen Neubritannien bis zur Willaumez Halbinsel, die Vitu Inseln sowie im äußersten Westen Neubritanniens die anschließende Südküste bis zum Itni Fluss. Kove wie auch
Bariai und Kaliai zählen zu einer Sprachfamilie. Die Sprachen der Kove und der Bariai stimmen beispielsweise zu etwa 72 % überein (Gallagher, 2000). Für die Bariai Sprache gibt es ein Lexikon (Gallagher, 2008),
das die Interpretation mancher später gebrauchter Namen ermöglich.
Der verwandten Kultur entsprechend verbanden ausgedehnte Handelsnetze alle Regionen West Neubritanniens unter einander
und reichten bis nach Neuguinea hinüber (Harding 1967; Chowning 1978, McPherson 2007). Sie sind bereits in vorkolonialer Zeit
nachweisbar. Kombe, Kaliai und Bariai trafen sich bei den Kilenge mit Siassi Leuten um Waren zu tauschen. Die Lolo stellten die
Verbindung nach Süden zu den Arawe und Kaulong her. Die Siassi Inseln fungierten als Drehscheibe zwischen Neubritannien und Neuguinea.
Muschelgeld bildete eine wichtige Komponente dieses Handels.
1. Arten und Herkunft von vula
Vula (Kove, Kaliai) bzw. bula (Bariai) ist das jeweilige Wort für Muschelgeld. Allgemein wird bei den Kove und Kaliai zwischen
zwei Kategorien vula unterschieden:
a)vula asoNa (Kaliai) bzw. vula kasoka (Kove). Das ist die gewöhnliche Sorte. Sie wird auch als „black vula“ bezeichnet.
b)vula misi (Kaliai und Kove). Das ist die wertvollere Kategorie, auch „gold vula“ genannt. Sie hat etwa den fünffachen Wert von vula asoNa.
(Counts 1970:97; Chowning 1978:300).
Wichtig zu wissen ist auch, dass in Pidgin alles Muschelgeld (nicht nur diwarra) in Neubritannien als tambu bezeichnet wird
(Chowning 1972:3). Beide vula Kategorien werden üblicherweise nach Faden (ca. 1,80 m), in Pidgin pram, gemessen und bewertet. Der Wert einer Zahlung wird immer in Faden vula asoNa angegeben, auch wenn dann evtl. Teile mit vula misi oder
anderen Wertgegenständen abgegolten werden.

Abb. 2: vula kasoka der Kove. Durchmesser der Scheibchen 5-6mm
Abb. 3: vula Herstellung bei den Kove (aus Lautz, 1992:39)
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Die Kaliai waren in den 1960er Jahren nach Counts &Counts (1970) der Meinung, dass das vula, das sie von den Kove
erhielten, immer schon dort hergestellt worden sei. Chowning (1978) hält dagegen, die Kove hätten erst einige Zeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs begonnen, ihr eigenes vulaaus heimischen Muschelschalen herzustellen. Davor hätten sie es wohl
ihrerseits von östlichen Nachbarn bekommen, die es wiederum im Handel von den Tolai erhalten hätten. Damit schlägt sie den Bogen zum peleder Duke of York Inseln. Eine Bestätigung dafür liefert der Bericht eines Patrol Officers Conolly von 1945 in dem
dieser schreibt, dass die Kove einiges an Muschelgeld herstellen. Sie hätten das zuvor von den Leuten von Rabaul (im
Nordosten; Tolai Gebiet) im Tausch gegen Nassaschnecken erlangt, welche die Bewohner von Rabaul als Geld benutzten.
Dieser Handel sei jedoch praktisch zum Erliegen gekommen (im Zuge der Kriegsereignisse). 1948/49 berichtet Patrol Officer
Bottrill in gleicher Sache, dass auch die Bola (siehe Karte Abb. 1) von Rabaul Leuten im Tausch gegen Nassaschnecken ein Muschelgeld erhielten, das diese von Neuirland bekämen und das lokal reagenannt würde. „There are four different colours of this
shell all differing in price according to their rarity. Red and green are the two most valued, the price being one pound for a fathom. Black reais valued at 10/- per fathom and white 7/- per fathom. Each variety has its own special uses – such as the black is used
for the main bride price payment and red is used to close the original marriage deal, and so on”. Letzteres deckt sich mit den
Informationen von Richard Aldrich unter Ziff. 2. Von grünem Muschelgeld habe ich allerdings nirgendwo anders gelesen. Diese beiden Berichte sind in McPherson (2007) nachzulesen.
Vula kasoka oderasoNa.
Diesesvulabesteht meist aus bräunlichen Muschelplättchen in helleren und dunkleren Schattierungen bis hin zu fast Schwarz
(Abb. 2, Tafel V). Es wird aus Austernschalen hergestellt. Das Foto von Thomas Lautz (1992:13), das die Herstellung von vulazeigt, ist in Abb. 3, Tafel V) wiedergegeben. Bei den verwendeten Muschelschalen handelt es sich jedoch nicht um Pinctada
margeritifera („black lip“) sondern um eine gezähnte Auster, vermutlich Isognomon ephippium, die dort häufig ist. Bei den Kove werden sie als lemulemu (auch lemo lemo) bezeichnet (Chowning 1978:303; Aldrich 2003). Die Schalen werden 8 – 10 cm
groß. Das entspricht in etwa der Abbildung bei Lautz. Auf dem Foto kann man die kleinen Zähne des Schlosses deutlich sehen.
Pinctada hat dagegen an deren Stelle so etwas wie ein Gelenk, das die Schalenhälften verbindet und sie ist außerdem doppelt
so groß. Interessant ist, dass die Kove offensichtlich erst einige Zeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs begonnen haben, dieses
Muschelgeld aus einer lokal vorkommenden Muschel selbst anzufertigen. Chowning (1978:303) stellte fest, dass in dem Kove
Dorf, in dem sie 1966 lebte, damals noch kein Muschelgeld fabriziert wurde. 1968 sei das in beschränktem Umfang geschehen,
1973 sei die Produktion jedoch in vollem Gang gewesen. Die hohe Verfügbarkeit des Rohmaterials und die Eigenproduktion haben jedenfalls zu einer enormen Aufblähung des vula Umlaufs geführt. Die Mengen an vula, die bei Heirat, Kindergeburten,
Begräbnisfeiern und ähnlichen zeremoniellen Anlässen verlangt und gegeben werden, sind monströs angewachsen. Sprach
Friederici (1912:88) noch von 5 Faden Muschelgeld als Brautpreis bei den Bariai/ Kilenge, so berichtet Counts 1971 von einem Brautpreis bei den Kaliai von 465 Faden vula (1979:339). 250 – 400 Faden waren dort in den 1970er Jahren durchaus üblich
(Counts 1980). Das früher verwendete vulawar offenbar von anderer Art, von anderswo hergekommen und damit seltener und kostbarer gewesen.
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Abb. 4: Verschiedene Sorten vula. Siehe dazu Tabelle 1
Abb. 5: Muschelgeld aus Neuirland - Ausschnitt von Tafel XII aus Lewis 1929. Durchmesser von Nr. 7 = 4mm
Der Kaliai Begriff vula asoNa weist möglicherweise auf die zeremonielle Bedeutung dieser vulaArt hin. Ein Kaliai Wörterbuch
stand leider nicht zur Verfügung, aber das Bariai Lexikon übersetzt den Begriff asomit einem Mitbewohner des Dorfes, der beim
Tod eines Mannes den Hinterbliebenen hilft und die Verantwortung für die Durchführung des Totenfestes übernimmt.
Vula misi
Das Ehepaar Counts, das in den 1960er Jahren lange bei den Kaliai lebte, hat sozusagen eine Monographie über das vulavon
Kaliai verfasst (Counts & Counts, 1970). Darin steht zu lesen: „Vula misi is slightly smaller than is vula asoNa, is lighter coloured
(usually white or pink), and is worth five times as much”(p. 97). Leider enthält der Beitrag keine Bilder von vula, aber doch einen
Hinweis auf Abbildungen bei Lewis (1929): „Certainly the drilled discs from New Ireland (particularly Plate XII, figs. 4-10) look the same as vulacirculating in Kaliai today“. Diese Aussage bezieht sich auf vula misi. Einen Ausschnitt aus dieser Tafel XII aus
dem Werk von Lewis enthält Abb. 5 auf Tafel VI. Die Kove machen nach Chowning (1978:300) bei vula misi keine farblichen
Unterschiede. Es kann rot, violett oder weiß sein, aber es ist in jedem Fall kleiner und feiner gearbeitet als vula kasoka.
Mit dem Hinweis auf Muschelgeld aus Neuirland verbinden die Counts die Feststellung, dass vula misi wohl immer schon über
den Handel zu den Kaliai gekommen sei (Counts 1970:97). Das deckt sich mit der Theorie von Chowning (1978:300-303), nach der das meistevulader Kove früher wohl nichts anderes als das im südlichen Neuirland und auf den Duke of York Inseln
hergestellte pelegewesen sei. Bekannt ist, dass die Tolai im Nordosten Neubritanniens diese Muschelplättchenstränge (die auf
den Duke of York Inseln keinen Geldwert besaßen) an der Nakanai Küste gegen Nassaschnecken getauscht haben, um aus diesen ihr diwarra Geld zu fertigen. Nach Chowning besteht kein Zweifel daran, dass pelemit dem bubuder Lakalai an der
Nakanai Küste identisch ist, das über den Handel immer weiter nach Westen gelangte. Dabei reichte die Kette wohl über die
Kove und Kaliai hinaus bis zu den Kilenge und nach Neuguinea. Siehe dazu auch Finsch 1914:33-34. Nirgendwo aber erreichte die Verwendung von Muschelgeld eine solche Blüte wie bei den Kove und den Kaliai.
2. Einige vula Sorten der Kove
Kürzlich hatte ich Gelegenheit, einige kurze Musterstränge von vulazu erwerben, die bei den Kove 2003 noch im Gebrauch
waren. Sie sind in Abb. 4, Tafel VI mit den Buchstaben A – H gekennzeichnet. In Tabelle 1 habe ich die vom ortskundigen
Informanten (Richard Aldrich 2003) gelieferten Informationen sowie meine eigenen Erkenntnisse und Beobachtungen zu den
einzelnen Arten zusammengefasst. Nach genauer Prüfung handelt es sich in allen Fällen um durchbohrte Muschelplättchen. Nicht
alle Muschelarten, aus denen sie hergestellt sind, konnte ich identifizieren. Durch die Färbung ist das bei B und H möglich. Bei B
dürfte es sich um Chama pacifica handeln, deren Schale außen rot und innen weiß ist, so dass die Plättchen oft beide Farben tragen. Demnach könnte es tapsoka ähneln, zu dem Ribbe bei Schneidr (1905:55) anmerkt, dass es wegen seiner Schönheit
verstärkt von den Tolai zum Handel nach Nakanai gebracht worden sei (auch Quiggin 1963/78: 155). Die Plättchen von H sind
leicht gewellt und oft außen weiß und innen lavendelfarben. Das spricht eindeutig für Cypraea moneta oder annulus und damit für pele a pirr. Was die übrigen angeht, muss ich es mit Ribbe halten, der bei Schneider (1905:54) anmerkte, dass von den pele-Anfertigern in Neu- Lauenburg (= Duke of York Inseln) alle mit geringer Mühe erhältlichen Seemuscheln (resp. Schnecken)
verarbeitet wurden. Abb. 8 auf Tafel VII zeigt einen zeitgenössischen Strang vula gold von den Kove. Er misst 1,75 Meter. Die
Plättchen haben einen Durchmesser von 4 mm und sind auf eine gedrehte Kunststoffschnur aufgezogen.
3. Geldfunktion bei den Kove und Kaliai
Von der außerordentlichen Aufblähung desvulaKreislaufs bei den Kaliai war vorhin schon die Rede. Der Brautpreis, der von der
Familie des Bräutigams an die der Braut zu zahlen war, musste sowohlvula asoNa als auch vula misi enthalten (Counts & Counts 1970:98). Richard Aldrich (2003) beziffert bei den Kove den vula Anteil am zweiten Teil des Braupreises heute auf 1000
Strängevula lemo lemo oder mehr. Der erste Teil wird nicht öffentlich gezahlt und besteht aus selteneren Sorten (vula misi; siehe
Abb. 4, Tafel VII und erklärende Tabelle 1). Dazu sind verschiedene Arten notwendig.
Abb. 6: Muschelgeldstrang mit verschiedenen pele Sorten - 86cm lang. Auf Neubritannien gesammelt von Dr. Carl Laufer,
Missionar und Ethnologe, 1929 - 1955 im Bismarckarchipel tätig. Plättchendurchmesser 3,5 - 4mm.
Abb. 7: mokmok niklak aus dem Südwesten Neubritanniens mit vula Kette. Plättchendurchmesser 5mm
Abb. 8: Zeitgenössisches vula misi (vula gold) der Kove. Länge 1,75 Meter. Plättchendurchmesser 4 mm.Auf gedrehte Kunststoffschnur aufgezogen.
Nach Aussage des Informanten gilt es als Affront wenn weniger als 5 verschiedene Sorten angeboten werden. Der dritte Teil
besteht nach seinen Angaben aus monatlichen Zahlungen von 10 Faden vula lemo lemo an die Familie der Frau solange die Heirat währt. Also Inflation pur! Der Gebrauch von vulabei den Kove und Kaliai nimmt insofern eine Sonderstellung ein als er
sowohl zeremonieller als auch kommerzieller Art ist (Chowning 1978; Counts & Counts 1970). Vulawurde und wird als
Zahlungsmittel im zeremoniellen Tausch aus Anlass von Heirat, Kindergeburt, Initiation oder Tod eingesetzt, es dient aber auch
zur Zahlung von Waren und Dienstleistungen. Auch die Verletzung personaler Rechte oder die Überlassung von Land für Kokospalmenanbau wurde mit vula abgegolten. Vula fungierte auch als Wertmesser. Der Wert nahezu aller Gegenstände konnte
in Fadenlängen (pram)vula asoNa ausgedrückt werden. Counts & Counts (1970:101) nennen beispielsweise für die 1960er Jahre bei den Kaliai folgende Preise:
40 Fuß langes seetüchtiges Kanu = 20 pram
30 Fuß langes Kanu = 10 pram
Siassi Holzschale = 1 – 5 pramje nach Größe
Schild = ½ - 1 pramje nach Größe
Handtrommel = 5 – 8 pramje nach Größe
Eberhauerschmuck = 6 – 12 pramje nach Krümmung und Qualität
Schwein = 5 – 10 pramje nach Größe und Geschlecht
Hund = 2 – 5 pramje nach Größe und Geschlecht
Neben dem pramwaren in den 1960er Jahren bei den Kaliai auch kleinere Einheiten üblich. Counts & Counts (1970:100 geben
dazu folgende Bezeichnungen, Längen und Werte an:
pram vula etwa 6 Fuß (1,83 m) $A 1,00
korui vula etwa 7 inches (18 cm) $A 0,10
mase vula etwa 15 inches (38 cm) $A 0,20
pupuye vula etwa 2 Fuß (61 cm) $A 0,30
igiligita vula etwa 30 inches (76 cm) $A 0,40
vataNa vula etwa 3 Fuß (91 cm) $A 0,50
Der Wert von vulawar auch bei den Kove lange an die fremde Währung geknüpft. Er betrug wohl bis 1975 jeweils 10 Shilling oder $A1 pro Faden (pram)vula kasoka. Auch lokale trade stores (sogar die von Chinesen betriebenen wie Chowning anmerkt)
nahmen vulaanstelle von Bargeld an (Chowning 1978:303).
Das Ehepaar Counts sowie Ann Chowning, die jeweils Jahre lang bei den Kaliai bzw. den Kove gelebt und geforscht haben, sind
übereinstimmend der Meinung, dass dort die Einführung modernen Geldes ohne die sonst zu beobachtenden negativen Folgen für die Gesellschaft stattfinden konnte, weil beide schon vorher in vulaüber eine Geldform verfügten, die zeremonielle und
gleichzeitig kommerziell genutzt werden konnte. Beides konnte danach parallel zu einander funktionieren.
4. Verwendung von vula in anderen Gebieten
Über die Kilenge sagt Dark (1974:24) übersetzt folgendes: Vulagehört zum Brautpreis – Minimum 5 Faden. Die Kilenge erhalten
es von den Kaliai, die es wiederum von den Kove bekommen. Von Sag-Sag geht es hinüber zu den Siassi, die wiederum bei
den Kilenge damit Tabak kaufen. Die Kilenge benutzen es ihrerseits wieder um bei den Kove Schweine und Schildpattarmreife
dafür einzutauschen. So gelangt das Muschelgeld durch viele Hände und über nahezu 200 Seemeilen wieder zurück zu denen,
von denen es ursprünglich in Umlauf gesetzt wurde. An anderer Stelle bildet Dark (1970:791) Muschelgeld der Kilenge ab. Leider
ist es nur eine schwarz-weiße Aufnahme, doch kann man jedenfalls sehen, dass es sich um kleine helle Muschelscheibchen
handelt. Die Legende zum Bild heißt übersetzt: „Kleine Muscheln werden in der ganzen Region als Währung (currency) benutzt.
Sie sind in Längen von einem Faden aufgezogen, jeder im Wert von etwa 10s., die als Halsketten getragen werden“. In einer
anderen Arbeit (1974:58) ist das Foto von Donga aus Ulumaiinge zu sehen, die mehrere solche Halsketten trägt (siehe Abb. 9,
Tafel VIII). In der Legende zu diesem Bild schreibt Dark, dass es sich um dunkelbraunes und um weißes Muschelgeld handelt.
Das Foto dürfte 1964 aufgenommen worden sein. Es ist offensichtlich nicht das Mengenprodukt der Kove vula kasoka, sondern eher vula misi! Zum Vergleich ist in Abb. 6, Tafel VII ein 86 cm langer Strang mit feinen Muschelplättchen verschiedener Farben
(darunter auch dunkelbraun und weiß) abgebildet, der von dem Missionar und Ethnologen Dt. Carl Laufer (1929 – 1955 im Bismarckarchipel tätig) in Neubritannien gesammelt wurde.
5. Vula das nicht so heißt
So lautete eine Überschrift in einem Aufsatz von Thomas Lautz (2000). Darin berichtete er von Muschelgeld an der Südwestküste
von Neubritannien, das er als vula einstufte, das jedoch vor Ort andere Namen hatte wie z. B. edel, pato oder tili.Im Bariai Wörterbuch fand ich das Wort pato erklärt mit „a black coloured variety of the shell money“. Maschio (1994:130-131) schreibt von
„schwärzlichem oder dunkelbraunem“ Muschelgeld, das bei den Rauto tili asap genannt worden sei, und von rotem Muschelgeld mit der Bezeichnung tili lua. Lautz (2000) hatte an der Südwestküste auch das vula der Kove gesehen, teilweise in großen
Mengen wie er schrieb. Nach seinen Worten wurde vula „unumstritten auch an der Südwestküste – zusammen mit den anderen Geldformenmokmokodereklung– als Brautpreis und Zahlungsmittel eingesetzt“. Dazu passt der mokmok niklak (Abb. 7, Tafel
VII), den ich mit der kurzenvulaKette zusammen vor Zeiten erworben habe. Nach Vogel (1911:224) wurde auf den Lieblichen Inseln (Arawe) „
der Preis für eine Frau gewöhnlich erstattet, während sie bei den Schwiegereltern wohnt; er beträgt 2 Faden Etell- Muschelgeld (könnte nach Lautz vula sein) und ein Schwein. Für eine Häuptlingstochter werden 3 Faden und auch sonst
entsprechend mehr gezahlt“. Von Aviklo (vor Möwehafen, Südwest Neubritannien) wissen wir durch Todd (1934/35:93), dass „diese mukmok Steine und die gold-lip shells die hauptsächlichen Wertgegenstände sind. Gebogene Eberhauer, Hundezähne in
Ketten und Körben, Gürtel aus Muscheln und Kasuarfederkielen, auf Stränge gefädelte schwarze Muschelscheiben – so
genanntes „black tambu“ sowie Schillingmünzen, sind ebenso currency valuables“. An anderer Stelle schreibt er, dass das „black
tambu“ anscheinend an der Nordküste Neubritanniens hergestellt und quer durch die Insel nach Süden verhandelt wurde (Todd 1934/35:199). Das deutet 1934/35:199). Das deutet wiederum auf die Kove als Lieferanten hin.
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Abb. 9: Das Bild zeigt Donga aus Ulumajinge bei den Kilenge (aus Dark 1974). Um den Hals trägt sie Ketten von Muschelgeld
aus dunkelbraunen und weißen Plättchen.
Abb. 10: Auf dem Höhepunkt der Initiationsriten für seine Kinder verteilt ein big man der Kove großr Summen an Muschelgeld an
die Verwandten seiner Frau, um sein Ansehen zu erhöhen. Der Mann rechts hält die Menge in seinem Notitzbuch fest (aus Chowning 1973/77:68).
Die kulturellen wie kommerziellen Verbindungen Neubritanniens über die Siassi Inseln nach Neuguinea hinüber wurden eingangs schon erwähnt. Vula ist offensichtlich der Sprung übers Meer zu den Siassi Inseln und an die Küste Neuguineas gelungen.
Harding (1967:53) berichtet, dass „strings of yellowish disc-shell beads“, bei den Siassinamatawuk und bei den Sio patawuku genannt, bei den Sio zum Brautpreis gehörten. Ähnlich auch Groves (1934:57). Sie galten als Produkt der Kove. Für den Export
nach Guinea erwarben die Siassi dieses Muschelgeld von den Kilenge.
„Siassi beads“ zählten schließlich zu den im Brautpreis gegebenen Wertgegenständen der Ngaing an der Rai Küste von
Neuguinea zwischen den Flüssen Nankina und Mot an den Anhängen des Finisterrre Gebirges. (Groves 1934: 202). Ob es sich auch dabei noch um vulahandelt? Die gleiche Frage tut sich im Zusammenhang mit dem Muschelgeld yimatauf, das bei den
Yupno in derselben Gegend zur Zahlung des Brautpreises im Gebrauch war (Keck 1992:60-64; 133). Im Museum der Kulturen in Basel gibt es eine Yupno Sammlung, die auch yimat Muschelgeld enthält. Herr Prof. Denk besitzt Fotos davon (Abb. 11, Tafel
IX). Bei dem linken Strang von Abb. 11 handelt es sich zweifellos um die gleichen Scheibchen wie die von vula kuru (Abb. 4 H, Tafel VI) oder eben pelevom Typ a pirr, das seinen Ursprung auf den Duke of York Inseln zwischen Neubritannien und Neuirland
hat. Die Ähnlichkeit des dunklen Strangs in der rechten Bildhälfte mitvula kasoka der Kove ist unübersehbar. Wie mir Frau Dr. Keck mitteilte, misst ein ganzer yimatetwa 3 Meter.

Abb. 11: yimat Muschelgeld aus dem Yupno Tal (Museum der Kulturen, Basel). Der linke Strang (Vb29797, Slg. Keck vor 1988)
ist offensichtlich identisch mit vula kuru und pele a pirr. Der dunkle Strang rechts (Vb30061, Slg. Kocher Schmid vor 1988 ) zeigt Ähnlichkeit mit vula kasoka der Kove.
Zusammenfassung:
Vulaist ein Kove Wort und bezeichnet Muschelgeld schlechthin. Grundsätzlich wird zwischen dem allgemeinen vula kasoka(Kove) bzw. vula asoNa (Kaliai) und dem selteneren und kostbareren vula misi unterschieden. Das erst genannte ist
meist von bräunlicher Farbe in hellen und dunklen Schattierungen und wird auch „black tambu“ genannt. Es wird von den Kove selbst hergestellt. Vula misi ist feiner und wertvoller und kam zumindest früher über den Handel mit den östlichen Nachbarn. Sein
Ursprung lag mit Sicherheit in Neuirland und auf den Duke of York Inseln.Vulaist eine Geldform, die an der Nordküste von West
Neubritannien gängig war. Bei den Kove und den Kaliai diente es nicht nur zeremoniellen Tauschzwecken sondern fungierte auch als kommerzielles Zahlungsmittel und als Wertmesser.
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