Kontakt

Impressum

Europäische Vereinigung zum Erforschen, Sammeln und Bewahren von ursprünglichen und außergewöhnlichen Geldformen

European Union to Search for, Collect and Preserve Primitive and Curios Money

Startseite Ăśber uns Aktuelles Aktueller Artikel Unsere Zeitschrift Links

aus „Der Primitivgeldsammler 26, 2 (2005)“

 

 Buchbesprechungen

 

Fritz Klusmeier

 

Anne Leurquin:

 A World of Belts – Africa, Asia, Oceania, America from the Ghysels Collection. Mailand 2004, 318 Seiten

 

“This book on belts and cache-sex is the latest addition to the series of works on the remarkable Ghysels collection of rings, earrings, bracelets and necklaces. To the best of our knowledge, this is the first specific publication on this subject.” (S.8)

 

Es ist schade, dass dieses Buch das letzte ist, das die exorbitante Sammlung ethnischen Schmucks der Familie Ghysels dokumentiert; denn diese Sammlung ist vermutlich viel umfangreicher, als es die bisherigen Veröffentlichungen gezeigt haben.

 

Entscheidendes Kriterium für die Auswahl der publizierten Stücke (und man darf vermuten, der gesamten Sammlertätigkeit selbst) waren die handwerkliche und vor allem die ästhetische Qualität der Objekte, was natürlich die Schaulust der Betrachter in höchstem Maße befriedigt.

 

Jedoch darf darauf hingewiesen werden, dass für den Ethnologen das vielleicht ästhetisch weniger anspruchsvolle Stück, sofern es authentisch ist, den gleichen Erkenntniswert besitzt wie das Spitzenstück (mit „Museumsqualität“). Insofern hätten auch die weniger guten Exemplare ein Recht, beachtet (und publiziert) zu werden (was viele Sammler freuen würde, die Bücher wie diese nicht nur als opulente Bilderbücher, sondern als Erkenntnisquelle benutzen möchten).

 

Und an der Vermittlung von Erkenntnissen über diese Objekte hapert es auch in diesem Band wieder (zumindest was die Erläuterungen angeht, die über die reinen visuellen Informationen der wieder hervorragenden Abbildungen hinausgeht.

 

Die Bearbeiterin ergeht sich oft in allgemeinen Äußerungen, statt präzise Detailinformationen zu liefern (z.B. werden die Objekte aus Neuguinea oft nicht den entsprechenden Ethnien zugeordnet). Allerdings muss man zu ihrer Ehrenrettung sagen, dass ihr für ausführliche Erläuterungen zu wenig Raum gewährt wurde (für die „captions“ standen nur 21 Seiten, die noch nicht einmal voll genutzt wurden, zur Verfügung) und wohl auch zu wenig Zeit, um die ethnologische Fachliteratur angemessen zu Rate zu ziehen, wie es eigentlich angebracht gewesen wäre.

 

Möglicherweise ging es dem Verlag (oder wer immer für die Konzeption verantwortlich ist) darum, die fünf Bände in möglichst rascher Folge erscheinen zu lassen (die ersten beiden Bände liegen schon auf den Tischen der modernen Antiquariate). Das Konzept war augenscheinlich, exquisite Bilderbücher über ethnischen Schmuck zu machen (ob wohl die Eigner dieser großartigen Sammlung mit dieser Präsentation zufrieden sind?).

 

Der vorliegende Band zeigt vor allem Gürtel und Schamschurze, aber auch allerlei Gürtelapplikationen und –anhänger aus vier Erdteilen; diese sind allerdings auch in diesem Band unterschiedlich stark repräsentiert: Afrika (S.11-104), Asien (S.105-239), Ozeanien (S.240-257), Amerika (S.258-277).

 

Dieser Band ist genauso aufgebaut wie die vier Vorgängerbände (vgl. meine Besprechungen (PGS, Hefte 66, 69/70 und 71), sehr knappe einführende Texte, Bildteil, Erläuterungen und ein Appendix: Erdteilkarten, Glossar, Index und Bibliographie (S.306-318).

 

Wahrscheinlich ist dieses Buch wirklich das einzige bisher zu diesem Thema erschienene; insofern möchte der interessierte Sammler es natürlich trotz aller Einwände nicht missen.

  

Rainer Wiegels:

 

Silberbarren der römischen Kaiserzeit – Katalog und Versuch einer Deutung.

Rahden 2003, 182 Seiten,

31 Tafeln, Verbreitungskarte

(Freiburger Beiträge zur Archäologie und Geschichte des ersten Jahrtausends Band 7)

 

Ausgehend von dem Neufund eines gestempelten spätrömischen „Silberbarrens in Form einer Doppelaxt“ (S.9) bei Biesheim-Oedenburg im Elsaß (Grabungskampagne 1990/91) hat sich der Autor vorgenommen, diesen Fund ausführlich zu untersuchen und ihn in den Zusammenhang der anderen bekannten einschlägigen Stücke zu stellen. Beschreibung dieses Barrens: „Der Barren von 12 cm Länge und etwa 7 cm Breite in der Mitte sowie ca. 0,5 cm Stärke ist heute im neu errichteten Musée Gallo-Romain in Biesheim ausgestellt.

 

Er besteht mit etwa 98% aus nahezu reinem Silber. Eingeschweißt ist ein Tarierpfropfen mit lediglich 92% Silbergehalt. Der gesamte Barren wiegt 315 g und weist zwei unschwer zu lesende, entgegengerichtete Stempel … mit erhabenen Buchstaben auf.“

 

Wiegels befasst sich bei seiner vergleichenden Analyse mit der Form römischer Silberbarren (es gibt auch rechteckige Barren und Stabbarren), mit dem Problem der Gewichtsnormierung (das Gewicht des Biesheimer Stückes beträgt knapp ein römisches Pfund), mit den Stempeln und Punzen auf den Barren (auch die vor allem in Rumänien gefundenen gestempelten Goldbarren werden in die Untersuchung einbezogen, S.37-43), mit dem Problem von Ort und Zeit der Herstellung und der Rolle des Staates bei Herstellung und Kontrolle der Silberbarren.

 

Für die Beantwortung der Frage, ob diese Edelmetallbarren eine außermünzliche Geldform waren, ist der Abschnitt „Zur Funktion der Silberbarren in der römischen Kaiserzeit“ (S.56-60) besonders wichtig: „Erhebliche Mengen an Gold und Silber wurden vom Staat benötigt zur Bezahlung von Soldaten, Offiziellen und Freunden“ (S.57). Diese Zahlungen und Zuwendungen konnten aus Münzen, Medaillons oder silbernem Tafelgeschirr bestehen oder eben aus Edelmetallbarren.

 

Seit dem 4. Jh. n. Chr. spielten Barrengeld und Hacksilber neben dem Münzgeld eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der späten Kaiserzeit. So kommt Wiegels zu der eindeutigen Aussage: „Für die normierten Silberbarren steht außer Frage, dass sie Geldfunktion besaßen. Im Gegensatz zu den beliebig gestalteten und auch an keinem Gewichtssystem orientierten Barren oder auch dem Hacksilber, deren Wert sich allein im privaten Geschäftsverkehr etwa durch Tausch erweist, dienten die - zumeist - doppelaxtförmigen, am römischen Pfundgewicht von 1 libra orientierten und in der Regel auch abgestempelten bzw. beschrifteten Silberbarren als Zahlungs- und Umlaufmittel, für deren Gewicht und Feingehalt der Staat bürgte, sei es dass der Staat dieselben in eigener Verantwortung produzierte und in Umlauf brachte, sei es dass er entsprechende Kontrollen ausübte, um einen möglichst gleich bleibenden Wert derartiger Barren zu garantieren; die mit der Herstellung beauftragten Officinen hatten durch die Kennzeichnung der Barren für deren korrektes Gewicht und den Reinheitsgehalt an Silber geradezustehen. Die Barren nähern sich also in gewisser Hinsicht dem Münzgeld an.“ (S. 59)

 

Zerteilte Barren (auch die sind gefunden worden) und anderes Hacksilber besaßen zwar keine staatliche Garantie mehr, konnten jedoch selbstverständlich als Gewichtsgeld dienen.

 

Die vorliegende Untersuchung besticht durch Faktenfülle, klare Gliederung, überzeugende Argumentation und einen außerordentlich ausführlichen wissenschaftlichen Apparat (über 400 Anmerkungen in Teil I, ein Literaturverzeichnis von 43 Seiten, Abbildungsnachweis, Ortsindex, Index der herangezogenen Quellen). Im Tafelteil sind alle einschlägigen Objekte abgebildet, die Qualität der (Schwarzweiß-) Abbildungen hätte jedoch besser sein können. Diese Arbeit ist ein Standardwerk!

  

Osmanou Ngam:

Armes – Monnaies d’Afrique Noire.

Douala ( ?) 1999, 30 Seiten

Diese Publikation ist ein Ärgernis !

 

Grundsätzlich ist es ja zu begrüßen, wenn Einheimische aus Afrika oder Ozeanien sich zu ihren traditionellen Geldformen äußern; sie haben möglicherweise Zugang zu Informanten und Silberbarren der römischen Kaiserzeit aus dem Fund von Biesheim im Elsaß. Informationen, die westliche Forschernicht haben.

 

Was der Kameruner O. Ngam 1999 abgeliefert hat, hilft jedoch so gut wie gar nicht weiter.

 

Wenn man das Titelblatt mitzählt, umfasst sein Werk gerade einmal 30 Seiten, S. 2 bringt nur ein Photo des Autors und seine Adresse, auf den Seiten 3 und 4 wird je ein knappes Vorwort in französischer und englischer Sprache über den Eisenkult in Afrika abgedruckt. So bleiben für das eigentliche Thema ganze 25 Seiten, auf denen natürlich nur wenige Geldformen berücksichtigt werden können (Schwerpunkte: Kamerun, Nigeria, Kongo), zumal pro Seite meist nur ein Objekt oder Objekttyp vorgestellt wird.

 

Was wird an Informationen geliefert?

 

Die einzige gute Idee, die der Autor hatte, war, zu den Objekten jeweils einen Kartenausschnitt oder eine Kartenskizze des Verbreitungsgebietes mitzuliefern (einige der Skizzen sind allerdings auĂźerordentlich grob ausgefallen).

 

Die Objekte sind abgebildet (schwarzweiß, mäßige Bildqualität), dazu gibt es vier Angaben: Material, einheimischer Name, Ethnie, heutiger Staat, und selbst diese Angaben fehlen manchmal (S. 9, 18 unten, 24, Nr. 2). Abmessungen und Gewicht hat der Autor nur bei den ersten beiden Objekten (S. 5)angegeben. Er würdigt die Stücke keines einzigen erläuternden Satzes!

 

Man erfährt auch nicht, wem die Objekte gehören, aus welchen Quellen die Abbildungen stammen, woher der Autor seine Kenntnisse hat; natürlich gibt es auch kein Literaturverzeichnis.

 

Einige der berücksichtigten Objekte sind keine Geldobjekte, so die Wurfmesser auf S. 6, die Schmuckstücke auf S. 18 und das „iron tool“ auf S. 19.

 

Die ganze Misere dieser Publikation fängt ja schon mit dem Titelblatt an: Bedeutet die Überschrift

„Armes - Monnaies“ Waffengelder’? (davon gibt es in dem Heft nur wenige) oder’ Waffen’ und ‚Gelder’? (nur auf S. 6 sind Waffen abgebildet). In jedem Fall enttäuscht der Heftinhalt die Erwartungen. Und enttäuscht wird man auch, wenn man erwartet, dass die auf dem Titelblatt abgebildeten 7 Objekte(die übrigens weder Waffen noch Geldformen sind), im Inneren des Heftes vorgestellt werden.

 

Man kann nur hoffen, dass dieses Heft keine Verbreitung findet, damit es keinen Schaden anrichten kann. Es ist derartig schlampig gemacht, dass man nur davon abraten kann, dafĂĽr die verlangten 20 $ auszugeben, die ist es nicht wert!

[Startseite] [Aktueller Artikel] [Was ist Primitivgeld] [Buchbesprechung] [BĂĽcherboard]