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Herzförmige Hackenblätter – Geld im ehemaligen Deutsch-Ostafrika
(Heart shaped hoe blades – currency in former German East Africa)
Fritz Klusmeier
Vor einiger Zeit habe ich ein eisernes Objekt erworben, das
herzförmig ist und einen Stiel (Dorn) hat (Burdo und Collart/Celis fühlen sich, was die Form angeht, an ein Pik-As erinnert, Burdo 1886, S. 320, Collart/Celis 1988, S.10).
–Tafel V Abb.1a
Das Objekt ist 37 cm lang, 23,7 cm breit und wiegt 866 g. Der Dorn
verläuft in der gleichen Ebene wie das Blatt, ist an den Kanten nicht gewellt und endet in einer Spitze, er ermöglicht zwei Arten der Schäftung als Hackenblatt: Entweder wird er an den kurzen Holm eines Kniestiels
angebunden (Bandschäftung), vgl. Abb. 2K, oder er wird abgewinkelt durch den Kopf eines geraden Stiels getrieben (Dornschäftung),vgl. z.B. Abb.2 D,F, H. Dieses Exemplar ist jedoch nicht ohne weitere Schmiedearbeit
(Schärfung der Schneide) als Werkzeug zu gebrauchen, da es an der potentiellen Schneidkante zu dick (2-3 mm) und damit stumpf ist. Man könnte das Stück deshalb als hackenförmigen Eisenbarren bezeichnen. Es soll laut
Verkäufer aus dem Sudan stammen.
Aus dem Internet sind mir 7 ähnliche Exemplare bekannt:
Nr. 1
hat das American Museum of Natural History 1898 vom Berliner Völkerkundemuseum bekommen (Acc. Nr. 1898-48), es ist 36,1 cm lang und 23 cm breit und hat augenscheinlich eine geschärfte Schneide und der Dorn ist an
den vier Kanten gewellt. Es soll aus Usindja (Tanzania) stammen und wird als „spade“ bezeichnet.
– Tafel V Abb.1d
Nr. 2
wurde im März 2007 von der Galerie Z. Kruzick in Kalifornien angeboten (18 x 11 inches, ca. 45,7 x 28 cm), ob
das Stück über eine geschärfte Schneide verfügt, ist auf dem Photo der Galerie nicht zu erkennen, Herkunft unklar. (www.zkta.com)
Nr. 3
(aus dem Antiquitätenhandel) gehört zur Sammlung Hansen, das Exemplar ist 39,5 cm lang und 26,5 cm breit und wiegt 990 g. Auch dies Stück hat keine geschärfte Schneide und einen Dorn ohne Wellen an den Kanten.
Herkunftsangabe des Händlers: Congo.
– Tafel V Abb.1b
Nr.4
(Sammlung Denk) stammt auch aus dem Antiquitätenhandel, es misst 44 x 25,5 cm und wiegt 1090g, seine Schneide ist geschärft und der Dorn ist an den vier Kanten gewellt. Herkunftsangabe: Kwango/Kongo.
– Tafel V Abb.1c
Nr. 5
ist im September 2006 bei ebay versteigert worden, das Stück ist 40 cm lang und 24 cm breit, Herkunft angeblich Kongo. Ob die vordere Kante geschärft ist, ist nicht zu ermitteln.
Nr. 6
liegt im Musee du Quai Branly in Paris (Nr. 71. 1905. 7. 291), Sammler war Lionel Decle, der „large hoes shaped
like a heart“ in seinem Reisebericht im Kapitel über die Wanyamwezi erwähnt (1900, S. 349). Maße des Stücks: 30,2 x
21,7 x 2,9 cm. Die Abbildung der Museums-Datenbank zeigt Gebrauchsspuren und wohl auch, dass dieses Exemplar durch Gebrauch etwas von seiner ursprünglichen Größe verloren hat.
Nr.7
ist ein Objekt aus dem Leidener Völkerkundemuseum (Nr. 1667-125). Leider verrät die Datenbank des Museums nur die Länge des Stücks: 37 cm.
Die geringe Anzahl der Belege und die Lückenhaftigkeit der Informationen lassen keine weitreichenden Schlüsse zu,
eine wie auch immer geartete Normung gibt es aber augenscheinlich nicht.
Für diese Objekte findet sich in der Literatur häufig die Bezeichnung „jembe“.1 ‚jembe’ ist ein Kisuaheli-Wort, das
allgemein ‚Hacke’, aber auch ‚Spaten’ bedeutet, also nicht nur die herzförmigen Stücke meint.
Herzförmige Hackenblätter gab es übrigens nicht nur im ehemaligen Deutsch-Ostafrika (den heutigen Staaten Tansania,
Ruanda und Urundi), sondern auch im südlichen Sudan, in Uganda, in Westkenia und wohl auch im östlichen
Kongogebiet (s. Tafel VI Abb.2). Die als ‚herzförmig’ bezeichneten Stücke zeigen auch nicht immer die ‚klassische’
Herzform, so fehlt etwa die Einbuchtung oben, und es gibt auch sehr schlanke Exemplare (vgl. Böhrenz 1940, S. 20).
Und es kamen in Deutsch-Ostafrika auch Hacken in ganz anderen Formen vor, vor allem im Süden und in den Küstenregionen, s.Tafel VI Abb.3.2
Ich beschränke mich bei meiner Untersuchung auf Deutsch-Ostafrika und berücksichtige vor allem die Regionen
westlich und südlich des Victoria-Sees.
Dazu einige Quellentexte:
1. Paul Reichard
schreibt im Kapitel „Feld- und Gartenbau der Wanjamwesi“:„Das einzige gebräuchliche Ackergerät ist die eiserne Hacke (Kisuaheli: jembe, Kiunjamwesi: igembe). Das herzförmige Blatt der Hacke ist etwa 5 mm stark und
von der Oberfläche zweier nebeneinander gelegter großer Hände.“ (Es folgt eine genaue Beschreibung des Holzstiels
und der Schäftung und Handhabung der Hacke.) „Die Hacke ist bei der Weichheit des Eisens im dritten Jahr vollständig
aufgebraucht, so dass nur ein höchstens handtellergroßes Eisen übrig geblieben ist. Der Preis der Hacken, welche zugleich als Zahlungsmittel dienen, stellt sich in Unjamwesi drei bis vier Hacken 1 Doti3, 1 Doti = 1 ½ - 2 Mark, zur
Regenzeit, wo starke Nachfrage ist,sogar eine Hacke = 2 Doti = 3 – 4 Mark per Stück." (1892, S. 373f., vgl. auch derselbe 1890, S. 265)
2. Der Stationschef von Tabora, Leutnant Sigl
, berichtet 1892 „über den Handelsverkehr von Tabora“ im Abschnitt III: „Innerer Verkehr mit Landesprodukten über Tabora“: „Negerhacken (Jembes) 150000 Stück. Preis in Tabora per Stück
= 1 Upande Zeug (1 Upande = 4 Längen des Unterarms bis zu Fingerspitze). Preis loco Erzeugungsort per vier Stück =
1 Doti = 2 Upande. Diese Jembes werden größtentheils in der Eisengegend Msalala und Usambiro angefertigt; die
ganze Gegend südwestlich vom Victoria-See ist reich an Eisenerzen. Schon seit uralter Zeit findet von dort ein weit
verbreiteter Handel mit Eisen statt; z. B. das Eisen für die Massai- und Wahumba-Speere wird meist in Form von Jembes aus Usambiro etc. bezogen. Die über Tabora gehenden Jembes werden von allen Karawanen als bestes
Tauschobjekt zur Beschaffung von Lebensmitteln durch Ugogo und selbst bis nahe zur Küste mitgenommen.“ (S.165)
3.Kollmann
hat eine herzförmige Hackenklinge abgebildet und schreibt dazu: „Zum Umackern der Felder, der eigentlichen Tätigkeit der Frauen, sind eiserne Hacken in Gebrauch, die aus Karagwe oder Usindja eingeführt sind.
Diese roh zubereiteten Eisen (alle Unterstreichungen vom Verfasser) sind herzförmig und mit einem Stiel versehen, der
durch einen durchlochten festen Holzgriff geht. Aus solchen Hacken, die teils direkt zu Feldhacken benutzt werden, teils
einen Handelsartikel bilden, formt der Kisibahandwerker fernerhin noch seine Speer- und Pfeilspitzen… Äxte, Messer verschiedener Form etc.“ (1898, S.64)
4.Schynse
berichtet 1892 über die Uferländer des Victoria-Sees: „Seitdem die Schmiede von Usambiro ausgewandert sind, deckt Ngulula fast den gesamten Bedarf von Eisen in Usukuma, dem nordwestlichen Unjamwezi
und den westlich von Ngulula liegenden Gegenden. Bis nach Ukerewe und den östlich vom Nyanza liegenden Ländern
wird damit ein schwunghafter Handel getrieben. Bakerewe kommen oft nach Ngulula, um dort Hacken zu kaufen, gegen
die sie dann auf dem östlichen Festlande bei dessen eisenarmen Stämmen Elfenbein einkaufen. Früher soll man dort
für 20 Hacken ( à 1 Mark ) eine Frazila (35 Pfund) Elfenbein gekauft haben; ob es noch so ist, kann ich nicht sagen. So
lange die Araber am See waren, gingen ihre Fahrzeuge oft zum Hackenkauf nach Ngulula. Ebenso ziehen karawanenweise die Wasukuma mit Rindern, Ziegen und von der Küste mitgebrachten Tauschartikeln hin, um sich das
unentbehrliche Feldgeräthe einzutauschen, so dass Ngulula, ohne selbst mit der Küste zu verkehren, durch seine
Eisenindustrie mindestens eben so gut mit den im Lande gesuchten europäischen Waaren versehen ist, wie die Karawanenstämme. Hauptsächlich werden Hacken verfertigt, da diese am unentbehrlichsten sind. Aus den
abgenutzten Hacken verfertigen dann die Lokalfundi (Meister) der einzelnen Stämme verschiedene Gegenstände nach der Landesmode.“ ( S. 39)
5.Spellig
stellt 1927/8 fest: „In Ukonongo z. B. gibt es ganze Dörfer von Eisenschmelzern und Schmieden, die Pfeilspitzen, Speere und vor allem Hacken verfertigen. Vor der Einführung des Geldes durch die Europäer bildeten
diese Hacken ein allgemein gebräuchliches Zahlungsmittel, wobei eine Hacke etwa dem Wert von 1,50 M. bis 2 M.
entsprach. Von Händlern wurden die Hacken nach allen Teilen des Landes gebracht und gegen andere Landesprodukte umgetauscht.“ (S. 221)
6.Böhrenz
hat in seiner Dissertation von 1940 die ältere Literatur und das einschlägige Objektmaterial des Berliner Völkerkundemuseums ausgewertet: „Das Hauptgerät ist aber die Geradhacke mit eingelassenem Blatt …. Im
nördlichen Unjamwezi hat die eiserne Hackenklinge die bekannte herzförmige Form. Ihr Zentrum ist Usindja, von wo sie
nach allen Richtungen sowohl ins Zwischenseengebiet (Karagwe, Kiziba), nach Osten über Usukuma bis nach Iramba
ins abflusslose Gebiet, als auch nach Süden verhandelt wurde, wo sie als typische Nyamwezihacke angesprochen wird.“ (S. 20)
7.Reider
hat 1940 eine alte Sinza-Hacke abgebildet, er schreibt dazu: „Die ursprüngliche Hacke war herzförmig.Sie
stammte aus dem benachbarten Usinza (Buzindja). Die Djita kamen auf ihrem Fischfang auch hinüber nach Usinza, und
dort tauschten sie ihre eigenen Erzeugnisse und auch Fische gegen Hacken aus. Es handelt sich bei diesen Hacken um
von den Sinza selbst gewonnenes und geschmiedetes Eisen. Material und Arbeit sind ausgezeichnet und übertreffen
die heute von den Europäern eingeführte Arbeit weit an Qualität. Viele alte Djita haben auch heute noch die alten Sinzahacken, die sie aber ihrer Kostbarkeit wegen nicht zur Landarbeit benutzen. Sie gelten mehr als Zahlungsmittel
beim Frauenerwerb!“ (S. 214)
Die Quellen 1-7 betreffen den Norden Tanzanias, die Texte 8 und 9 Ruanda und Urundi.
8. Hans Meyer
hat ein Exemplar der Barundi-Hacke abgebildet und berichtet über ihren Gebrauch: „Das einzige Ackergerät ist die eiserne Hacke (ischuka, igembe), welche die in Ostafrika bekannte Gestalt eines Kleeblattes oder
eines ‚gestielten Herzens’ hat… .Ihre weite Verbreitung durch das ganze Zwischenseengebiet bringt es mit sich, dass
die Feldhacke der Hauptgegenstand des internen Handels ist, ein Wertmesser, ein Geldstück. Da der Bedarf durch die
Barundi- und Batwaschmiede nicht gedeckt wird, werden viele Hacken aus Uha, Usambiro, Uwinsa usw. eingeführt. Das
Blatt der Hacke ist ca. 30 cm lang und steckt mittels seines eisernen Dornes unter spitzem Winkel in einem Holzstiel,
dessen keulenförmiges Ende zu diesem Zweck mit glühendem Eisen durchlocht ist. Der Stiel ist meist so kurz (ca. ¾
m), dass der Feldarbeiter immer in tief gebückter Stellung hacken muß; gewöhnlich wird die Hacke nur mit der Rechten
gehandhabt, während die Linke die ausgehackten Steine oder Unkräuter aufliest und die Feldfrüchte aufsammelt. Doch
sind auch Hacken mit 1 ¼ m langen Stielen im Gebrauch. Im nördlichen Ruanda und am Kiwu See gibt es vorwiegend
solche langstieligen Hacken, die mit beiden Händen aus weniger gebückter Stellung geführt werden.“ (1916, S.49)
9.Czekanowski
hat sich 1917 ziemlich ausführlich mit dem Ackerbau in Ruanda beschäftigt, auch er hat eine herzförmige Hacke abgebildet und ausführlich die Herstellung und die Formen der dort benutzten Werkzeuge
beschrieben (S. 136f.). Zum Güteraustausch in Ruanda führt er aus: „Die Gegenstände des Austausches bilden,
abgesehen von den Nahrungsmitteln, Eisenhacken, Tabak, Baumwollstoffe, Felle, Salz, Messing- und Kupferdraht ,
Glasperlen, diverses Hausgerät, Waffen und mit gewissen Einschränkungen auch Frauen und Vieh. Von diesen Gütern
haben sich vor allem die Eisenhacken, Perlen und Vieh als Wertmesser entwickelt. Die einzelnen Wertmesser werden
aber je nach dem einzuschätzenden Gute angewendet, und man ist zur Bestimmung und Fixierung des relativen Verhältnisses der verschiedenen Werteinheiten noch nicht gekommen. Für größere Gegenstände gilt als allgemeine
Werteinheit die Hacke.“ (S. 160)
Anfügen möchte ich im Auszug noch die Darstellung von
Culwick/Culwick, die Bena betreffend (Siedlungsgebiet im Süden Tansanias). Die Autoren haben sich 1935 ausführlich zu dem Stellenwert der Hacken bei den Bena geäußert:
10.„Hoes were in the past the principal form of currency in Ubena of therivers....The blade is of the ordinary heart shape,
but the tang may be as much as eighteen inches long.... Moreover, when the blade was worn out,or even before,the
owner could use part of the large tang to make an axe, adze, or spearhead... . It thus acted as a valuable reserve of metal... .
A few people still prefer the heavy native hoes for their fields on account of their good big blades as compared with the
small ones of the light foreign hoes from the Indian store, but most now use the latter.
Some of the old hoes were seldom if ever used for agricultural work at all, but served almost entirely as currency.
Occasionally one which had been handed over as part of a girl’s bride-wealth would be kept as a grat treasure by her
father and stored away in the rafters. At his dead it would be handed on to his son, who would treasure it in his turn as a
precious possession of his father’s. Thus it would become an heirloom, referred to as jembe la mahoka, the hoe of the
spirits. In certain families such hoes, greatly priced, are still carefully preserved to be passed on to the next generation.” (S. 294f)
Diese Quellen enthalten eine Fülle von Informationen über den Untersuchungsgegenstand aus einem Zeitraum von etwa
50 Jahren (Form, Qualität, Handhabung, Herstellungszentren, Verbreitung, Wert, Funktionen).4
Hackenblätter hatten augenscheinlich vier Funktionen:
1
. Mit einem Holzstiel versehen waren sie Werkzeuge, Geräte für den Garten- und Ackerbau. Die Arbeit mit der Hacke hat z. B. Reichard beschrieben (1892, S. 371ff.)
2
. Sie waren Metallvorrat, Rohmaterial für die Herstellung von Eisenobjekten aller Art, vgl. z.B. Blohm 1931, S. 164,
Schynse 1892, S. 39; Reche 1914, S. 19, 58, 84; Culwick/Culwick 1935, S. 293; Pauwels 1955, S. 286.
3
. Sie waren wegen der Funktionen 1 und 2 begehrte Handelsartikel. Wagner war meines Wissens der erste, der „die
Verkehrs-und Handelsverhältnisse in Deutsch-Ostafrika“ zusammenfassend dargestellt und dabei die Rolle der
Hackenblätter beschrieben hat (1896, S. 55f.). Seine Darstellung wird durch viele zeitgenössische Quellen bestätigt
(s.o. und vgl. z.B. Schynse 1890, S.7; Reichard 1892, S. 349; O. Baumann 1894, S. 232; Werther 1894, S. 209. Ein
erheblicher Teil dieses Handels lief über Tabora (in der Landschaft Unjamjembe = Hackenland), wo jährlich
Zehntausende von Hackenblättern umgeschlagen wurden (vgl. Sigl 1892, S. 165, s. o. und Stuhlmann 1910, S. 51).
Hunderte von Schmieden müssen mit der Herstellung von Hacken beschäftigt gewesen sein. – In Ruanda und Urundi
gab es übrigens andere Produktionszentren und Handelswege, s. Czekanowski 1917, S. 160ff.; Hans Meyer 1916, S. 49.5
4
. Zu untersuchen ist nun, ob die Hackenblätter eine Geldform waren, welche Geldfunktionen sie hatten. Dabei liegt nahe, zunächst nach den für den Handel wichtigen Funktionen als Tauschmittel und Wertmesser zu fragen.
Aus den vorliegenden Quellentexten (s. o.) geht oft nicht eindeutig hervor, ob es sich bei den Tauschgeschäften um
reinen Warentausch (barter) oder um Käufe mit dem Tauschmittel ‚Hacke’ handelt, zumal auch andere Tauschmittel
erwähnt werden (vor allem die importierten Tauschmittel Glasperlen, Stoffe und Draht) und Vieh. Man darf aber wohl
davon ausgehen, dass ein Verkäufer, der Hacken als Bezahlung akzeptierte, nicht nur eine wertbeständige Ware ( die übrigens auch gut als Wertaufbewahrungsmittel geeignet war ) bekam, sondern dass er auch sicher sein konnte, dass
diese Hacken auch von anderen Verkäufern als Bezahlung akzeptiert würden.
Leider informieren die mir bekannten Quellen nur selten und meist punktuell über Preise und Äquivalenzen (Ausnahme:
Czekanowski, s.u.), so dass aus den einzelnen Angaben keine weiterreichenden Schlüsse (z.B. über Preisschwankungen und - entwicklungen) gezogen werden können. Interessant ist immerhin, dass viele diese Angaben
Wertrelationen zwischen Hacken und Haustieren betreffen, also den wertvollsten Besitztümern der Eingeborenen. (Vgl.
z.B. Weule 1908, S.46; Unterwelz 1923, S. 74; Nigmann 1908, S. 44; Culwick/Culwick 1935, S. 291; Willis 1981, S.
143f.; Claus 1911, S. 37; Stairs 1994, S. 219; Bösch 1930, S.417; Thurnwald 1935, S. 109; Schmidt 1996, S. 83)6 -
Eine recht ausführliche Preisliste hat Czekanowski für Ruanda zusammengestellt (1917, S. 161): „Die Preise zeigen im
Lande bedeutende Unterschiede und sind großen Schwankungen unterworfen. … Um den relativen Wert der einzelnen
Gegenstände kurz zu charakterisieren, werde ich einige Preise, in den entsprechenden Einheiten ausgedrückt, zusammenstellen:
Kleine Hütte 1 große Ziege
Großer Topf Bier 1 Hacke
Schwert (ngota) 1 kleine Hacke
Wasser- oder Kochtopf 1/8-1/15 einer Hacke
Hacke 150-250 vergold. Perlen im Jahre 1907. Die Preise schwanken sehr je nach der
Mode.
Matte 1/3-1/4 einer Hacke
Tagelohn eines Mannes 1/5 einer Hacke
Blatt Tabak 1/250 einer Hacke
Klafter Stoff (upande amerikani) 2 Hacken
Last Tabak aus 400-600 Blättern 1 „upande“
Elefantenzahn bis 100 Ziegen
Ziege 2-4 Hacken
Schaf 2-3 Hacken
Junger Stier 8-11 Hacken
Kalb 2-5 Hacken
Junge Kuh 15-20 Ziegen oder 2 Stiere
Wenn man davon ausgeht, dass Czekanowski hier die örtlichen Gepflogenheiten korrekt wiedergegeben hat, zeigt
diese Liste, welch große Rolle als Tauschmittel, aber vor allem als Wertmesser und Recheneinheit die Hacke gespielt
hat. Allerdings zeigt sie auch, dass frü Objekte von großem Wert die Ziege diese Geldfunktionen übernahm. Auch
Pauwels hat (1955) eine Reihe von Wertrelationen zu Hacken aus Ruanda mitgeteilt (S. 285f.), sie betreffen sowohl
neue als auch gebrauchte Hacken. Aufgrund der recht günstigen Quellenlage ist die Verwendung der Hacke als
Zahlungsmittel (außerhalb des Warentausches) zufriedenstellend nachzuweisen. So gibt es Hinweise darauf, dass u. a.
Hacken zur Zahlung von Steuern und Abgaben herangezogen wurden, Beispiel (Sumbwa): „Man zahlte dem König eine jährliche Abgabe, bestehend aus folgendem:
1) je in 5 Hacken oder einer Ziege,
2) je in einem Korb voll Honig,
3) in einem bestimmten Ma Sorgho (Hirseart),
4) in der Bebauung eines Feldes in jedem Distrikt.“ (Anonymus in Gottberg 1971, S. 269, vgl. auch Stuhlmann 1910,
S.51; Richter 1899, S. 89; Culwick/ Culwick 1935, S. 151; Willis 1981, S.150) Auch die Kolonialbehörden akzeptierten u. a. Hacken, wenn noch keine Münzen zur Verfügung standen, s. Arning 1941, S. 300, 370).
Eine besondere Art Abgabe war der sog. Hongo, ein Durchgangszoll, den die Häuptlinge von den Karawanen forderten,
oft erpressten, die durch ihr Gebiet zogen, ein ständiges Ärgernis für die Reisenden und Händler.
Beispiel:„ … die Wassukuma bringen ihre eisernen Hacken nach Tabora, um sie dort abzusetzen, als einen höchst
begehrten Handelsartikel, sowohl zum Gebrauch für den Feldbau als auch zur Tributentrichtung in Ugogo. Dort werden
nämlich von allen Karawanen auf dem Wege zur Küste keine Tauschwaren, sondern nur eiserne Hacken als Tribut gegeben und genommen.“ (Reichard 1892, S. 349; mit „Tauschwaren“ sind hier die importierten Tauschmittel
gemeint.)–Vgl. auch Grant 1864, S. 279; Junker 1891, S. 662; Schynse 1890, S. 49; Stuhlmann 1894, S. 117; Becker
1887, Bd. I S.136; Burdo 1886 S. 320; Roscoe 1921 S.46ff. Hacken konnten auch zur Entlohnung für geleistete Dienste
eingesetzt werden, Beispiel: „The Twa kings … claimed a monopoly of the disposal of all ivory collected in their
territories. An elephant hunter had to deliver his tusks to the king. ... In return, the hunter received five hoes or five goats,
or an asortment of these items.” (Willis 1981, S. 173; vgl. auch Mumford 1934, S. 219: Entlohnung für die Instrukteurin einer Braut, Nigmann 1908, S. 26: Honorar für einen Zauberer.
2. Beispiel: „Hat ein Mensch durch Erhängen Selbstmord verübt, so müssen seine Verwandten zahlen:
1. an den Häuptling eine Hacke (Strick oder Strangbuße);
2. an denjenigen, der den Erhängten abgeschnitten hat, eine Hacke;
3. ein Schaf oder einen Ziegenbock nebst dem nötigen Bier, um den Bock würdig zu verzehren, an die Leute, die den
Selbstmörder beerdigt haben;
4. eine Hacke und ein Schaf an den Medizinmann, damit er durch eine Medizin, die es den Verwandten eingibt, sie vor
den Bosheiten schützt, die der Geist des Verstorbenen, ihnen zufügen könnte.“ (Priebusch, zitiert von Ankermann 1929, S. 316f.)
In die Rubriken ‚Entlohnung’ oder ‚Abgabe’ gehören wohl auch die gelegentlich erwähnten Gerichtskosten,
Beispiel: „Beim Beginn eines Rechtsstreites setzt der Kläger dem König die Lage der Sache auseinander. Der König
lässt zwei oder drei Berater kommen, um sie mit der Angelegenheit vertraut zu machen. In diesem Augenblick gibt der
Kläger dem König 2 Rp., wenn er reich ist; ist es ein Armer, so gibt er ihm 5 Hacken. Ist der König mit diesem
Geschenk zufrieden, so zieht sich der Kläger zurück, und der König hält mit seinen Leuten eine Beratung ab. Darauf
lässt er den Beklagten durch zwei Leute rufen. Dieser gibt den königlichen Sendboten 5 Hacken und begibt sich vor den
König, um sich richten zu lassen. Derjenige, der den Prozess gewinnt, muss dem König zwei Ziegen oder 40 Hacken
geben. Der Verlierende gibt nichts, wenn es sich nur um einen Rechtsstreit über Geschäfte oder Besitz handelt.“
(Anonymus in Gottberg 1971, S. 263f., vgl. auch ders. S. 259 und Claus 1911, S. 55, Gutmann 1926, S.610f.; Nigmann 1908, S. 49.)
Die Verurteilten haben Schadenersatz zu leisten und möglicherweise Geldstrafen zu zahlen.
Reichard erzählt eine köstliche Geschichte von einem in flagranti ertappten Ehebrecher, der eine erhebliche
Sühnezahlung leisten musste, die z. T. aus Hacken bestand (1892, S.367). Besonders wertvolles Quellenmaterial zum Strafrecht hat Gottberg veröffentlicht.7
Geldstrafen waren z. T. mit Hacken zu zahlen; vgl. die Beiträge in Gottberg (Löbner S. 164, 167, Seibt S. 197, Büttner S.
221, Puder S.239f., Anonymus in Gottberg 1971, S. 259-62).
Beispiel: „In dem Fall, wo die Blutrache nicht vollzogen wird, ist der Mörder verpflichtet, zu bezahlen, damit die Mitglieder
seiner Familie in Frieden leben und ungehindert umhergehen können. Der Betrag, den man bezahlt, besteht immer in
Tuchstücken, Hacken, Kupferrollen, Rupien, Elefantenzähnen (wenn ein Sklave getötet worden ist, so gibt man für ihn
einen anderen, in Ermangelung eines solchen, Zeugstücke). Niemals gibt man einen freien Menschen. Bei der
Bemessung des Blutgeldes berücksichtigt man besonders die soziale Stellung des Getöteten. Man gibt z. B. für einen
Häuptlingssohn 1000 Hacken, für einen reichen Menschen 500, für einen gewöhnlichen 200.“ (Anonymus S.260, vgl. auch Nigmann 1908, S.50-53; Ankermann 1929, S.318f.)
Gut bezeugt sind schließlich Zahlungen des Bräutigams an die Familie seiner Braut (fälschlich ‚Brautpreis’ genannt), die
aber fast nie nur aus Hacken bestehen. Die Angaben in den Quellen sind leider manchmal ungenau, was die Anzahl der übergebenen Objekte und die Zeitstellung angeht.
Hier eine Reihe von Beispielen:
a)Unyamwesi
„Früher wurde gewöhnlich die Frau mit roten Perlen (kazayeye), Hacken, Ziegen und Ochsen, oder, wenn es hoch kam,
mit Sklaven, Gewehren usw. gekauft. Jetzt wird das meiste in klingender Münze bezahlt (Löbner in Gottberg 1971, S.
149; Missionar Löbner hat den Fragebogen für ganz Unyamwesi bearbeitet). „Wie aus den bereits behandelten Fragen
zu ersehen ist, wird die Frau gekauft. Der Kaufpreis ist nach der Art der Personen verschieden. Er schwankt zwischen
150 und 1000 Hacken; man rechnet 5 Hacken auf eine Rupie. … Der Preis bemisst sich stets nach der sozialen
Stellung der Familie.“ (Anonymus in Gottberg S. 254, Beitrag betrifft die Sumbwa, undatiert). „Die Frau wird gekauft,
früher mit Perlschnüren, Jemben, jetzt gewöhnlich mit Geld und Kleidern und Ziegen. Nur der König kauft seine Frauen
mit Sklaven …. “ (Büttner in Gottberg 1971, S.214; Missionar Büttners Beitrag betrifft die Kimbu, auch er ist undatiert.)
Diese drei Äußerungen sind Antworten auf die Frage Nr. 18 des Fragebogens
(s. o.) nach dem „Kaufpreis“ Blohm nennt 1933 als „Brautkaufpreis“ der Nyamwesi acht „Wertstücke“, darunter „einen
Speer und zwei Hacken“ (S.91)
Cory hat seine Informationen 1949 bei den Sukuma gesammelt, es gab dort mehrere Möglichkeiten, „bridewealth“-Güter
zu kombinieren. „If bridewealth is paid in hoes: 300 hoes and in addition Shs. 4/- and 1 castrated goat.” (S.17) -Vgl. Auch Reichard 1892, S.356; Bösch 1930, S.358, 417; Malcolm 1953, S.69; Abrahams 1967, S.44f.
b)Ruanda/Urundi
„Bei den Bahutu von Kissaka … zahlt (der Bräutigam) z. B. für die Frau sechs bis acht Hacken oder oft auch ein ‚doti’
(vier Yard) Stoff und ein Schaf. Der Vater der Braut gibt als Mitgift eine Hacke und seiner Schwester ein Schaf mit.“
(Czekanowski 1917, S.220) „Voici, comme example, la dot … au Ndorwa, deux provinces situees au Nord du Rwanda.
Dot : une vache, un taurillon, de dix a dix-huit chevres, cinq houes." (Pauwels 1953, S.326) "Die Heirat erfolgt in der
allgemein dort üblichen Weise, nämlich durch Kauf, und zwar beträgt die Hochzeitsgabe in der Regel 3 bis 10 Rinder,
mehrere Ziegen und Schafe und mehrere eiserne Hacken." (Weiss 1910, S.70, Aussage über die Tutsi) „ Chez les
Batutsi, la dot consiste en vaches. ... les Bahutu donnent aussi une vache comme dot. Ailleurs, elle consiste en houes,
quatre generalement, et en unetrentaine de cruches de biere. ... Les Batwa ne donnent qu’une houe et un pot de biere
le jour des fiancalles et quatre houes comme dot." (Vanhove 1941, S.23f. – vgl. auch Pages 1932, S.64 ; Bourgeois
1957, S. 222f.; Schumacher 1912, S.7-13 ; d’Hertefelt u. a. 1962, S.48, 137, 202 ; Celis/ Nzikobanyanka 1976, S.117.)
Somit ist klar, dass alle drei Bevölkerungsgruppen Ruandas die Hacke als ‘Brautpreis’- Bestandteil kennen. Unterschiede bei den einzelnen Angaben sind wohl zeitliche und / oder räumliche Varianten.
Ergänzend möchte ich auf einige einschlägigen Angaben hinweisen, welche die Regionen südlich von Unyamwesi betreffen (zum ‚Brautpreis’ in den östlichen Landesteilen vgl. Ankermann 1929, S. 115ff. „Brautpreis…, dessen Höhe
sich nach dem Vermögen der Familie des Bewerbers richtet, und der deshalb zwischen ein paar Ziegen, Schafen oder
Hacken bei Unbemittelten, und einer größeren Anzahl Rinder bei einem reichen Liebhaber schwankt.“ (Claus 1911,
S.47 – Gogo) „Das Heiraten eines Freien erfolgte durch Zahlung des Heiratsgutes (mafungo) an den Vater des Mädchens…; der Wert der mafungo schwankt zwischen zwei Hacken und vier Rindern, je nach der Vornehmheit der
Familie.“ (Nigmann 1908, S. 59 – Hehe, vgl. Glauning 1998, S. 60; Maaß 1904, S.67; Mumford 1934, S.221.) „Nur
einmal hatte ich Gelegenheit, einer Hochzeit beizuwohnen. Als Brautpreis waren 5 Ziegen, 3 Eisenhacken, 2 Äxte und 2
Vitambi (bunte Tücher) bezahlt worden.“ (Unterwelz 1925, S.243 - Pimbwe) Willis zählt die Brautpreisbestandteile der
Fipa auf: 3 Hacken, 6 Pfeile, 1 Axt, 1 Speer, 1 Ziege (1981, S.143, vgl. auch Willis 1966, S.36, 51, 69.)
Besonders erwähnenswert finde ich die Ausführungen von Culwick/Culwick über die Bena:
„In the past, bridewealth was usually three hoes, each hoe being a separate payment and fulfilling a special function, but
sometimes cattle or goats figured in the agreement.” (S.301)
“The first hoe, kibani, was literallyonly a token, and did not make the marriage binding. The girl’s father could at any time
return it and dissolve the pact without giving the young man any legal ground for complaint, while the latter was equally at
liberty to change his mind about his bride and take back the hoe. It signified little more than a betrothal; or perhaps one
should say a trial marriage, terminable at will without formality. The secondhoe, ligino, confirmed the agreement, which
could not thereafter be set aside from the girl’s side without reason; but until she bore him a child her husband could
send her back to her father if he wished. Should he do this, however, without cause or without the concurrence of her
people, his father-in-law might refuse to return the hoes. Ligino was not usually paid until the couple had lived together for some months and proved their compatibility. ...
The third hoe was called lihetu and released the husband from much of the control exercised by his wife’s family. ... After
the payment of the third hoe the husband had much more power than before over the children; ... If she (his wife) died
before her lihetu was paid, it appears that her husband was not obliged to complete her bride-wealth and his
father-in-law had no further claim on his services. He had still to pay lipara (then, one hoe and one chicken), which was and is always payable on the death of a wife.” (S. 303ff.)
Diese Darstellung zeigt, dass man bei den Bena keine Frau kauft wie etwa eine Ziege, die nach dem Kauf in den
uneingeschränkten Besitz des Käufers eingeht, und dass die Hacken (wenngleich Objekte von materiellem Wert) kein
‚Brautpreis“ sind, sondern eher dingliche Symbole für familienrechtliche Regelungen, durch die der Status von Personen definiert wird und die Beziehungen von zwei Familien geregelt werden. –
Der Geldcharakter von Hackenblättern im ehemaligen Deutsch-Ostafrika ist durch das vorgelegte Quellenmaterial
hinreichend bewiesen, die Belege sind vergleichsweise zahlreich.
Umso erstaunlicher ist, dass dies Phänomen so wenig Beachtung in den einschlägigen Gesamtdarstellungen
außermünzlicher Geldformen Afrikas gefunden hat (s. Schurtz, 1898, S. 147; Quiggin 1949, S. 97f., Sigler 1953, S.13f.; Deutsch 1957, S.117f.; Einzig z. B. erwähnt diese Hacken gar nicht.)
Trotz der insgesamt befriedigenden Quellenlage (was den Geldcharakter der Hacken angeht) bleiben einige Fragen
offen:
- Die Quellen schaffen nicht in allen Fällen Klarheit, welche Form die erwähnten Hackenblätter hatten, da einschlägige
Abbildungen oder genaue Beschreibungen fehlen.
Aufschluss geben könnte möglicherweise die Sichtung des Materials, das in den Magazinen deutscher
Völkerkundemuseen lagert.
- Es ist auch meist unklar, ob die erwähnten Hacken unbrauchbar gewordene Stücke, gebrauchte, aber noch
gebrauchsfähige Stücke, neue Exemplare oder Barren in Hackenform waren.
-Man wüsste auch gern Genaueres über die Rolle, welche die importierten Hackenblätter gespielt haben.8
- Das einschlägige Quellenmaterial stammt aus der 2. Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts,
eine genaue zeitliche Eingrenzung der Geldverwendung von Hacken im Untersuchungsgebiet ist nicht möglich.
- Ob die Hacke über ihren materiellen Wert hinaus auch einen ideellen Wert verkörperte (Fruchtbarkeitssymbol,
Friedenssymbol, s. Deutsch S.118), ist aus den mir vorliegenden Quellen nicht abzulesen; vgl. auch Dewey/Roberts 1993, S. 2f.
Immerhin ist auf dem Staatswappen Tansanias neben Axt und Speer auch eine Hacke zu sehen (Hacke und Axt als
Symbole für die Entwicklung des Landes)
Fußnoten:
1 Vgl. z. B. Burton1860, S. 117, 409; Stuhlmann 1910, S. 57, 60; Becker 1887, Bd. 2, S. 188; Wagner 1896, S.53;
Weule 1920, S. 382, 384. Dahlgrün nennt unter den „Hochzeitsgaben“, die der Vater des Bräutigams bei den
Schambaa zu überbringen hat, auch die „Gembe“: „In der Übersetzung heißt dies Wort (Kiswaheli jembe) die Hacke; …
Die Gembe besteht in einem Ziegenbock, (!) der nur dann zu zahlen ist, wenn die Braut als Jungfrau in die Ehe gegangen ist.“ (S. 223) Eine Erklärung dieses Wortgebrauchs kennt Dahlgrün nicht.
2 Miracle schreibt über Hackenformen im Kongogebiet: „Hoes vary by tribe from very smallones with short handles to
large ones with long handles; the blade may be any of numerous shapes from rectangular to heart-shaped and may form
various angles with the handle, from 90° to less than 45°. Some people have more than one type of hoe... .” (1967, S.
286) Ähnliches gilt augenscheinlich auch für die untersuchte Region; allerdings sind die herzförmigen Exemplare wohl besonders stark vertreten gewesen.
3 Importierte Stoffe waren die beliebtesten Tauschwaren in Ostafrika; handelsübliche Abmessungen: Länge: „eine Doti
= 8 Yard, eine Upande = 4 Yard“ ( 1 Yard = 91,4 cm) …,Breite: 2 Yard. „Im Innern wird statt der Yard der gestreckte
Unterarm von der Zeigefingerspitze bis zum inneren Gelenk des Ellenbogens substituiert.“ Reichard 1889, S. 52f.
4 Einige Autoren haben auch die Herstellung von Hacken (die Schmiedearbeit und das Stielen) beschrieben,
besonders ausführlich Blohm (1931, S. 162-164); vgl. auch Dantz in Gottberg 1971, S. 106; Czekanowski 1917, S. 136f. ; Willis 1981, S. 136f.; Wise 1958, S. 111; Schmidt 1996, S. 82f.
Zur Arbeitsweise mit der Hacke hat sich Reichard im Kapitel „Feld- und Gartenbau der Wanjamwesi“ seines Buches
geäußert (1892, S. 371ff. vgl. auch ders. 1890, S. 265).
5 Mit diesem Teil des ostafrikanischen Binnenhandels haben sich auch moderne Wirtschaftshistoriker und Ethnologen
beschäftigt, s. z.B. Roberts 1968, S. 123, ders. 1970, S. 52f., 65; Tosh 1970, S. 107, Newbury 1980, S.11f.; Engelbrecht 1989, S. 286f.; Schmidt 1996, S. 80ff.
6 Hacken konnten ihrerseits augenscheinlich im Tausch mit allen möglichen Landesprodukten erworben werden wie
auch mit den importierten Tauschwaren, vor allem Stoffen und Glasperlen.
7 1896 wurde von Amts wegen ein von Prof. J. Kohler formulierter „Fragebogen zur Erforschung der Rechtsverhältnisse
der so genannten Naturvölker namentlich in den deutschen Kolonialländern“ mit 100 Fragen z. B. an Missionare und
Verwaltungsleute gesandt (abgedruckt von Gottberg 1971, S. 403-413). Die z. T. sehr ausführlichen Beantwortungen sind nicht publiziert worden. Dem Wissenschaftler Achim Gottberg kommt das Verdienst zu, fünf dieser
Antwort-Berichte, welche die Nyamwesi betreffen, veröffentlicht zu haben. Ankermann hat alle Deutsch-Ostafrika betreffenden Antworten ausgewertet.
8 Zum Thema Hackenimport/Importhacken vgl. Culwick 1935, S. 291, 295; Blohm 1931, S. 162; Deutsch 1957, S. 119;
Schmidt 1996. S. 83.
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