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Kindliche Gesundheitsamulette in Afrika
Ekkehard Doehring
Einführung
Gesundheitsamulette, Maskottchen und spirituell besetzter Schmuck finden sich bei allen Ethnien weltweit. Sie folgen einem tiefen, menschlichen Bedürfnis nach Schutz und Gesundheit und werden
eingesetzt im Falle einer akuten Krankheit zu deren Linderung, beziehungsweise zur Rückbringung von Gesundheit, sowie im prophylaktischen Bereich zur vorbeugenden Verhinderung einer Gesundheitsstörung. Des Weiteren
gibt es anlassbezogene amulettähnliche Objekte, die etwa geschenkt werden zur Geburt eines Kindes oder zu anderen Lebensabschnitten (Initiation), in Europa beispielsweise zur Taufe. Diese geschenkten Amulette sind
häufig verbunden mit religiösen Inhalten, Bibelzitaten oder Auszügen aus dem Koran. In dieses Umfeld passen auch geweihte Objekte für Kinder.
Das hohe Ausmaß an Erkrankungen (Morbidität) bei Kindern im Sub-Saharischen Afrika - bei gleichzeitig spärlicher Ausbildung schulmedizinischer
Hilfsangebote - ist mit einer Fülle an Gesundheitsamuletten verbunden. In den unterprivilegierten, meist ländlichen Bereichen im Sub-Saharischen Afrika erleben nur etwa 60% bis 70% der lebend geborenen Kinder das
fünfte Lebensjahr. Die anderen sterben vorher durch die harten Lebensbedingungen, etwa an Malaria und anderen Erkrankungen. Daher erfolgt die Namensgebung teilweise nicht zur Zeit der Geburt, sondern in späteren Lebensjahren, wenn die Kinder diese Zeit berlebt haben. Dies ist ähnlich
wie es aus dem Mittelalter in Europa berichtet worden ist.
Im Folgenden wird eine subjektiv ausgewählte Darstellung an afrikanischen Gesundheitsamuletten für Kinder versucht, wobei eher die Breite
dargestellt wird als eine systematische Zusammenstellung, die ohnehin in einem viel größeren Rahmen erfolgen müsste.
Methodik
Der Erhalt, noch mehr das Sammeln kindlicher Gesundheitsamulette gestaltet sich vor Ort auerordentlich schwierig. Die Objekte werden von den Kindern in aller Regel ständig am Körper getragen und
nicht abgegeben oder hergegeben. Im späteren Lebensalter kommen andere Amulette dazu, was aber keineswegs bedeutet, dass die kindlichen deshalb abgelegt werden. Im Gegenteil, sie werden zusammen mit den später
hinzugekommenen weiter getragen und am Ende des Lebens einer Person häufig beerdigt und somit der unmittelbaren Zirkulation entzogen. So ist es nicht verwunderlich, dass ich während etwa drei Jahren, die ich in
Afrika als praktizierender Kinderarzt verbrachte, trotz großer Bemühung, nicht mehr als 20 Objekte zusammentragen konnte.
Damit besteht eine gewisse Ähnlichkeit zu Konfirmationsgeschenken oder dem „Familienschmuck“ in Europa, der unter normalen Bedingungen ebenfalls
nicht verkauft wird und dem gewisse „magische Bedeutung“ zugesprochen wird.
Dieser Sachverhalt ist sehr schön in Abbildung 1 (Tafel III) nachvollziehbar. Das Stück habe ich 1980 im Ostsudan bei den sogenannten Hadendauer
Stämmen nach langer Verhandlung bekommen. Es zeigt Ledertäschchen, die arabisch warragah, Glücksbringer, genannt werden und meistens eine Sure des Korans beinhalten. Folgt man den damals von mir eingeholten Angaben
nach darf die Person, die das Objekt trägt die Sure nicht kennen. Dies wird jedoch häufig nicht durchgehalten. Wir sehen die größeren Warragahs der Erwachsenen und das kleine fest angenähte Täschchen aus der
Kindheit. Dieses wurde geöffnet und mit einem Stöckchen gefüllt wieder zugenäht.
Einteilung
Im Rahmen einer groben Einteilung lassen sich vorbeugende Amulette, anlassbezogene Amulette sowie kurative
Amulette abgrenzen. Außerdem gibt es Amulette, die von Fetischfrauen oder -männern geweiht wurden und für einen bestimmten Zweck eingesetzt werden. So können sehr ähnliche oder gar gleiche Objekte etwa einmal dem
Kinderwunsch dienen ein andermal der Vorbeugung von Erkrankungen und anderen Zwecken. Generelle Glücks- und
Gesundheitsamulette ähnlich den charms in China gesellen sich dazu, sind aber insgesamt wohl seltener in Umlauf
als in Asien. Auch gibt es Amulette zur Geburt eines Kindes, zu Initiationsfeiern eines jungen Erwachsenen und zur Hochzeit sowie anderen wichtigen Ereignissen im Leben eines Menschen.
Es ließen sich aber auch andere Einteilungskriterien finden, worauf hier jedoch nicht weiter eingegangen werden soll.
Recherche der wissenschaftlichen Literatur
Bei der Durchsicht der wissenschaftlichen Literatur vermittels des Forums PubMed fand sich erstaunlich viel
wissenschaftliche Literatur zum Thema Gesundheitsamulette aus vielen Ländern. So zum Beispiel eine Arbeit aus
Israel, wo der Einsatz von Amuletten im Krankenhaus auf der Intensivstation wie selbstverständlich dazugehörte. Des
Weiteren fanden sich große Studien zur Wirksamkeit von Amuletten mit unterschiedlichen, teilweise kontroversen Ergebnissen.
Der Übergang von Gesundheitsamuletten zum Schmuck und die Umwidmung in andere Zweckbestimmungen ist selbstverständlich fließend.
Danksagung
Herrn Prof. Dr. Rolf Denk danke ich für die Inspiration zum Thema und die Ansprache in der Diskussion medizinischer Sachverhalte. Herr Wilfried Glar half mir sehr, meine Sammlung von Gesundheitsamuletten zu verdoppeln. Er
versorgte mich mit Literatur zum Thema und vermittelte zu Informationen von anderen Sammlern.
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