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Zum westafrikanischen Manillen - Geld.*
Rolf Denk
Trotz einer umfangreichen Literatur1zum Manillen – Geld aus Westafrika ist das Aussehen der frühen Geldmanillen bis in die jüngste Zeit undeutlich geblieben.
I. Man kann davon ausgehen, dass die Portugiesen als erste Kupferbarren in Armreifform nach Westafrika brachten. Zunächst wahrscheinlich nur als ein von der
einheimischen Bevölkerung hochgeschätztes Grundprodukt, das aber allmählich einer Standartisierung unterzogen wurde. Dies ergibt sich aus den von Strieder (1930/1962) publizierten Antwerpener Notariatsverträgen
zwischen dem Faktor des Königs von Portugal und dem Faktor der Firma Fugger aus dem Jahr 1548. Danach waren Manillen aus Messing nach genau vorgegebenen Mustern2 herzustellen und zu liefern. Die Ware mußte den Mustern entsprechen, die der Faktor des Königs von Portugal dem Vertreter der Firma Fugger übergeben hatte (Strieder, 1930 S.XXXIII). Gefordert waren zwei Manillen-Arten: a) Manillen für den Handel mit Elmina3 [manillas para el trato dela Mina] b) Manillen für den Handel mit Guinea4 [manillas de trato de Guine]. Die beiden Manillen-Arten unterscheiden sich im Gewicht:
Elmina Manilla: 160 Stück auf 100 arrates5 = 1 Manilla zu 0,625 arratel = 286,8 g
Guinea Manilla: 190 bis 200 Stück auf 100 arrates: gerechnet: 195 Stück auf 100 arrates = 1 Manilla zu 0,512 arratel = 234,9 g
Die Elmina Manillen sind mit 287 g im Durchschnitt also schwerer als die Guinea Manillen. mit 235 g. Für die Elmina Manillen war noch festgelegt: "
mit glatten und gut geschliffenen Köpfen, genannt tacoais6" ["de cabecas lizas y bien limadas que se llaman tacoais"] (Strieder, 1930 S.452).
Das Wort tacoais kommt aus dem Portugiesischen und ist der Plural von tacoal, ein Wort, das ich bisher in keinem Wörterbuch finden konnte7. In einem ebenfalls von Strieder 1932 (S.255) veröffentlichten
portugiesischen Dokument (Archiv dos Feitos Findos, Lissabon) taucht dieser Begriff schon über hundert Jahre früher (15. September 1441) in gleichem Zusammenhang auf: "Esteuam Rodriguez mandamos uos que
dees aos mouros que uieram d’Azamor os uestidos e cousas abaixo declaradas. Item Mafamede Colima principal delles tacoãis
de preço e simquenta reas e ....... " [zu Deutsch: Estevam Rodriguez, Wir befehlen Euch, den Mauren, die von Azamor gekommen sind, die Kleider und die unten angeführten Dinge zu geben: Item, dem Mafamede, dem Vornehmsten unter ihnen,
tacoais8 im Werte von 150 reaes und ....].
In einem 2 Jahre älteren Dokument (4. November 1439) wird zwar nicht der Begriff tacoais
verwendet, es wird jedoch die Vorgabe wie die Endstücke der Manillen auszusehen haben aufgeführt: "Esteuam Rodriguez mandamos uos que mandes uir de Ueneça manilhas de preço de seteçemtos e setemta reaes muyto bem acabados as cabeças e limadas ..." [zu Deutsch: Estevam Rodriguez, Wir befehlen Euch aus Venedig
Manillen im Wert von 770 reaes mit sehr vollkommen ausgeführten und abgefeilten Köpfen kommen zu lassen und ....].
Zur Zeit dieser beiden Verträge gab es noch keinen regelmäßigen Kontakt auf dem Seewege mit der westafrikanischen Küste. Und trotzdem verwendeten die
Portugiesen schon "tacoais" genannte Manillen zumindest als Wertgegenstände bei Kontakten mit Nordafrikanern.
Einen sehr frühen Bericht über die Verwendung von Messingarmreifen zum Sklavenkauf haben wir von Eustache de la Fosse vorliegen. Er trieb in den Jahren
1479-1480 Handel an der Goldküste (Fouché-Delbosc, 1897 S.1819; Fosse, 1949; Mauny, 1952 S.568). Als Nichtportugiese war ihm dies aber nicht gestattet, weshalb er in Afrika gefangen genommen und in Portugal zum Tode
verurteilt wurde. Es gelang ihm aber die Flucht, so dass er 40 Jahre später seine Reiseberichte veröffentlichen konnte.
Schon während der Regierungszeit des portugiesischen Königs Don Manuel (1495–1521) wurden sehr große Gewichtsmengen (1.195.759 livre10 = 562663 kg) an Manillen aus Deutschland über Anvers in Flandern nach Portugal geliefert (Goris, 1925 S.241/255). Wenn man den Lieferzeitraum auf 27 Jahre hochrechnet und ein durchschnittliches Manillengewicht von 300 g ansetzt, so kommt man auf eine jährliche Stückzahl von 69464 gelieferten Manillen.
Von Estevão Barradas, dem Faktor von São Jorge da Mina, ist der Abschlußbericht vom 20. August 1510 über seine 29-monatige Tätigkeit (20. August1504
bis 10. Januar 1507) erhalten. Darin ist aufgelistet, dass ihm während dieses Zeitraums 287 813 Manillas geliefert wurden (Blake, 1942 Bd.I S.107). Dies entspricht 119095 Manillen pro Jahr.
Der deutsche Kaufmann Balthasar Springer (Sprenger), der in der Flotte von Francisco d‘Almeida an der Reise nach Indien teilnahmen, berichtet schon 1505/06
über die Verwendung von Messingringen (manilhas de latam in der Bearbeitung von Hümmerich) als Zahlungsmittel an der Küste Westafrikas (Schulze, 1902 S.37; Schulze, 1909 S.29; Hümmerich, 1918 S.81; Erhard und Ramminger, 1998 S.15 (Faksimile Originaltext) und S.41). Über Form und Gewicht dieser Manillen werden allerdings keine Angaben gemacht.
Von 1519 bis 1522 war der portugiesische Geograph und Seefahrer Pacheco Pereira Gouverneur des 148111 errichteten Forts São Jorge da Mina (Elmina). Er hatte Westafrika aber schon vor seiner Gouverneurszeit besucht und darüber in seinem Buch 'Esmeraldo de Situ Orbis'12 berichtet. Mehrfach gibt er an, dass Waren der einheimischen Bevölkerung mit Messing Manillen bezahlt wurden (in der von Mauny13 1956 editierten Ausgabe auf den Seiten 65, 77, 81, 85, 95, 125, 131, 135, 139, 147, 149, 181; s.a. Teixeira da Mota, 1969 S.10, 12, 14), jedoch gibt es keine Daten zur Form oder zum Gewicht der Manillen.
Vogt hat 1973 Teile der 1971 entdeckten Geschäftsbücher von São Jorge da Mina14 der Jahre 1529 bis 1530
ausgewertet. Aus diesen geht hervor, dass mit einer großen Zahl von Manillen täglich Ware von den Negern erworben wurde. Die Manillen wurden nach ihrem Gewicht und nicht nach Form oder Verzierung bewertet. Das Gewicht einer Manille wird mit 600 g15 angegeben.
Eine tabellarische Aufstellung der jährlich ausgegebenen Manillen in São Jorge da Mina und Axem während der Jahre 1504-1531
hat Vogt 1979 (S.213) veröffentlicht. In dieser Publikation finden sich keine Angaben zu Form und Gewicht der Manillen aus Messing.
[Bei der Auswertung der älteren nicht portugiesischen Literatur ist zu beachten, dass aus den portugiesischen manilhas de latam bei der Übersetzung
Messingreifen, brass bracelets und anneaux de laiton werden.]
Die Portugiesen hatten also schon viele Jahrzehnte vor dem Vertrag mit den Fuggern ständig große Mengen an Manillen nach Westafrika gebracht. Jedoch erst aus
dem 1548 geschlossenen Vertrag ist es möglich geworden, Rückschlüsse auf das Gewicht der Manillen zu ziehen.
Hinweise auf die etwaige Form der Manillen ergeben sich aus den Manillen-Darstellungen auf den Benin Bronzeplatten. Dass es sich dabei um Importprodukte
handeln könnte, legte die oft kombinierte Wiedergabe von Europäern mit oder neben Manillen nahe. Bei Ausgrabungsarbeiten in Benin-Stadt wurden zwei Manillen geborgen, die den Darstellungen auf den Bronzeplatten
entsprachen (Connah, 1975 S.53/147/ 155). Es fehlen dazu aber Größen- und Gewichtsangaben.
A) Anfang der 1990er Jahre wurde ein Schiffswrack aus der Zeit um 1524 in der Getaria Bay an der Küste Nordspaniens gefunden. Die Untersuchung der geborgenen
Fracht brachte zur Manillen Thematik wesentliche neue Erkenntnisse. Denn zur Ladung gehörten 283 tacoais Manillen (Tafel IV Abb.1), die sich wahrscheinlich auf dem Transportweg von Deutschland, den
Niederlanden oder Belgien nach Portugal befanden. Die genauen Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen sind von Benito Dominges & Ibáñez Artica, 2004 und 2005 sowie von Ibáñez Artica, 2005 veröffentlicht
worden. Die folgenden Angaben zu diesen Manillen sind diesen drei genannten Arbeiten entnommen worden.
Zunächst ergibt sich eine klare Übereinstimmung in der Form dieser Manillen mit den Darstellungen auf den Benin Bronzeplatten und Benin Bronzedoppelglocken16 sowie den beiden in Benin Stadt ausgegrabenen Stücken. Das Durchschnittsgewicht der 283 Manillen liegt bei 306 g mit einer Schwankungsbreite von 265 bis 355 g und einem Maximum bei 305 g17. Der größte Durchmesser lag im Mittel bei 10,3 cm und der Stabquerschnitt
in Reifmitte bei durchschnittlich 11,9 mm. Alle Manillen haben die typischen kolbenförmigen Enden und lassen sich schon daran von den verschiedenen Typen der Birmingham Manillen unterscheiden.
Die Metallanalyse der aus dem Wrack geborgenen Manillen ergab gemittelt 67,17 Teile Kupfer, 10,8 Teile Blei und 21,8 Teile Zink sowie einen kleinen Rest von
Spurenmetallen.
B) Ähnliche Manillen sind auch an der Nordwestküste Spaniens im Mündungsgebiet des Vigo gefunden worden und befinden sich jetzt im Museo de la Catedral de
Santiago de Compostella (Marcos Alonso, 2001 S.89). Zumindest Teile dieses Manillenfundes sind von Alfaro Asins et al. (2001) in dem Ausstellungskatalog 'Esto es dinero de los orígenes al euro' auf einem kleinen
Foto (Nr.113) wiedergegeben. Ich habe mir dieses Foto vergrößert, so dass man einzelne Manillen deutlicher erkennen kann. Der überwiegende Teil der abgebildeten Manillen entspricht dem tacoais
Typ. Meine Anfrage nach genaueren Angaben zu den Manillen blieb bisher ohne Antwort.
C) Eine dritte Quelle derartiger tacoais Manillen sind Unterwasserfunde, die von der Arqueonautas Worldwide Arqueologia Subaquática Gesellschaft bei
den Kap Verde Inseln geborgen wurden (Tafel IV Abb.2 links). Zu den Fundumständen konnte ich bisher keine Daten erhalten. Es wurden mindestens 5 Manillen geborgen, von denen ich drei vermessen und fotografieren
konnte. Die Manillen sind konservatorisch bearbeitet, so dass keine Spuren einer langen Meerwassereinwirkung mehr zu erkennen sind. Eine Gussnaht ließ sich nicht feststellen.
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Manille
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I
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II
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II
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Gewicht
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228 g
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278 g
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303 g
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Größter Durchmesser
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9,5 cm
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10,2 cm
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10,1 cm
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Stabquerschnitt in Reifmitte = dünnste Stelle
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10 mm
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11 mm
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11,5 mm
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Durchmesser Endstücke
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2 x 2,1 cm
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2,3 x 2,1 cm
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2,2 x 2,3 cm
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Soweit bei dieser Stückzahl die Ermittlung eines Durchschnittsgewichtes sinnvoll ist, so liegt dieses bei 269,6 g.
D) Vor vielen Jahren hatte ich eine "atypische" Manille deswegen erworben, weil sie den Manillen auf den Benin
Bronzeplatte von der Form her entsprach. Zusätzliche Daten habe ich nicht erhalten. Jetzt bleibt festzuhalten, dass es sich zweifelsfrei um eine der alten portugiesischen Messing-Manillen (tacoais
) handelt (Tafel IV Abb.2 rechts): Gewicht: 247 g; größter Durchmesser: 9,5 cm; Stabquerschnitt in Reifmitte: 11 mm und Durchmesser der Endstücke: 1,8 × 2,0 cm.
E) Bei Opitz, 2000 ist auf Seite 213 eine Manille abgebildet, die nach der persönlichen Auskunft von Ch. Opitz18 ein Gewicht von 270g und einen größten Durchmesser von 9,8 cm hat. Die Durchmesser der kolbenförmigen
Endstücke betragen 1,8 × 2,3 und 2,0 × 2,2 cm. Material optisch Messing. Damit entspricht sie den portugiesischen tacoais Manillen.
II. Mit dem Wechsel der Kolonialmächte änderte sich auch die Form des Manillen-Geldes. Die portugiesischen Manillen mit den keulenförmigen Enden (tacoais
) wurden durch die kleineren und leichteren in England hergestellten Manillen, die sog. Birmingham Manillen19, mit abgewinkelten plattenförmigen Enden abgelöst. Außer der Form änderte sich auch die Metallzusammensetzung. Sie bestand hauptsächlich aus Kupfer und Blei und
unterlag je nach Produktionsstätte großen Schwankungen. Es kam allein darauf an, zu niedrigen Kosten einen
Metallreif zu schaffen, der beim Anschlagen einen Klang gab. Reguläres Glockenmetall war dafür auf jeden Fall zu teuer (Hawkes, 1855).
Die ersten exakten Beschreibungen der typischen Birmingham Manillen liegen von Köler 1848 und Hutchinson
1858 vor. Köler gibt den größten Durchmesser mit 2 ¼ Zoll (= 6,98 cm) an. J. Crawford20 hat ein Konvolut von etwa 5000 Birmingham Manillen gewogen und Gewichte von 43g bis 173g gefunden. Die Birmingham Manillen mit
tellerförmigen Enden jeglichen Typs sind also entscheidend leichter als die portugiesischen Manillen.
Die Analysenergebnisse zu westafrikanischen Geldreifen sind schwierig zu ordnen, da sowohl Birmingham
Manillen wie auch andere Metallreifen unter dem Begriff "Geldringe" zusammengefasst sind (z.B. in der Arbeit von
Wolf, 1968). So beruhen die von Shaw 1965 und 1969 veröffentlichten "Manillen" Analysen ausschließlich auf "knot
manillas, twisted manillas, heavy manillas, and decorated manillas", also Manillenformen, die weder zu den alten portugiesischen noch zu Birmingham Manillen gehören.
A) Schon früh ergab eine Analyse von Salkowski (1887) der von Virchow publizierten in Deutschland gefundenen
Birmingham Manillen, dass sie zu 68% aus Kupfer und zu 24% aus Blei und bestanden21. Luschan hat dieses Analysenergebnis 1901 S.20 nochmals zitiert, ebenso Mauny, 1952 S.573.
B) Auch einige Birmingham Manillen aus der Einzugsaktion 1948-49 wurden auf ihre Metallzusammensetzung
überprüft. Es fanden sich hauptsächlich 63% Kupfer 30% Blei, 2% Zinn, 1% Zink und 0,65% Arsen neben Spuren anderer Metalle (Bell, 1950 S.251; Grey, 1951 S.54).
D) Die Analysen von Craddock und Hook (1995) an einer größeren Anzahl von "Manillen" lassen sich nur schwer
bewerten, da die Bezeichnung der "Manillen" als "manilla, native manilla, large native manilla, small manilla, square
section manilla und manillas from dated wrecks" keine zufriedenstellende Zuordnung ermöglicht22. Lediglich 5 Manillen sind der Abbildung 2 nach sicher als Birmingham Manillen zu identifizieren. Sie fallen in die
Kupfer-Blei-Legierungsgruppe mit durchschnittlich 69% Kupfer, 21% Blei, 7,4% Zinn und 4,4% Zink. Die Metallzusammensetzung der einzelnen Manillen schwankt aber so stark, dass man lediglich ablesen könnte ob sie
aus der selben Schmelze gegossen wurden. Dadurch wird auch die Beobachtung erklärt, dass Birmingham Manillen vom gleichen Typ mit gleicher Größe und gleicher Formgebung doch deutlichen Gewichtsschwankungen
unterliegen.
E) Aus dem Jahr 2002 liegt eine weitere Publikation zur Metallanalyse von "Manillen" mit modernster Technik
(Energy Dispersive X-Ray Fluorescence) vor (Kuntz, Ferguson, Iduma, Kuzava und Benvenuto). In die Untersuchung sind 14 Birmingham Manillen, 2 Manillen von Typ popo, ein Kapsiki Armreif und eine sog. king
manilla einbezogen. Betrachtet man die Ergebnisse der 14 Birmingham Manillen23 so ergeben sich folgende Durchschnittswerte:
Kupfer 39,2%, Blei 38,6%, Zinn 10,2%, Zink unter 1%, Antimon 2,8% und Arsen 1,5%. Wie bei den vorgenannten
Untersuchungen von Craddock und Hook schwanken die Analysewerte für die einzelnen Metalle so stark, dass die von mir vorgenommene Durchschnittswertbildung eigentlich nicht zulässig ist.
III. Führt man sich die bei Johansson (1967) skizzierten Manillentypen vor Augen, so ist leicht zu erkennen, dass die
mkporo und popo genannten Manillen (Tafel IV Abb.3) von der typischen Birmingham Manillenform insofern deutlich abweichen, als sie nicht tellerförmige sondern kolbenförmige Enden aufweisen. Sie lassen damit von der
Form her eine gewisse Ähnlichkeit zu den portugiesischen tacoais Manillen erkennen, sind aber kleiner.
A) Zay (1892) nennt ein Gewicht von 140-150 g, eine Breite von 8 cm und eine Höhe von 6,5 cm für die Manillen
der Elfenbeinküste. Dazu bildet er eine typische popo Manilla ab und sagt, dass dieser Typ in der ganzen Region von Grand Bassam im Gebrauch sei. Ausdrücklich nennt er als Produktionsort auch Frankreich. Die
Metallzusammensetzung wird von Zay mit Kupfer 66,5%, Blei 27%, Zinn 2% und Antimon 4,4% angegeben.
B) In zwei Handzeichnungen sind Kupfer?-Armreifen von der Elfenbeinküste dokumentiert, die ngbolu genannt
wurden, ein Begriff, der heute Geld bedeutet. Sie sind im Aussehen dem popo Manillentyp sehr ähnlich und
könnten den alten portugiesischen Manillen entsprechen. Als Gewicht wird 145 g angegeben bei einer Breite von 8
cm und einem Durchmesser in Reifenmitte von 1 cm (Anonymus, 1945 / Aké-Assi & Bouton-Martin, 1961). Trotz der unzureichenden Zeichnungen dürfen diesen Angaben nach die beiden Reifen als popo Manillen angesehen
werden.
C) Der 'Administration des Monnaies et Médailles' in Paris wurden 1899 vom damaligen Gouverneur der
Elfenbeinküste 6 Manillen (anneaux ouverts en bronze ayant servi de monnaie à Grand Bassam. Mus. Nr. 899-2-1
bis 899-2-6) geschenkt, die bei Rivallain et Iroko, 1986 auf Tafel XV und von Rivallain, 1994 auf Tafel I abgebildet
sind. Sie sind eindeutig als Manillen vom Typ popo zu identifizieren und dazu korrespondiert die Textaussage, die
Enden seien als Pfropfen ( les extrémités sont à tampon) ausgeformt. Der Außendurchmesser wird mit 8,4 cm (von 8,2 bis 8,5 cm) und das Durchschnittsgewicht mit 137,5 g (von 130,0 bis 145,7 g) angegeben. Neben den
englischen Produktionsorten ist auch ausdrücklich Nantes in Frankreich genannt (Rivallain et Iroko, 1986 S.74f).
D) In einem kurzen Bericht zu archäologischen Daten von der Elfenbeinküste Bildet Raymaekers (1994) zwei
typische popo Manillen ab, die er zu den alten Zahlungsmitteln des Landes rechnet.
E) In meiner Sammlung befinden sich 9 Manillen vom Typ popo, von denen 3 aus einem Bodenfund aus Grand
Bassam (Elfenbeinküste) stammen. Ihr Gewichte liegen mit 131 g, 141 g und 145 g relativ eng beieinander, 5 weitere mit nicht bestimmter Herkunftsangabe wiegen 107, 116, 129, 140 und 149 g. Die sechste gehört mit 3
Metallarmreifen zu einem Bodenfund aus Sierra Leone und wiegt 145 g.
Die Metallanalyse einer meiner drei popo Manillen aus Grand Bassam ergab ungefähr 72 Teile Kupfer und 28 Teile Blei24.
F) Die Analyse der popo Manilla aus dem Untersuchungsgut von Kuntz et al. (2002) ergab 39% Kupfer, 52% Blei,
10% Zink, 2,9% Zinn und 4% Arsen. Vom popo Manillentyp schreibt Johansson (1967, S.15), dass er um 1900 Zahlungsmittel in der Stadt Opobo (Süd Nigeria) gewesen wäre. Die mkporo Manillen seien bei den Ibibo
ausschließlich als Begräbnismanillen verwendet worden. Als angeblich ältester Manillentyp, sei er später durch die
kleineren, von den Portugiesen eingeführten nkobnkob (nköp-nköp) Manillen verdrängt worden (dto. S.25).
Die nkobnob Manillen sind aber eindeutig Birmingham Manillen, haben nichts mit den Portugiesen zu tun und sie
sind auch nicht vor den portugiesischen Manillen eingeführt worden. Man muß Johansson in dieser Hinsicht zugute halten, dass er von dem Aussehen der portugiesischen Manillen noch keine Kenntnis haben konnte.
Zu den Manillen, die 1948/49 in Nigeria aus dem Verkehr gezogen wurden, gehörten keine popo Manillen (Grey, 1951).
Zusammenfassung: Noch bevor die Portugiesen begannen, auf dem Seewege große Mengen von
Messing-Manillen nach Westafrika zu transportieren, um sie dort zum Einkauf der für sie wertvollen Landesgüter zu
verwenden, waren die Manillen auf dem Landwege durch die Sahara nach Sierra Leone, zur Elfenbeinküste, nach Ghana und weiter geliefert worden25. Diese Manillen hatten eine bestimmte Form, die mit dem portugiesischen Wort 'tacoais
' charakterisiert war. Da man in den zurückliegenden Jahren solche Manillen gefunden hat, ist man über deren Aussehen, Materialzusammensetzung und Gewicht informiert. Charakteristisch sind die kolbenförmigen
Enden, was vielleicht auch zu ihrer Namensgebung geführt hat.
Von der Elfenbeinküste gibt vielfältige Manillenfunde, die alle einem bestimmten Typ entsprechen. Und zwar
handelt es sich dabei Manillen, die Johansson als popo Manillen beschrieben hat. In der Form ähnelt dieser Typ den tacoais Manillen, denn er hat keine abgewinkelten Endplatten. Wie die tacoais
Manillen haben die popo Manillen ebenfalls kolbenförmige Verdickungen, die von den Franzosen als à tampon beschrieben werden.
Im Gewicht und in der Metallzusammensetzung sind sie aber von den tacoais Manillen deutlich unterschieden, denn
sie sind kleiner, wiegen wesentlich weniger und enthalten einen großen Prozentsatz Blei. Man könnte sie aber als
direkte Nachfolger der tacoais Manillen ansehen, die schon unter dem Gesichtspunkt der Gewinnmaximierung aus
einer minderwertigen Legierung gegossen wurden. Ob die popo Manillen in Frankreich gegossen wurden, was ihr häufiges Auftreten im französischen Einflussbereich Westafrikas vermuten ließe könnte aber erst durch den
Nachweis entsprechender Gussformen oder Archivunterlagen aus Nantes bestätigt werden26.
Die sog. Birmingham Manillen aus englischer Massenproduktion sind ebenfalls aus minderwertigen
Metallzusammensetzungen gegossen, was Hawkes schon 1855 festgehalten hat. In der Form sind sie durch die abgewinkelten Endplatten von den tacoais und popo Manillen einfach zu unterscheiden. Sie sind überwiegend,
aber nicht prinzipiell, auch deutlich kleiner und leichter als die popo Manillen. Die Materialzusammensetzung zeigt zwischen den popo Manillen und den Birmingham Manillen keine eindeutigen Differenzen.
Vergleich der Manillen:
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Form der Manillenenden
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Gewicht
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Material
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tacoal Manilla
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kolbenförmig
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um 300 g
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Cu, Zn
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popo Manilla
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kolbenförmig, kleiner als tacoais
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um 140 g
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Cu, Pb
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Birmingham Manilla
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abgewinkelte Endplatten
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43-173 g
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Cu, Pb
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* Zur Erinnerung an unser Vorstandsmitglied Peter Nagl
1 Denk, R., 1986: 82 Literaturstellen
Denk, R., 1995: 185 Literaturstellen
Denk, R., Juni 2006: Datenerfassungssytem
ILDAVOZ mit 310 Literaturstellen
2 Diese Muster kennen wir weder aus Abbildungen noch aus ausreichend genauen Beschreibungen.
3 An der heutigen ghanaischen Atlantikküste
4 Gesamte Küstenregion Westafrikas im Golf von Guinea.
5 Ein portugiesisches arratel = 458,9 g (Noback, Ch. und Noback, F., 1858 S.383)
6 Der ursprünglich portugiesische Vertrag wurde von dem Antwerpener Notar Peter van Lara gen. De Lovanio ins
Spanische übertragen. Daraus erklärt sich, dass manche Begriffe in portugiesischer Sprache stehen blieben. So das schon genannte portugiesische Gewicht arratel und die Bezeichnung tacoais (singular tacoal).
7 Es gibt in Portugal zwar einen Berg der Tacoal heißt, jedoch kann ich keine Beziehung zwischen einem
(unbedeutenden Berg und der Manillenform erkennen. Der Wortstamm taco heißt im Portugiesischen u.a. "Pfropf".
Den gleichen Wortstamm findet man auch im Spamit der Bedeutung "Absatz". Beide Begriffe wären zur Umschreibung der Endstücke der portugiesischen Manillen vorstellbar.
8 "So werden auch die Manillas genannt." (Fußnote 1 bei Strieder, 1932 S.255)
9 Ohne Kenntnis des Originaltextes ist nicht zu erkennen, dass es sich bei den "anneault de letton" um die
portugiesischen Messing Manillen handelt.
10 Nach Klimpert, 1896 S.203 hatte die alte Antwerpener livre 470,538 g.
11 Gründungsjahr nach Ki-Zerbo, 1981 S. 216
12 Das Erscheinungsjahr des wird zwischen 1505 und 1521 eingeordnet (Ardener, 1968 S.83)
13 eine frühere Edition gibt es von George H. T. Kimble, London 1937
14 Elmina
15 Ob bei dieser Gewichtsangabe nicht eventuell ein Umrechnungsfehler vorliegt, wäre nur durch Einsicht in die
Originalaufzeichnungen im Portugiesischen Nationalarchiv (Nucleo Antigo, Nr.722) zu klären.
16 Bezüglich der Glocken s. Denk, R. Primitvgeldsammler 27, 59-63 (2006)
17 Nach der Tabelle bei Benito & Ibáñez, 2005 S.80
18 e-mail vom 17.06.2006
19 Auch im französischen Nantes wurden gleiche Manillen hergestellt (de Mortillet, G., 1876; Kinsley, M.H., 1901).
20 Persönliche Mitteilung von John Crawford vom 22.07.2001
21 hier werden jeweils nur die zwei oder drei Hauptbestandteile der Metalllegierung angegeben.
22 Es sind zwar die genauen Museumsnummern angegeben, jedoch fehlen dazu die Bilder.
23 Die Ergebnisse der Manillen vom Typ popo, der Kapsiki Armreif und die king manilla wurden von mir
herausgerechnet.
24 Die Analyse wurde von Herrn J. Arabzabal Otaduy der Firma inasmet tecnalia, Donostia – San Sebastián, auf
Veranlassung von Frau Ana Benito, Sociedad de Ciencias Aranzadi de Donostia – San Sebastián, vorgenommen.
25 Diese Meinung hat schon J. Marquart, 1913 S.CCLXXXV vertreten.
26 Weitere Überlegungen zu einer Herkunft aus Frankreich finden sich bei Opitz, 2000 S.210
Literaturverzeichnis (mit dem Datenerfassungssystem ILDAVOZ erstellt)
Aké-Assi, Laurent & Bouton-Martin, Jacqueline
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Aranzadiana (San Sebastian) No 125, 83-84
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