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Benin Doppelglocken,

die Darstellungen von Europäern mit Manillen zeigen.

Rolf Denk

 

In der Ausstellung "Afrika / Die Kunst der Könige" (vom 03. 01. - 02.05.2004) im Haus der Völker in Schwaz befand sich unter den ausgestellten Bronzeobjekten des ehemaligen Königreiches Benin eine Bronzeglocke (genauer Doppelglocke), die besonderes Interesse verdient (Chesi & Merzeder, 2004, S.21) . Auf ihr sind zwei Europäer dargestellt, die eine Manille in der Hand halten.

Europäer, die Manillen in den Händen halten, sind auf den Benin-Bronzeplatten zwar selten aber nicht ungewöhnlich. Luschan, 1901 und 1919 sowie Wolf (1965) haben sich ausführlich mit den Europäer-Darstellungen auf den Benin-Bronzeplatten auseinander gesetzt. Entsprechende Abbildungen von Europäern mit Manillen finden sich in mehreren Veröffentlichungen wie Read & Dalton, 1899 Tafeln 13, 16; Luschan, 1901 Tafel l1; Luschan, 1919 Abb.45, 46, 55, 56, 57, 58, 65, 151 und Tafel 8; Hefel, 1948 Tafeln 39, 40; Fagg, 1963 Abb.41. Bronzeplatten mit Darstellungen von Einheimischen mit Manillen sind dagegen eher selten (Read & Dalton, 1899 Tafel 21; Luschan, 1919 Abb. 177, 178; Forman & Dark, 1960 Tafel 5, 6).

Auf allen diesen Bronzeplatten ist ein einheitlicher Manillen-Typ gezeigt und zwar Manillen, die symmetrisch geformt an beiden Enden in eine kolbenförmige Verdickung auslaufen (s.h. Das Titelbild). Nie finden sich die tellerförmigen abgeflachten und gewinkelt vom Manillenkörper abstehenden Enden, wie sie von den typischen Birmingham Manillen bekannt sind. Daraus läßt sich schließen, dass die Manillen auf den Benin Bronzeplatten einer anderen Herkunft und/oder einer anderen Zeit zuzuordnen sind.

Auf anderen Bronzearbeiten aus Benin hatte ich Manillen Darstellungen noch nicht gefunden, weshalb mich diese "Entdeckung" besonders faszinierte. War diese Beobachtung schon bekannt, und war sie bisher nur meiner Aufmerksamkeit entgangen? Sind solche Darstellungen auch auf den anderen alten Bronze-Doppelglocken zu erkennen? Handelt es sich um Neuschöpfungen auf späteren Repliken? Alles Fragen, die eine erneute Beschäftigung mit den Benin-Bronzen nahelegten.

Zunächst war die genaue Verwendung der Bronze-Doppelglocken zu ergründen. Diese Doppelglocken wurden sowohl aus Elfenbein wie auch aus Bronze hergestellt. Beide Formen sind schon von Ling Roth, 1898 (Abb.2, 3) und von A. Pitt-Rivers in seinem "Antique works of art from Benin" (1900 u. 1978: Tafeln 12, 25 u. 44 (Die Objekte sind im Besitz des Pitt Rivers Museums, Oxford)) abgebildet und grob beschrieben worden. Auf einer Bronze-Doppelglocke (Tafel 12) sind zwar Europäer-Figuren zu erkennen, doch was sie in den Händen halten läßt sich anhand der Abbildung nicht entscheiden. Fagg hat dieselbe Bronze-Doppelglocke 1962 (Abb. 38b) nochmals abgebildet, aber auch auf diesem Foto ist nicht zu sehen ob und ggf. was die Europäer in den Händen halten. Gleiches gilt für das Foto des selben Objektes bei Ling Roth, 1903 Abb. 260. Es finden sich in den vier Publikationen weder detailliert Angaben zu den Europäerfiguren auf der kleinen Glocke noch zur Verwendung dieser "Bronze-Doppelglocken".

Von den elfenbeinernen Doppelglocken sind nur ganz wenige Exemplare bekannt (Pitt Rivers Museum, Oxford: abgebildet bei Pitt-Rivers, 1900/1976 Tafel 25 sowie bei Ling Roth, 1903 Abb.224, 225; Museum of Mankind, London: abgebildet bei Fagg, 1963 Abb.39 sowie Fagg, 1978 Abb.17; Nationalmuseum Lagos: abgebildet bei Eyo, 1977 S.154/235; Privatbesitz: Ling Roth, 1903 Abb.226; Fagg, 1963 Abb.38a; Sotheby Catalogue 8991, 1980 Abb.22; Chesi & Merzeder, 2004 S.20). Soweit es das eingesehene Bildmaterial erkennen läßt, sind auf den Doppelglocken aus Elfenbein keine Personen mit Manillen dargestellt.

Von dem verstorbenen Oba Akzenzua II sind aus dem Jahr 1958 mehrere Fotos bekannt (Fagg, 1968; Fagg 1978 Abb.17; Elliott, 1973 S.27, 31; Willett, 1971 Abb.89; Eyo & Willett, 1983 Abb.36), aus denen die Verwendung der Doppelglocke aus Elfenbein ersichtlich ist. Alle aufgeführten Fotos sind augenscheinlich von William Fagg bei der selben Gelegenheit aufgenommen worden: Bei der Abhaltung der emoboZeremonie hält der Oba eine egogo genannte elfenbeinerne Doppelglocke in der Hand und schlägt sie mit einem kurzen Elfenbeinstab an, um damit die Geister, die sich in der Stadt versammelt haben, zu vertreiben.

Die Doppelglocken aus Bronze haben wahrscheinlich gleichen oder ähnlichen Zwecken gedient. Wie alle anderen Bronzearbeiten auch waren sie allein dem Oba vorbehalten und ihr Besitz war anderen Personen untersagt. Dagegen durften Elfenbeinobjekte auch von rangniederen Führungspersonen besessen und verwendet werden. Diese für uns widersprüchliche Wertgebung könnte darauf beruhen, dass früher Elfenbein als ein landeseigenes Jagderzeugnis leichter als die von der europäischen Einfuhr abhängige Bronze verfügbar war.

Interessanter Weise ist auch auf einer Benin-Bronzeplatte eine Person mit Doppelglocke dargestellt. Ob es sich dabei um eine Doppelglocke aus Bronze oder Elfenbein handeln soll, entzieht sich natürlich der betrachtenden Beurteilung. Auf jeden Fall ist der Träger der Doppelglocke auf der Bronzeplatte ein hochgestellter einheimischer Würdenträger, was sich aus dessen Schmuck und Bekleidung ableiten lässt. Bei den folgend aufgeführten Abbildungen handelt es sich stets um die selbe Bronzeplatte No.98.1-15.68 aus dem Britischen Museum in London: Read & Dalton, 1899/1973 Tafel 25; Luschan, 1919 Abb.297, 298; Forman & Dark, 1960 Abb.17, 18; Dark & Hill, 1971 Abb.5.

Die Benin Bronze-Doppelglocke der Schwazer Ausstellung gehört zur Sammlung Dr. Lindner, München. Ihm verdanke ich auch die Möglichkeit, dieses seltene Objekt (hier Glocke A genannt) für diesen Beitrag fotografieren zu können. Durch einen kaum vorstellbaren Zufall sah ich bei einem Mainzer Sammler kurze Zeit später eine formal gleich gestaltete Benin Bronze-Doppelglocke, von der ich ebenfalls Fotos aufnehmen durfte (hier Glocke B genannt).

Von diesen beiden Doppelglocken soll hier keine vollständige Beschreibung gegeben sondern nur die wichtigen Details bezüglich der Manillen hervorgehoben werden.

 

 

Titelbild

 

Bei der Doppelglocke A (Tafel XIV Abb.1) finden sich an den Seiten der kleine Aufsatzglocke plastisch ausgeformte Europäerfiguren, die jeweils entweder in der rechten oder der linken Hand eine Manille halten (Tafel XV Abb.4). Diese Manillen laufen an ihren Enden in einer kolbenförmigen Verdickung aus entsprechend dem Manillentyp, der in verschiedener Kombination auf den Benin-Bronzeplatten angetroffen wird (siehe Titelbild). Eine Übereinstimmung besteht auch mit dem Manillentyp, der in dem vor der baskischen Küste (Getaria Bay) geborgenen Schiffswrack aus dem 16. Jahrhundert gefunden wurde. Einzelheiten hierzu sind von Ibáñez Artica (2005) in dieser Zeitschrift und von Benito & Ibáñez (2004, 2005) veröffentlicht worden.

Eine weiteres interessantes Detail ist auf der Rückseite der Hauptglocke A zu erkennen. Hier halten zwei als Flachrelief ausgeformte Europäer gemeinsam einen Reif in der Hand. Es ist eindeutig ein Reif und keine Manille (Tafel XIV Abb.3). Gleiches hat auch Ling Roth (1903, S.222) bei der Beschreibung einer Benin Bronzedoppelglocke hervorgehoben: "Below, in low relief, are two European profiles facing each other and holding a ring between them." Bemerkenswert ist dies insofern als es sich um eine Doppelglocke handelt, bei der die kleinere Aufsatzglocke ebenfalls mit zwei Europäerfiguren bestückt ist und Ling Roth diese Glocke genau beschreibt aber nichts dazu sagt, ob die Europäer etwas in der Hand halten.

Die Doppelglocke B (Tafel XIV Abb.2) entspricht im formalen Aufbau der Doppelglocke A. Die Europäerfiguren sind ebenfalls an den Seiten der kleinen Aufsatzglocke positioniert. Sie halten auch entweder in der rechten oder in der linken Hand eine Manille. Aber diese Manillen sollen den Birmingham Typ einer Manille, bei der die Endstücke als abgewinkelte Endplatten ausgeprägt sind, darstellen (Tafel XV Abb.5).

Auf der Rückseite der Hauptglocke B sind auch zwei Europäer im Flachrelief zu erkennen und diese halten gemeinsam mit den Händen zwischen sich eine große Birmingham Manille! (Tafel XV Abb.6)

Aus den Unterschieden in der Manillen-Darstellung auf den beiden Benin Bronzedoppelglocken lassen sich folgenden Rückschlüsse ziehen. Der Gießer der Glocke A hat noch den alten portugiesischen Manillentyp gekannt.

Der Gießer der Glocke hat zur Manillen-Darstellung den jüngeren Birminham-Manillen Typ gewählt und diesen auch nicht richtig geformt. Die Darstellung auf der Rückseite der Glocke B läßt auf eine mangelnde Kenntnis der Vorbilder schließen. Vielleicht ist die Glocke B auch von jemandem hergestellt worden, der nur eine ungenaue Vorstellung von den Manillen hatte. Es ist also die Folgerung naheliegend, dass die Benin Bronzedoppelglocke B in der zeitlichen Zuordnung viel später als die Glocke A anzusetzen ist. Möglich ist aber auch, das es sich um eine ungenaue Replik aus jüngerer Zeit handelt.

Zusammenfassung:

Es handelt sich um eine bisher nicht bekannte Manillen-Darstellung auf einer Benin Bronzedoppelglocke. Die Manillenform entspricht dem der alten portugiesischen Manilla, was auch durch neuere Funde der Unterwasserarchaeologie bestätigt ist. Die Glocke A ist älter als die Glocke B. Die Authentizität der Glocke B ist zweifelhaft. Außer diesen stilistischen Unterschieden wären zusätzlich metallanalytische Untersuchungen* wünschenswert.

*Für die Glocke A bestätigen diese das hohe Alter

     

Literaturverzeichnis (erstellt mit dem Datenerfassungssytem ILDAVOZ)

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2004 Estudio tipológico y metalográfico de las manillas (premoneda africana) fabricadas en

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Benito, Ana Maria & Ibáñez, Miguel

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2004 Afrika / die Kunst der Könige. Katalog zur Ausstellung im Museum Haus der Völker,

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Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums

für Völkerkunde Dresden (Berlin) 24, 111-164

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