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Traditionelle Zahlungsmittel auf Tikopia.

K. Hympendahl

 

 

Bis in die heutige Zeit gibt es auf dem von Polynesiern bewohnten Tikopia, Santa Cruz Inseln, zwei unterschiedliche traditionelle Zahlungsmittel: zum einen die Kokosfaser-Schnur und zum anderen Baumrinden-Stoff.

 

(zum vergrößern auf die Karte - 170kB - klicken)

 

Die Kokosfaser-Schnur

Der Tikopia-Name für diese Schnur ist kafa. Kafa wird zopfartig aus drei Strängen geschlagen. Stärkere Schnüre werden auch 4-strängig geschlagen und heißen dann matai kafa. Das kafa Mate­rial sind die Fasern der Kokosnuss (te kafa).

Die dreisträngige Schnur ist zirka 4 mm breit und 1,5 mm stark. Die mir vorliegende Schnur ist zirka 11 m lang und ist burgunderrot'. Sie wird, wie bei Seeleuten üblich, aufge­schossen und ihre Buchten haben eine Länge von zirka 40 cm (Tafel VII Abb. l ). In dieser vorliegenden Form wird sie als Geschenk verwendet.

 

' Anmerkung der Redaktion: Warum die Rotfär­bung ausgeführt wird, ließ sich z. Zt. nicht klären. Sie ist aber auch auf der dem Reisebericht von Stührenberg und Maitre (GEO Nr.9, 2000) beige­fügten Abbildung (Seite 85) gut zu erkennen. Da­gegen ist in den Publikationen von Firth ist eine Rotfärbung der kafa - Schnüre nicht erwähnt.

 

Die Kokosfaserschnur ist ein wichtiger Teil des täglichen Bedarfs auf Tikopia. Hiermit wurden und werden bis heute noch die Hauptbalken (sumu) mit den Querbalken (woa) der Häuser (fale) zusammengehalten oder die Ausleger (ama) der Auslegerkanus festgeschnürt. Wie stark die Schnur ist, zeigt, dass selbst große Fische und Haie traditionell mit Angelhaken und kafa Schnur gefangen wurden. Auch Gürtel, die den tapa Umhang halten, wurden und werden aus kafa hergestellt.

 

Baumrinden-Stoff

Das bedeutendere Zahlungsmittel scheint mir tapa zu sein. Es wird auch Foi maue nga Tikopia (Geld von Tikopia) genannt.

Tapa wird von Männern (maro = Hüfttuch) und Frauen (ngatinea = Rock) getragen, aber auch von Jungen und Mädchen. Wenn es mit Tumeric (Gelbwurz oder auch Kurkuma) ockerfarben gefärbt wird, heißt es terenga. Ich konnte mehrfach beobachten wie angesehene Männer dieses Tapa erhielten. Hierzu zählen die vier Häuptlinge und die marus (ihre Berater).

Bekanntlich wird tapa aus dem Innenteil der Rinde des Maulbeerbaumes gewonnen und diente im pazifischen Raum als die einzige Bekleidung (Umhang, Lendenschurz). Zudecke etc. Zuerst wird es in Salzwasser geweicht, dann getrocknet und schließlich mit einem vierseitigen geriffelten Hartholzhammer über einem Baumstamm weich geschlagen, wobei man in diesem Prozess endlos Teile aneinander „setzen" kann. Tapa als Geschenk wird ordentlich auf ein Format von zirka 60 x 60 cm gefaltet (Tafel VII Abb.2 und 3) und dann der Ehrenperson überreicht.

 

 

Geschenkanlässe

Ein Anlass für das Schenken von kafa und tapa sind meist traditionelle Zeremonien wie Hochzeit (Tafel VIII Abb.4), Erholung von einer starken Krankheit, Ankunft nach langer Insel­abwesenheit, Beschneidung der zirka12 bis 14 jährigen Jungen. Kafa wird besonders bei Todesfeiern verschenkt (Tafel VIII Abb.5) und wurde auch ur­sprünglich vorrangig im Todesfall hergestellt. Auch bei der Geburt des ersten Sohnes einer Respektsperson wurde kafa verschenkt.

Es ist üblich, dass der Beschenkte keine Miene beim Beschenken verzieht und sich völlig gleichgültig dem Schenker und dem Zahlungsmittel gegenüber verhält. Ein bei uns übliches „Dankeschön" wird nicht geäußert, denn das Schenken oder „Zahlen" hat seinen traditionellen Grund, der ein Lächeln oder Dankeschön überflüssig macht. Es kommt sicherlich bald für den Beschenkten die Gelegenheit, bei der man sich durch eigene Geschenke revanchieren kann.

 

Nachtrag der Redaktion:

Der Autor K. Hympendahl hat Tikopia schon mehrfach besucht. Wie wir im Januar 2003   den Fernsehnachrichten und der Tagespresse entnehmen konnten, wurde die Insel von einem schweren Zyklon mit Windstärken bis 350 km/Std. erfasst. Die ersten Berichte gingen davon aus, dass keiner der 1300 Einwohner die Katastrophe überlebt hatte. Durch eine Funkverbindung hatten sie aber von der Bedrohung erfahren und waren wie schon ihre Vorfahren bei gleichen Anlässen in ihnen bekannte Höhlen geflüchtet. So haben alle Einwohner überlebt, waren anschließend aber ohne jegliche Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln. Bei einem ähnlichen Unwetter vor 50 Jahren konnten sich die Einwohner ebenfalls vor den Fluten retten, es waren damals aber anschließend mehr als 200 Insulaner verhungert. Zwei Tage nach dem Zyklon hat der neuseeländische Journalist Geoff Mackley von einer Chesna aus Aufnahmen von Tikopia gemacht. Man sah zertrümmerte Gebäude und blattlose Palmstümpfe. Das Bild auf Tafel VIII (Abb.6), das K. Hympendahl 9 Monate nach dem Zyklon aufgenommen hat, macht noch immer das ganze Ausmaß der Verwüstung deutlich. Marinehub­schrauber und später ein Hilfsschiff der Zentralregierung der Salomonen in Honiara (zunächst hatte die Regierung das Geld für die Hilfsmaßnahme gefehlt) versorgten die Inselbewohner. Gemeinsam mit Freunden hat sich Herr Hympendahl mit der Errichtung einer kleinen Krankenstation auf der Insel engagiert ( im Internet unter www.helptikopia.de) und dieser Verein nimmt jede finanzielle Spende gern entgegen:

 

Spendenkonto:

      Help Tikopia e.V.

      Bei der Dresdner Bank

      BLZ 300 800 00

      Kto.-Nr. 0363772400

 

 

 

Literaturverzeichnis (von der Redaktion erstellt)

 

Firth, Raymond

1939                             Primitive Polynesian economy. London

 

Firth, Raymond

1959                             Social change in Tikopia. Restudy of a Polynesian community after a generation.

               London

Firth, Raymond

1963                             We, the Tikopia. A sociological study of kinship in primitive Polynesia. London

 

Firth, Raymond

1967                             Tikopia ritual and belief. London

 

Stührenberg, Michael und Maitre, Pascal

2000                             Eine Insel wie aus Kinderträumen. GEO (Hamburg) Nr.09, 72- 100

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