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BUCHBESPRECHUNG: Das Manillen-Geld Westafrikas

Hardcover      ISBN 978-3-86460-272-1   55,00 EUR
Taschenbuch  ISBN 978-3-86460-728-8   35,00 EUR

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Das Manillen-Geld Westafrikas
Spurensuche und Spurensicherung 1439 – 2016

(ENGLISH VERSION BELOW)

Zusammenfassung

 Eine Diskussion des westafrikanische Manillen-Geldes verlangt zunächst eine Definition, welche Gegenstände dieser Geldform zugeordnet werden können. Primär ist festzuhalten, dass nicht alle Metallreifen, die in Westafrika von Landesfremden importiert oder von einheimischen Volksgruppen hergestellt und verwendet wurden unter dem Begriff Manilla zusammengefasst werden dürfen.

Der Begriff Manilla stammt wahrscheinlich aus dem Portugiesischen und wurde später in andere europäische Sprachen (z.B. Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) übernommen. Oft findet sich in der bearbeiteten Literatur aber auch nur die Übersetzung als Arm- und/oder Fußreif aus Kupfer oder Messing. Die echten Geld-Manillen sind aber nie als Schmuck getragen worden, da sie für diesen Zweck nicht geeignet waren. In der Literatur finden sich aber durchaus indigene Begriffe für die von den Europäern Manillen genannten Geldreifen. So in der Côte d’Ivoire für den dortigen popo Typ: ngbolu und dagbo; und in Südost-Nigeria für den Birmingham Typ igbi, igbiki, ejemma, mkpoala und ojoma.
Die Geld-Manillen sind immer ein von den Europäern hergestelltes und importiertes Produkt gewesen.

Die ersten Manillen wurden von den portugiesischen Seefahrern zum Zweck des Handels ab 1456 nach Westafrika, von Mauretanien bis zum Königreich Kongo, gebracht. Es gibt aber auch Berichte portugiesischer Missionare, die die Ausfuhr von landeseigenen Manillen in nördlicher gelegene portugiesische Handelsstationen, ja sogar an den portugiesischen Königshof belegen. Ob die Geld-Manillen primär ein kongolesisches Produkt waren und wegen ihrer Begehrtheit bei anderen westafrikanischen Ethnien von den Portugiesen für den gleichen Zweck nachproduziert wurden oder ob die portugiesischen Manillen von den kongolesischen Handwerkern nachgeformt wurden, muss der derzeitigen Quellenlage nach offen bleiben.

Von den frühen kongolesischen Manillen sind außer einer nicht belegten Gewichtsangabe und der Aussage, dass sie aus gutem Kupfer waren, keine Daten überliefert.

Zu den portugiesischen Manillen gibt es Belege für eine Herstellung in Deutschland und Belgien. Auch die Form dieser tacoais genannten Manillen ist aus Vorgaben zu deren Herstellung bekannt und es lässt auch indirekt ihr Gewicht errechnen. Die plastischen Darstellungen auf den sog. Benin Bronzeplatten, auf Zeremonial-Gongs der Herrscher des Königreichs Benin und auf Elfenbeinschnitzereien der Bini geben uns ein genaues Abbild der frühen, von den Portugiesen exportierten tacoais Manillen. Es handelt sich dabei um massive offene Reifen mit trompetenförmig verdickten Enden. Meeresarchäologische Forschungen und Objektbergungen der zurückliegenden Jahrzehnte haben die Formgebung der portugiesischen Manillen bestätigt und auch einzelne Gewichtsangaben geliefert. Über die Metallzusammensetzung liegen nur wenige Untersuchungen vor. Meistens handelt es sich um Kupferlegierungen vom Bronze- und/oder Messingtyp. Auf jeden Fall fehlen höhere Bleibeigaben (unter 12% ). Der Zinkanteil liegt um 20%. Es handelt sich aber immer um einzelne Bestimmungen, weshalb Metallanalysen in größerem Umfang wünschenswert wären.

Die portugiesischen Manillen wurden auch von den anderen an der westafrikanischen Küste Handel treibenden europäischen Nationen zum Kauf von Gold, Elfenbein, Pfeffer und später auch Sklaven verwendet, obwohl die Portugiesen dieses Handelsobjekt gern in eigener Regie behielten. Die einheimischen Volksgruppen ließen sich zwar von den Europäern mit tacoais Manillen bezahlen, verwendeten diese wohl aber überwiegend als Rohmaterial für eigene Handwerksarbeiten und nicht zu Bezahlvorgängen untereinander. Das erklärt evt. auch den Umstand, weshalb von den in großen Stückzahlen eingeführten Manillen nur einzelne Stücke erhalten blieben.

Von der Form her lassen sich die sog. popo Manillen von den tacoais Manillen gut ableiten, obwohl sie nur noch gut die Hälfte wiegen. Gewichtmäßig gibt es einen gleitenden Übergang von den tacoais zu den popo Manillen. Alle popo Manillen, die von mir untersucht werden konnten, haben Gussnähte, während die wenigen selbst begutachteten tacoais (oder tacoais nahen Manillen) keine Gussnaht erkennen ließen. Metallanalysen der popo Manillen  ergaben neben dem überwiegenden Kupferanteil, über 25% Blei, etwa 3% Zinn, um 5% Antimon und Eisen in Spuren. Auch hier ist die Zahl der analysierten popo Manillen für allgemeingültige Aussagen zu klein.

Das Vorkommen der popo  Manillen ist im Wesentlichen auf die Côte d’Ivoir begrenzt, aber auch in den Fetischhäusern der Igbo im Süden Nigerias und unter den Ladungen geborgener Schiffwracks finden sich immer wieder einzelne typische popo Manillen mit Gussnaht. Das gehäufte Vorkommen in französischen Einflusszonen Westafrikas, stützt die spärlichen Angaben einer Manillen Produktion auch in Frankreich.

Wann und wo dieser mögliche Übergang von den tacoais Manillen zu den popo Manillen erfolgte ist nicht auszumachen. Erste Berichte, aus denen sich gesichert popo Manillen in der Côte d’Ivoire nachweisen lassen datieren in das Jahr 1885 (Zay 1892: 247).

Zur Verwendung der popo Manillen durch die indigene Bevölkerung liegt eine Reihe von eindeutigen Berichten vor. Wichtig ist, dass diese stets von den Europäern importierten Manillen nicht nur von den Europäern zum Kauf von westafrikanischen Produkten verwendet wurden, sondern auch den Einheimischen als Zahlungsmittel dienten. Dies bestätigt sich auch darin, dass die Bevölkerung eigene Bezeichnungen für die Manillen hatten (s. o.) und nicht den Begriff Manille übernahm.
Die popo Manillen wurden als Zahlungsmittel von der französischen Kolonialregierung durch einen Erlass im Jahr 1915 außer Kurs gesetzt.  

Die englischen Birmingham Manillen waren nicht an der gesamten westafrikanischen Küste im Umlauf. Ihr Verbreitungsgebiet umfasste die östliche Nigerdelta-Region, das südliche Igbo Land und den größten Teil des Ibibio Landes. Ein Manillen – Zentrum war Owerri, die ehemalige Hauptstadt der Republik Biafra, und der heutige Verwaltungssitz des nigerianischen Bundesstaates Imo (Karten 20, 28). Naanen spricht vom manilla belt (1993: 430).
Von den sog. Birmingham Manillen zeigen eigentlich nur noch die frühen Formen im Aussehen andeutungsweise eine Verwandtschaft mit den tacoais Manillen. Gemeinsam ist beiden, dass sie in Europa zum Handel mit der einheimischen Bevölkerung Nigerias herstellt wurden. Hier ging es aber nicht mehr darum, den Afrikanern eine gute Ware anzubieten, sondern einzig um die Produktion eines regional akzeptierten, billigen „Geldstückes“ für den Wareneinkauf (Palmöl, Elfenbein, Sklaven). Warum die Stämme Südnigerias an den englischen sog. Birmingham Manillen so großen Gefallen gefunden hatten, blieb bisher unbekannt. Dieser Manillen Typ war jedenfalls  nicht für eine Weiterverarbeitung geeignet und konnte auch nicht als Schmuck getragen werden.  Der Beginn der Manillen Herstellung ist für England durch den Fund einer Gussform aus Ton in Exeter derzeit vor das Jahr 1645 festzulegen, während schriftliche Dokumente mit einer Beschreibung der Birmingham Manillen Form erst für das Jahr 1732 (Barbot: Description) vorliegen.

Das Gewicht der Birmingham Manillen liegt überwiegend unter 100 g mit einer Schwankungsbreite von  ̴ 43 g bis  ̴ 175 g. Selten sind überschwere Exemplare bis  ̴ 270 g. Zu diesen großen Exemplaren gehören die Birmingham Manillen vom Typ mkporo (auch passend zur Gussform von Exeter!) mit erkennbarer Gussnaht, die von der Form her noch die größte Ähnlichkeit zu den portugiesischen tacoais Manillen aufweisen und die fast ausschließlich zeremoniellen Zwecken dienten, während dagegen die kleineren Typen ein wichtiges landeseigenes Marktgeld bildeten.

Für die Birmingham Manillen ist nach den derzeit vorliegenden Metallanalysen ein hoher Bleigehalt von über 25% charakteristisch. Allerdings gibt es zu dem größeren und schwereren Typ mkporo keine entsprechenden Untersuchungen. Es wäre aber nicht verwunderlich, wenn deren Bleigehalt noch deutlich unter 20 % liegen würde. Als Besonderheit gibt es auch Manillen aus Eisen, die in England zur Kostenoptimierung hergestellt wurde. Die stellte sich aber als ein Flop heraus, da die Nigerianer die Nachbildungen aus Eisen zurückwiesen.

Für eine große Zahl von Birmingham Manillen werden in der Literatur verschiedene Typenbezeichnungen angeführt, die sich aber am eigenen Material nicht wiederholbar verifizieren ließen. Gewicht und äußere Form gestatten zusammen keine Typisierung. Schon 1991 und 1996 schrieb Baker:
There were so many varieties of manillas in use at various times over several hundreds of years that
 no one can now catalogue the full range. (1991: 95; 1996: 306) Dies trifft auch derzeit noch zu.

Die Birmingham Manillen wurden 1949 in einer umfangreichen Aktion zwangsweise gegen englisches Geld umgewechselt. Nur für zeremonielle Zwecke, wie z.B. den Brautpreis, durften 200 Stück pro Person behalten werden.

Die sog. King- und Queen-Manillen waren keine Manillen aus europäischer Produktion. Sie hatten auch keine Zahlungsmittel Funktion und können auch nicht als ein Großgeld der Birmingham Manillen angesehen werden. Sie dienten ausschließlich bei den Igbos und Ibibio als Zeremonialgegenstände. Die King- und Queen-Manillen sind Produkte einheimischer Handwerker mit einem hohen Kupfergehalt. Metallanalytisch besteht keine Verwandtschaft zu den Birmingham Manillen.

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The Money Manillas of West Africa
Seeking and securing their traces from 1439 – 2016

Summary

 Any discussion of the money manillas of West Africa must start by defining which objects can be considered as belonging to this form of money. To begin with, it must be made clear that not all the metal bands imported into West Africa by foreigners or made and used there by indigenous peoples can be grouped together and called “manillas”.

The term “manilla” probably originates from the Portuguese and was later taken over into other European languages (e.g. German, English, French, Spanish). However, often the literature studied only gives “a copper or brass bracelet or ankle ring” as the translation. The real money manillas were never worn as jewellery as they were not suitable for this purpose. However, the literature does give native names for the money bands the Europeans called manillas. The popo type used on the Ivory Coast are given as ngbolu and dagbo, while the Birmingham type used in southeastern Nigeria are called igbi, igbiki, ejemma, mkpoala and ojoma. The money manillas were always manufactured and imported by the Europeans.

The first manillas were brought to West Africa – from Mauretania to the Kingdom of Congo – for trading purposes from 1456 on. However, there are also reports from Portuguese missionaries giving evidence that local manillas were exported to more northerly Portuguese trading stations and indeed even to the Portuguese royal court. On the basis of currently available sources, the question of whether the money manillas were primarily a Congolese product later copied by the Portuguese for the same purpose due to their desirability among the other West-African ethnic groups, or whether it was the Portuguese manillas which were copied by the Congolese craftsmen, will have to remain open. No details of the early Congolese manillas have been handed down, other than a weight for which there is no evidence and a statement that they were made of good copper.

There is evidence that Portuguese manillas were produced in Germany and Belgium. The form of these manillas, known as tacoais, is known from manufacturing specifications which also, if indirectly, enable their weight to be calculated. The three-dimensional representations on the so-called Benin bronze plaques or ceremonial gongs of the rulers of the Kingdom of Benin and on the ivory carvings of the Bini give us an exact picture of the early tacoais manillas exported by the Portuguese. These are massive open hoops with trumpet-shaped, thickened ends. Marine archaeological research and objects excavated from previous centuries have confirmed the shape of the Portuguese manillas and have also produced individual weights. There are very few test results available on the metallic composition. Most manillas were made of bronze or brass type copper alloys. There were no high proportions of lead (less than 12 %) and the proportion of zinc was about 20%. However, these were always individual results, which is why metal analyses on a larger scale would be desirable.

The Portuguese manillas were also used by the other European nations trading on the West African coast to buy gold, ivory, pepper and later also for slaves, although the Portuguese preferred to retain control of this commodity themselves. The local ethnic groups were willing to accept tacoais manillas in payment from the Europeans, but they probably used them mainly as raw material for their own craftwork and not as payment in transactions among themselves. This may also explain why, although the manillas were imported in large numbers, only individual pieces remain.

As far as the shape is concerned, the so-called popo manillas could well derive from the tacoais manillas, even though they only weigh just over half as much. There is a gradual transition in weight from the tacoais manillas to the popo manillas. All the popo manillas I examined had casting seams, while the few tacoais (or similar) manillas I examined myself showed no signs of casting seams. Metallic analysis carried out on the popo manillas showed that they were predominantly made of copper, but also contained more than 25% lead, about 3% tin, around 5% antimony and traces of iron. Here again the number of the popo manillas analysed is too small to make general statements.

Most popo manillas are found on the Ivory Coast, but individual typical popo manillas with a casting seam are found time and again in the fetish houses of the Igbo in southern Nigeria and in cargos brought up from recovered shipwrecks. Their increased incidence in the areas of French influence in West Africa lends support to the sparse indications that manillas were also produced in France.It is not possible to determine when and where this possible transition from tacoais to popo manillas took place. The first reports with definite evidence of the existence of popo manillas on the Ivory Coast date from the year 1885 (Zay 1892:247).

There are a number of reports on popo manillas being used by the indigenous population. It is important that these manillas, which were always imported by the Europeans, were not only used by Europeans to buy West African products, but that they also served the native peoples as a means of payment. This is also confirmed by the fact that the local population had their own names for the manillas (see above) and did not adopt the term “manilla”. The popo manillas were put out of circulation as a currency by a decree of the French colonial government in 1915.

The English Birmingham manillas were not used everywhere along the West African coast, but were widely spread in the eastern Niger Delta region, in the southern Igbo area and in most of the Ibibio areas. Owerri, the former capital of the Republic of Biafra and the present seat of administration of Imo, a federal state of Nigeria (see maps 20, 28), was a centre for manillas. Naanen speaks of the manilla belt (1993: 430).

Of the so-called Birmingham manillas, only the early forms still look as though they might be related to the tacoais manillas. The two have in common that they were made in Europe for trading with the indigenous population of Nigeria. However, it was no longer a question of offering the Africans a good product, but merely of producing regionally accepted, cheap “coins” for buying goods (palm oil, ivory, slaves). It is not known why the English Birmingham manillas were so popular with the tribes of southern Nigeria. This type of manilla was certainly not suitable for further processing, nor could it be worn as jewellery. At present, due to the discovery of a clay mould in Exeter, the beginning of manilla manufacturing in England can be dated as being prior to 1645, although written documents giving a description of the Birmingham manilla mould do not predate 1732 (Barbot: Description)

The weight of the Birmingham manillas was usually below 100 g and varied between  ̴ 43 g and  ̴ 175 g. There are a few rare, particularly heavy examples weighing up to   ̴ 270 g. These big pieces include the mkporo-type Birmingham manillas (which fit the mould in Exeter!) with a visible casting seam which in shape have the greatest similarity to the Portuguese tacoais manillas and which were used almost exclusively for ceremonial purposes, while the smaller types formed an important currency on the internal markets of the country.

According to the metallic analyses at present available, a high lead content of over 25% was characteristic of the Birmingham manillas. However, there are no corresponding results available for the bigger and heavier mkporo type. It would not be surprising if their lead content was well below 20%. One peculiarity was manillas made of iron which were produced in England with the intention of reducing costs. They turned out to be a flop as the Nigerians rejected the iron copies.

In the literature on the subject there are various names listed for a great number of Birmingham manillas, but these cannot be verified replicably with the material at hand. Weight and outward form together do not permit the manillas to be typed. As early as 1991 and 1996 Baker wrote:

There were so many varieties of manillas in use at various times over several hundreds of years that
no one can now catalogue the full range. (1991: 95; 1996: 306) This still holds true today.

The Birmingham manillas were changed into English money in a compulsory and comprehensive campaign in 1949. People were allowed to keep only 200 pieces each for ceremonial purposes, e.g. for the bride price.

The so-called king and queen manillas were not produced in Europe, had no function as currency, nor could they be regarded as big pieces of Birmingham manilla money.  They served exclusively as ceremonial objects for the Igbos and Ibibio. The king and queen manillas were produced by indigenous craftsmen and had a high copper content. Metallic analyses show no relationship to the Birmingham manillas.

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