Brauner Belag auf den Geldstücken von Lannatai


Brown Covering on the Coins of Lannatai
(English VERSION follows below)

Hans Menzel-Severing

Auf den Unterseiten der Geldstücke von Nan (Abb.1a/b), der Toks von Chiengmai (Abb.2a/b), des „Flower-Money“, „Oyster-Shell-Money“ (Abb. 3a/3b), „Horse-Hoof-Money“ und „Pig-Mouth-Money“ ist ein bräunlicher Belag zu sehen, der einmal als verkrustetes Eigelb oder Hühnerblut beschrieben wurde. (Le May; Opitz) – In vielen Publikationen ist diese Erklärung übernommen und nicht immer bezweifelt worden. Krisadaolarn / Mihailovs vermuten: “We think that the coloring was achieved by applying gold leaf to the obverse after production“. (S.64) –

Abb. 1a Tok Nan Unterseite

Abb. 1b Tok Nan Oberseite

Abb. 2a Tok Chieng Mai Unterseite

Abb.-2b-Tok-Chieng-Mai-Oberseite

Abb.-3a-Tok-Chieng-May-Typ-oyster-shell-Unterseite

Abb.-3b-Tok-Chieng-Mai-Typ-oyster-shell-Oberseite

 

Nirundorn Visitsin, Bangkok, schickte folgende Information eines thailändischen Experten, die sinngemäß übersetzt so lautet: „Zunächst bereitete die Münzstätte einen Tonschlick ähnlich der Porzellanerde und fügt dem die Asche eines Holzes zu, dessen Art aber nicht mehr bekannt ist. Dieses Gemisch wird auf das schon gegossene Metallstück aufgetragen und erhitzt, wobei die Glasur entsteht.
Eine wirklich zutreffende Erklärung fand ich in der Literatur bislang nicht.

Gelbe Bleiglätte (yellow litharge) ist eine Bleiverbindung, die beim Schmelzen von bleihaltigen Silbererzen entsteht. Dieses Bleioxyd (PbO) färbt sich im Licht rötlich bis bräunlich. Es ist durch Essigsäure (60%) löslich, wobei die Lösung klar (wässerig) ist.

Ich habe nun dazu zwei chemische Versuche durchgeführt: Bei der Einwirkung von Salpetersäure zeigte sich keinerlei Reaktion. Das bedeutet, dass es sich bei dem Belag nicht um eine organische Substanz handelt. Also können Eigelb oder Hühnerblut ausgeschlossen werden.

Bei einem zweiten Versuch habe ich einen Tok von Nan in Essigsäure gelegt. Nach etwa 30 Minuten begann sich der Belag zu lösen, wobei das Silber wenig angegriffen wurde.

Daraus schließe ich, dass es sich bei dem Belag um die oben beschriebene Bleiglätte handelt. Ob die Bleiglätte nun aus ursprünglich bleihaltigem Silbererz stammt oder aus einem Silber, dem vor der Verarbeitung Blei zugefügt worden ist, sei dahingestellt. Letzteres wäre nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass in Burma lange Zeit Blei als Zahlungsmittel verhandelt wurde.

Literatur:

Krisadaolarn, Ronachai and Mihailovs, Vasilijs
2012 Siamese coins from Funan to the fifth Reign.
Bangkok. p.64

Le May, Reginald
1932 The coinage of Siam. [Journal of the Siam Society (Bangkok) 18]
In: Siamese coins and tokens. An anthology by Le May, Ramsden, Guehler and Harding Kneedler. London, 1977. p.123

Opitz, Charles J.
(200 An ethnographic study of traditional money.
Ocala. p.354

Krisadaolarn, Ronachai
2016 The evolution of Thai Money. From its origins in ancient kingdoms. p.55-58.Bangkok

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Redaktioneller Nachtrag

Die braun bis orangefarbenen Beläge auf der Unterseite des verschiedenen Tok Money sind typenunabhängig intensiv ausgeprägt. Sie sind auch nicht regelhaft gleichmäßig vorhanden. Neben Stücken, die gar keine Auflagerungen erkennen lassen, gibt es auch Exemplare mit fast flächenhaftem Belag. Unter dem Auflichtmikroskop ist zu erkennen, dass es sich nicht um eine amorphe Masse, sondern um mikrokristalline „Ausblühungen“ handelt. Es sind keine metallanalytischen Untersuchungen der Tok- Geldstücke bekannt, die zur Erklärung der Auflagerungen beitragen.
In der Sammlung von R. Braun gibt es zwei Stücke, die von ihm aus Interesse am „Innenaussehen“ durchgesägt wurden. Es handelt sich einmal um ein Tok Nan, das auf der Schnittfläche einen homogenen Kupferfarbton zeigt (Abb.4) und um ein Tok unbekannter Herkunft: „unknown provenance … 17th – 20th centuries“ (s. Krisadoalarn/Mihailovs S.66, Plate B04), dessen Schnittstelle silbrig glänzt (Abb.5).

Abb.-4-

Abb.-5-

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Brown Covering on the Coins of Lannatai

Hans Menzel -Severing

   On the obverse of the coins from Nan, the toks from Chiengmai, the “Flower-Money“, “Oyster-Shell – Money“, “Horse-Hoof-Money“ and “Pig-Mouth-Money“ a brownish film can be seen, which was formerly described as encrusted egg yolk or chicken blood. In many publications this explanation was accepted and rarely doubted. Krisadaolarn / Mihailovs write: “We think that the coloring was achieved by applying gold leaf to the obverse after production.“  (See Fig. 1-3 above).

Mr.Nirundorn Visitsin, Bangkok, forwarded the following information from a Thai collector, Mr. Bajong: „First the mint prepares clay, similar to clay used to produce porcelain clay. This clay is mixed with ashes of a special kind of wood which unfortunately is forgotten today. The mixture then is applied on the surface of he Tok. When the piece is heated the clay turns into glacing enamel.“ (rough translation)

So far I have not found a really convincing explanation in the relevant specialist literature.

Yellow litharge is a lead compound resulting from lead containing silver ore during the process of melting. In light this lead oxide (PbO) takes on a reddish / brownish color. By means of acetic acid (60%) it is soluble.

I carried out two chemical experiments in this field: Upon the action of nitric acid there was no reaction at all. From this follows that the film (see above) cannot be an organic substance. Consequently egg yolk and chicken blood can be excluded.

In a second experiment I put a tok from Nan in acetic acid. After about 30 minutes the film began to separate with the silver being barely damaged.

From this I conclude that the film consists of yellow litharge as described above. Whether this yellow litharge originally comes from lead containing silver ore or from silver to which lead was added before it was processed remains unclear. The latter would be not surprising when you consider that for a long time lead was used as a means of payment in Burma.

Fig. 4 and 5 above are showing the surface of cuts through a Tok Nan and a Tok of „unknown provenance … 17th – 20th centuries“ (s. Krisadoalarn/Mihailovs S.66, Plate B04).