BUCHBESPRECHUNG: Das Manillen-Geld Westafrikas

Hardcover      ISBN 978-3-86460-272-1   55,00 EUR
Taschenbuch  ISBN 978-3-86460-728-8   35,00 EUR

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Das Manillen-Geld Westafrikas
Spurensuche und Spurensicherung 1439 – 2016

Die Geld-Manillen aus Portugal, England und Frankreich gehören zu den bekanntesten nichtmünzlichen Zahlungsmitteln Westafrikas.

„tacoais“ Manillen der Portugiesen

Manillen vom Typ „popo“ aus England oder auch auch Frankreich

Manillen vom Typ „Birmingham“ aus England

Arm-, Fuss- und Halsreife sind vermutlich die in Afrika am weitesten verbreiteten Schmuck-Objekte. Der Interessierte steht damit vor der Aufgabe, aus der Flut von metallischen Reifen und Ringen diejenigen zu bestimmen, die wirklich als nichtmünzliche Zahlungsmittel hergestellt und verwendet wurden – und damit als „Geld-Manillen“ bezeichnet werden können.
-> vergl. die Leseprobe bei „BOOKONDEMAND

Denk unterstützt den Sammler (Ethnologen, Händler, Museums-Verantwortlichen, Historiker, usw) bei dieser Differenzierung mit wissenschaftlicher Vollständigkeit und Genauigkeit. Er „belebt“ dabei seine Objekte, indem er sie in ihren geschichtlichen und ethnologischen Kontext stellt sowie ihre Bedeutung für die damalige Kolonialpolitik aufzeigt – Geld-Manillen sind immer ein von den Europäern hergestelltes und importiertes Produkt gewesen.
Das vorliegende Buch ist nicht die erste Publikation von Denk zu diesen Objekten. Seine „Spurensuche und Spurensicherung“ basiert auf Erfahrungen und Kenntnissen aus Jahrzehnten der Sammler- und Forschungstätigkeit.

Es ist zum Referenz-Werk in diesem Sachgebiet geworden.

 –->     Das Manillengeld – Zusammenfassung 

–>>   Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis 

 –>     Manilla Money — Summary

Fritz Klusmeier, selbst ausgewiesener Fachmann, bespricht das Buch im Detail wie folgt: weiterlesen

Frühjahrstreffen 20.-22. April 2018 in Höhr-Grenzhausen

Hotel Silicium, Schillerstrasse 2-4, 56203 Höhr-Grenzhausen
Kontakt: „Veranstaltungsreservierung“ oder Frau Christin Lorch
Tel.: 0049-2624-941 680 – Fax: 0049-2624-941 68 12
Mail: (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen)

Anmeldung bitte direkt beim Hotel. Unbedingt auf die Teilnahme an der EUCOPRIMO Tagung hinweisen. Zimmer sind nur garantiert bei einer Buchung vor dem 16.3.2018. Verlängerungstage vor und nach dem Treffen sind nicht garantiert, aber bei rechtzeitiger Buchung möglich.

-> https://hotel-silicium.de

Brauner Belag auf den Geldstücken von Lannatai


Brown Covering on the Coins of Lannatai
(English VERSION follows below)

Hans Menzel-Severing

Auf den Unterseiten der Geldstücke von Nan (Abb.1a/b), der Toks von Chiengmai (Abb.2a/b), des „Flower-Money“, „Oyster-Shell-Money“ (Abb. 3a/3b), „Horse-Hoof-Money“ und „Pig-Mouth-Money“ ist ein bräunlicher Belag zu sehen, der einmal als verkrustetes Eigelb oder Hühnerblut beschrieben wurde. (Le May; Opitz) – In vielen Publikationen ist diese Erklärung übernommen und nicht immer bezweifelt worden. Krisadaolarn / Mihailovs vermuten: “We think that the coloring was achieved by applying gold leaf to the obverse after production“. (S.64) –

Abb. 1a Tok Nan Unterseite

Abb. 1b Tok Nan Oberseite

Abb. 2a Tok Chieng Mai Unterseite

Abb.-2b-Tok-Chieng-Mai-Oberseite

Abb.-3a-Tok-Chieng-May-Typ-oyster-shell-Unterseite

Abb.-3b-Tok-Chieng-Mai-Typ-oyster-shell-Oberseite

 

Nirundorn Visitsin, Bangkok, schickte folgende Information eines thailändischen Experten, die sinngemäß übersetzt so lautet: „Zunächst bereitete die Münzstätte einen Tonschlick ähnlich der Porzellanerde und fügt dem die Asche eines Holzes zu, dessen Art aber nicht mehr bekannt ist. Dieses Gemisch wird auf das schon gegossene Metallstück aufgetragen und erhitzt, wobei die Glasur entsteht.
Eine wirklich zutreffende Erklärung fand ich in der Literatur bislang nicht.

Gelbe Bleiglätte (yellow litharge) ist eine Bleiverbindung, die beim Schmelzen von bleihaltigen Silbererzen entsteht. Dieses Bleioxyd (PbO) färbt sich im Licht rötlich bis bräunlich. Es ist durch Essigsäure (60%) löslich, wobei die Lösung klar (wässerig) ist.

Ich habe nun dazu zwei chemische Versuche durchgeführt: Bei der Einwirkung von Salpetersäure zeigte sich keinerlei Reaktion. Das bedeutet, dass es sich bei dem Belag nicht um eine organische Substanz handelt. Also können Eigelb oder Hühnerblut ausgeschlossen werden.

Bei einem zweiten Versuch habe ich einen Tok von Nan in Essigsäure gelegt. Nach etwa 30 Minuten begann sich der Belag zu lösen, wobei das Silber wenig angegriffen wurde.

Daraus schließe ich, dass es sich bei dem Belag um die oben beschriebene Bleiglätte handelt. Ob die Bleiglätte nun aus ursprünglich bleihaltigem Silbererz stammt oder aus einem Silber, dem vor der Verarbeitung Blei zugefügt worden ist, sei dahingestellt. Letzteres wäre nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass in Burma lange Zeit Blei als Zahlungsmittel verhandelt wurde.

Literatur:

Krisadaolarn, Ronachai and Mihailovs, Vasilijs
2012 Siamese coins from Funan to the fifth Reign.
Bangkok. p.64

Le May, Reginald
1932 The coinage of Siam. [Journal of the Siam Society (Bangkok) 18]
In: Siamese coins and tokens. An anthology by Le May, Ramsden, Guehler and Harding Kneedler. London, 1977. p.123

Opitz, Charles J.
(200 An ethnographic study of traditional money.
Ocala. p.354

Krisadaolarn, Ronachai
2016 The evolution of Thai Money. From its origins in ancient kingdoms. p.55-58.Bangkok

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Redaktioneller Nachtrag

Die braun bis orangefarbenen Beläge auf der Unterseite des verschiedenen Tok Money sind typenunabhängig intensiv ausgeprägt. Sie sind auch nicht regelhaft gleichmäßig vorhanden. Neben Stücken, die gar keine Auflagerungen erkennen lassen, gibt es auch Exemplare mit fast flächenhaftem Belag. Unter dem Auflichtmikroskop ist zu erkennen, dass es sich nicht um eine amorphe Masse, sondern um mikrokristalline „Ausblühungen“ handelt. Es sind keine metallanalytischen Untersuchungen der Tok- Geldstücke bekannt, die zur Erklärung der Auflagerungen beitragen.
In der Sammlung von R. Braun gibt es zwei Stücke, die von ihm aus Interesse am „Innenaussehen“ durchgesägt wurden. Es handelt sich einmal um ein Tok Nan, das auf der Schnittfläche einen homogenen Kupferfarbton zeigt (Abb.4) und um ein Tok unbekannter Herkunft: „unknown provenance … 17th – 20th centuries“ (s. Krisadoalarn/Mihailovs S.66, Plate B04), dessen Schnittstelle silbrig glänzt (Abb.5).

Abb.-4-

Abb.-5-

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Brown Covering on the Coins of Lannatai

Hans Menzel -Severing

   On the obverse of the coins from Nan, the toks from Chiengmai, the “Flower-Money“, “Oyster-Shell – Money“, “Horse-Hoof-Money“ and “Pig-Mouth-Money“ a brownish film can be seen, which was formerly described as encrusted egg yolk or chicken blood. In many publications this explanation was accepted and rarely doubted. Krisadaolarn / Mihailovs write: “We think that the coloring was achieved by applying gold leaf to the obverse after production.“  (See Fig. 1-3 above).

Mr.Nirundorn Visitsin, Bangkok, forwarded the following information from a Thai collector, Mr. Bajong: „First the mint prepares clay, similar to clay used to produce porcelain clay. This clay is mixed with ashes of a special kind of wood which unfortunately is forgotten today. The mixture then is applied on the surface of he Tok. When the piece is heated the clay turns into glacing enamel.“ (rough translation)

So far I have not found a really convincing explanation in the relevant specialist literature.

Yellow litharge is a lead compound resulting from lead containing silver ore during the process of melting. In light this lead oxide (PbO) takes on a reddish / brownish color. By means of acetic acid (60%) it is soluble.

I carried out two chemical experiments in this field: Upon the action of nitric acid there was no reaction at all. From this follows that the film (see above) cannot be an organic substance. Consequently egg yolk and chicken blood can be excluded.

In a second experiment I put a tok from Nan in acetic acid. After about 30 minutes the film began to separate with the silver being barely damaged.

From this I conclude that the film consists of yellow litharge as described above. Whether this yellow litharge originally comes from lead containing silver ore or from silver to which lead was added before it was processed remains unclear. The latter would be not surprising when you consider that for a long time lead was used as a means of payment in Burma.

Fig. 4 and 5 above are showing the surface of cuts through a Tok Nan and a Tok of „unknown provenance … 17th – 20th centuries“ (s. Krisadoalarn/Mihailovs S.66, Plate B04).

Kauris im Hochland von Papua, Indonesien (Ein Nachtrag)

 

Cowries in the highlands of Papua, Indonesia (Supplement)

Bernhard Rabus

 Mein gleichnamiger, vorausgehender Artikel vom 12.12.2016 (abgedruckt im Primitivgeldsammler 37, 2 (2016) stützte sich weitgehend auf die Buchtheorie und einige Bilder aus der online-Sammlung des Yale Peabody Museum for National History (von Pospisil bei seinem Feldaufenthalt 1955 gesammelt). Kauris mit abgeschlagenem Rücken hat wohl jeder von uns, aber wer besitzt schon welche mit der genauen Herkunft und aus der Zeit? Unser Klubmitglied Kurt Koschatzky hat mich mit der Mitteilung überrascht, dass er Stücke mit der Herkunftsangabe Enarotali besitze und zwar Kauris, eine Nassa-Katte und Glasperlen, alle auf alte gedrehte Schnur aufgezogen. Als er das Konvolut ersteigerte, bildete es ein wirres Knäuel, von dem er zunächst nicht wusste, welche Schätze es barg. Enarotali ist die Hauptstadt des Regierungsbezirks Paniai, in dem das Siedlungsgebiet der Kapauku, auch Ekari oder Ekagi genannt, liegt.

 

Ich durfte die Stücke bei Herrn Koschatzky sehen und freundlicherweise hat er mir Fotos davon zur Verfügung gestellt. Sie sind nachstehend kommentiert. Damit wird die Theorie mit der Praxis verbunden.

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Buchbesprechung

Fritz Klusmeier:
Van Dijk, René: Women, Pigs and Shells  –  Lost Forms of Money I

 Dowry Payment, Burial Money, Hoarding, Means of Exchange and Status – Symbol.Rijswijk o.O. 2016, 475 Seiten.ISBN: 978-90-825239-2-8

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um eine Übersetzung des ersten von zwei in niederländischer Sprache erschienenen Publikationen (2016) ins Englische.

Dieser Band befasst sich mit Ozeanien (SS. 22-191), Asien (SS. 194-281) und Afrika (SS. 284-462), wobei die Kapitel zu Ozeanien und Afrika unterteilt sind in „Lost Forms of Money“ (beide Kapitel) und „Ornament(-money)“ –Kap. Ozeanien bzw. „Prestige objects and adornment money“ – Kap. Afrika.

Der Autor hat seiner Publikation Einleitungen vorausgeschickt (SS. 13-19), und am Schluss des Bandes gibt es ein ausführliches Literaturverzeichnis (SS. 465-474), aber leider keinen Index (möglicherweise in Band II, der mir nicht vorliegt).

Gliederungsprinzip ist die Anordnung der einzelnen Objekte nach dem Alphabet – wohl nach dem Vorbild von Opitz – mit dem Dilemma, eine Mischung von einheimischen Bezeichnungen und englischen in Kauf nehmen zu müssen: Nicht jeder Leser wird z. B. die Trobriand-Röcke unter der Bezeichnung „skirt-money“ suchen (S. 114f.) oder die sog. chinesischen Seelenschlösser (S. 251) unter der Bezeichnung „Silver adornment money“ oder die Ketten aus Buschmannperlen unter der Bezeichnung „Egg shell chain“ (S. 345). Weitgehend fehlen Angaben zu Maßen und Gewichten der Objekte, z. T. auch zu den verwendeten Materialien. Man wüsste auch gern, welche der vorgestellten Objekte der Sammlung des Autors angehören und welche möglicherweise nicht.

Der Autor hat in den Einleitungen seine Absichten mit der Publikation erläutert. Er hatte den Wunsch „to document my entire collection with specification of background“ (S. 13) – “The purpose of the book is to describe the most prominent lost forms of money of the world und to provide some background to them.” (S. 14) – “the aim to provide as nearly complete reflection of the various means of payment throughout the world as possible.” (S. 15) Und er wollte für die Niederlande eine Fachliteratur-Lücke schließen, “providing some background information”. (S. 15) Letzteres ist ihm gelungen; es gibt keine vergleichbare Publikation zum Thema, die so viel Text-, Bild- und Kartenmaterial zu den behandelten Objekten liefert.

Was die angestrebte Vollständigkeit der einschlägigen Geldformen angeht, bleiben natürlich einige Lücken; der Autor hat z.B. viele Formen des Warengeldes‚ (commodity money‘), nach Afrika importierte Geldformen, wie Korallenperlen, Neptunes, indische und europäische Textilien, Feuerwaffen und Schießpulver nicht berücksichtigt.

Der Autor hat als seine hauptsächlichen Erkenntnisquellen die „outstanding reference works“ von Quiggin und Opitz angegeben sowie für Afrika den Ballarini und für Amerika den Taxay. Opitz und Ballarini sind aber nur z. T. als Referenzen akzeptabel, da sie reihenweise Objekte präsentieren, die quellenmäßig nicht abgesichert sind. Man vermisst demgegenüber Referenzwerke wie z. B. Einzig, Rivallain und Deutsch. Dass der Autor auf viele (aber nicht alle) einschlägigen Beiträge aus dem „Primitivgeldsammler“ zurückgegriffen hat, war sicher nützlich, da diese Beiträge quellenmäßig solide belegt sind.

Der Autor hat sich leider, was seine Quellenbelege angeht, teilweise mit unsicheren Quellen zufrieden gegeben: Angaben von Händlern, Auktionshäusern, Galerien sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, da bei diesen potentiell ökonomische Interessen wichtiger sind als wissenschaftliche. So sind leider eine ganze Reihe von Objekten berücksichtigt worden, die keine Geldformen sind, z. B. im Kapitel Asien die chinesischen „Münzschwerter“ (S. 207), die Halsringe der Padaung-Karen-Frauen (S. 252), das ominöse indonesische Kugelgeld (S. 280f), oder die umstritten sind wie die chinesischen Kleinbronzen (S. 242f.) und der Silberschmuck (S. 251).

Erheblich problematischer ist aber die Objektauswahl im Afrika-Kapitel, für viele der vorgestellten Objekte fehlen belastbare Belege, die ihren Geldcharakter beweisen könnten. Was der Autor hier an Belegen anbietet sind z. T. einschlägige Galerien (Africa Curio, Africa and beyond, Africa Direct, Hamill Gallery), diese Firmen verzichten aber bei ihren Angeboten im Netz durch die Bank darauf, Quellen anzugeben ( sie könnten das auch bei vielen Objekten gar nicht, die sie als „currency“ verkaufen wollen). Andere vom Autor angegebene Referenzen sind Publikationen, die schon einschlägige Abbildungen der fraglichen Objekte bringen, aber keineswegs ihren Geldcharakter bestätigen (Publikationen zu ethnischem Schmuck oder Blankwaffen, z. B. Elsen, Gosseau, Leurquin).

Lieblingsreferenzen des Autors sind aber augenscheinlich die Bücher von Ballarini und Bartolomucci. Wenn man dann in diesen Publikationen nachschaut, findet man dort auch keine Belege. (Das gilt z. B. für die Objekte SS. 326, 339 unten, 353, 400, 442, 443, 446 bis 456.)

Auch sonst hat sich der Autor vor allem auf Sekundärliteratur berufen; und dabei ist z. B. auch Opitz, ein Vorbild des Autors, nicht in jedem Fall eine gute Adresse. Sekundärliteratur ist ja nur dann als Beleg brauchbar, wenn sie auf zeitgenössischen Texten, gut dokumentierten Museumsbeständen, unveröffentlichtem Archivmaterial oder Aussagen von Zeitzeugen fußt.

Abbildungen gibt es erfreulicherweise nicht nur von den Objekten selbst, sondern oft auch von den Objekten in situ. Die Druckqualität mancher Abbildung lässt aber zu wünschen übrig (zu dunkel!).

Das Literaturverzeichnis ist wie gesagt umfangreich, man vermisst jedoch, gerade was die Frage der Geldformen angeht, den einen oder anderen wichtigen Titel, z. B. Schmeltz / de Jong, Rivallain, Wieschhoff, Schurtz, Thilenius, Kürchhoff, Deutsch, Schneider, Petri, Sigler.

Wem nützt dieses Buch? Der Kenner der Materie wird die vorgestellten Objekte einzuordnen wissen, was die Frage des Geldcharakters angeht. Der interessierte Laie lernt viele Objekte und ihren „background“ kennen und wird begreifen, dass die Beschäftigung mit vormünzlichen Geldformen eine problematische Angelegenheit ist.

 

Frühjahrstreffen 21.-23. April 2017 in Ellwangen

Tagungshaus Schönenberg, Schönenberg 40, 73479 Ellwangen

Tel: 07961 933 550 – Fax: 07961 933 55290 – Mail: (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen)

Treffen schoenenberg-bild

–>>  http://www.haus-schoenenberg.de/

Anmeldung bitte VOR dem 28.2.2017 direkt beim Hotel. Unbedingt auf die Teilnahme an der EUCOPRIMO Tagung hinweisen. Verlängerungstage vor dem 21.4. und nach dem 23.4. sind möglich.

 

 

Kauris im Hochland von Papua, Indonesien

Cowries in the highlands of Papua, Indonesia

Aus Heft 96: Primitivgeldsammler 37/2, 49-57 (2016); Bei korrekter Zitierweise ist die Übernahme von kleineren Textausschnitten ohne Rückfrage erlaubt.

Bernhard Rabus

Auf ihrem Zug durch die Welt hat die Kauri auch vor dem Hochland des westlichen Teils von Neuguinea, heute die indonesische Provinz Papua, nicht haltgemacht. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Monetaria moneta (früher Cypraea moneta), also die „Geld-Kauri“. Auch wenn sie in ihrer natürlichen Form gesammelt und gehandelt wurde, als indigene Geldform trat sie hier stets mit abgeschlagenem Rücken auf.

Abb. 1-1: Indonesien: Provinz Papua: Dorf Botukebo. Männer der Kapauku zahlen einen Brautpreis (aus Pospisil, 1962)

Abb. 1-1: Indonesien: Provinz Papua: Dorf Botukebo. Männer der Kapauku zahlen einen
Brautpreis (aus Pospisil, 1962)

Wenn auch Kauris von Norden her den Mamberano Fluss entlang eintrafen so wurde das  zentrale Hochland, das etwa 200.000 Dani bewohnen, im Wesentlichen aus zwei Richtungen mit Kauris versorgt: Von Südwesten her über die Ekari = Kapauku, Moni und Damal sowie von Südosten her über die Mandobo und Muyu.

Abb. 1-2: Hauptachse der Kauri-Zirkulation im Hochland der indonesischen Provinz Papua (aus A. M. und P. Pétreqin: Objets de pouvoir en Nouvelle Guinée, 2006, S. 159).

Abb. 1-2: Hauptachse der Kauri-Zirkulation im Hochland der indonesischen Provinz Papua
(aus A. M. und P. Pétreqin: Objets de pouvoir en Nouvelle Guinée, 2006, S. 159).

(Von mir gekennzeichnet sind die Stämme der Ekari/Kapauku, der Damal sowie der Muyu, bei denen Kauris eine echte Geldfunktion übernahmen. Konda Valley ist ergänzt. Hier forschte Denise O´Brien und dokumentierte den Gebrauch von Kauri-Bändern als Bestandteil des Brautpreises bei den Dani. Die Grafik endet rechts mit der Grenze zu Papua Neuguinea.)

Für die Kapauku/Ekari, die Damal und die Muyu ist der Gebrauch einzelner Kauris als Geld nachgewiesen, die Dani verwendeten sie wohl nur auf gewebte Bänder aufgenäht als Brautpreis.

A. Kauri-Bänder der Dani
Bei den Dani spielten die Kauris keine rein kommerzielle, sondern eher eine sozio-ökonomische Rolle. Auf Bänder zu je meist 60 Stück aufgenäht fanden sie bei Begräbnissen insofern Verwendung als die Teilnehmer damit dem Toten einen Tribut leisteten, hernach wurden sie wieder an die Gäste  verteilt (de Boer, 1986:98; Gardner und Heider, 1968:94-95). Weit wichtiger für  uns ist aber der Gebrauch dieser Bänder als „Brautpreis“. Diesen hat Denise O´Brien (1969) für die Dani im Konda Valley nach gründlicher Feldarbeit 1961 ausführlich dokumentiert. Die drei wesentlichen Bestandteile eines Brautpreises waren Schweine, Je-Steine, dort jao genannt, und Kauri-Bänder (S. 407). In den zahlreichen von ihr untersuchten Heiratsfällen betrug die durchschnittlich vom Bräutigam (eigentlicher Brautpreis) geleistete Anzahl der Kauri-Bänder 1930-1950 jeweils 7, zwischen 1950 und 1957 jeweils 14 und 1957-62 jeweils 17 (S. 432). Davor waren schon zur Verlobung Kauri-Bänder gegeben worden. Wer wieviel bezahlt und wer wieviel empfangen hat, listet O Brien auch an anderer Stelle tabellarisch auf (O´Brien 1969a:214 ff.) und weist dabei die große soziale Bedeutung dieser Zahlungen nach. Ploeg (1969:27 ff.) berichtet ausführlich über die Verwendung von Kauri-Bändern als Brautpreis bei den Wanggulam, einem Dani Stamm. Wie die Bänder aussehen zeigt:

Abb. 2: Der schwedische Naturforscher Sten Bergman verbrachte 1957 einige Monate bei den Dani in Kadubaka im Swart Valley = Konda Valley. Das ist identisch mit Karubaga, in dessen Nähe die Anthropologin Denise O´Brien (1969) in den Jahren 1961/63 insgesamt 18 Monate forschte Auch sie berichtet von Häuptling Tibalak und dass die Bewohner sich an Bergman erinnerten. (Bergman, Mein Vater, der Kannibale, 1961, Tafel 29)

Abb. 2: Der schwedische Naturforscher Sten Bergman verbrachte 1957 einige Monate bei
den Dani in Kadubaka im Swart Valley = Konda Valley. Das ist identisch mit Karubaga, in
dessen Nähe die Anthropologin Denise O´Brien (1969) in den Jahren 1961/63 insgesamt
18 Monate forschte Auch sie berichtet von Häuptling Tibalak und dass die Bewohner sich
an Bergman erinnerten. (Bergman, Mein Vater, der Kannibale, 1961, Tafel 29)

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Waren die südafrikanischen Perlen aus Straußeneierschalen (Buschmannperlen) Geld?

Were the South African ostrich eggshell beads (bushman beads) money?

Aus Heft 96: Primitivgeldsammler 37/1, 5-18(2016); Bei korrekter 
Zitierweiseist die Übernahme von kleineren Textausschnitten ohne 
Rückfrage erlaubt.

Fritz Klusmeier

Jede Untersuchung dieser Perlen hat mit der Erkenntnis zu beginnen, dass sie ein uraltes Phänomen sind. Seit der Steinzeit haben Menschen in vielen Teilen Afrikas solche Perlen hergestellt, und Archäologen haben sie aus der Erde geholt, und zwar in verschiedenen Stadien der Verarbeitung (Anm. 1).

Karte 1: Verbreitung der Straußenei Scheibchen in Afrika. O Fundorte (aus Krieger, !943 S.85)

Karte 1: Verbreitung der Straußenei Scheibchen in Afrika.
O Fundorte
(aus Krieger, !943 S.85)

 

Abb.1: Die Tasche einer Khoisan Frau (oben) mit Straußenei Schalen in verschiedenen Verarbeitungsstadien (Mitte) und Werkzeugen zur Bearbeitung der Scheibchen (unten). (von L. Fourie um 1920 gesammelt; Museum Afrika in Johannesburg, aus M. Vanhaeren, 2005 S.536

Abb.1: Die Tasche einer Khoisan Frau (oben) mit Straußenei Schalen in verschiedenen Verarbeitungsstadien (Mitte) und Werkzeugen zur Bearbeitung der Scheibchen (unten).
(von L. Fourie um 1920 gesammelt; Museum Afrika in Johannesburg, aus M. Vanhaeren, 2005 S.536

Unter der Fragestellung der Überschrift sind diese vorgeschichtlichen Funde aber nicht relevant, da naturgemäß einschlägige Quellenbelege nicht vorliegen.

In neuerer Zeit wurden und werden diese Perlen weiterhin in Ost- und Südafrika hergestellt und verwendet. Ich beschränke meine Untersuchung auf Südafrika, da mir bezüglich Ostafrika keine für die Fragestellung relevanten Belege zur Verfügung stehen.

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